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Notunterkunft für Flüchtlinge: So sieht die Traglufthalle aus

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Die Halle von innen: Ab nächster Woche sollen hier die ersten Asylbewerber einziehen. © fkn

Taufkirchen - Bevor Mitte dieser Woche die ersten Flüchtlinge in die Traglufthalle Taufkirchen einziehen, hatten Bürger die Möglichkeit, die Notunterkunft der Asylsuchenden zu besichtigen. Über 1000 Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich die Halle am Köglweg anzuschauen.

Eine Schleuse mit zwei Türen trennt das Drinnen vom Draußen, damit möglichst wenig Luft entflieht und die Unterkunft nicht in sich zusammensackt. An der Eingangstür stehen Security-Mitarbeiter. Schubweise lassen sie die Bürger eintreten. Wer drinnen ist, steht im Aufenthaltsbereich. In der Halle ist es hell - und heiß; die Klimaanlage ist noch nicht installiert.

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Iglu oder Raumschiff? Die Traglufthalle auf der Taufkirchner Zirkuswiese sticht ins Auge. © Schlaf

Alle Basisnotwendigkeiten sind vorhanden: ein Essbereich mit Bierbänken und -stühlen, eine Spielecke für Kinder, Sofas, die Lounge-Gefühl vermitteln sollen; die Halle verfügt sogar über einen Krankenbereich. Im rechten Trakt befinden sich der Schlaf- und Sanitärbereich. In einer Kammer, ausgestattet mit drei Hochbetten, einem Spint, einem Tisch und zwei Stühlen, werden sechs Flüchtlinge untergebracht. Komfortabel ist das nicht, es ist auch nicht annähernd heimelig, aber die Asylsuchenden „haben zumindest einen besseren Standard als in Turnhallen“, sagt Landrat Christoph Göbel. Sie böten einen „Minimalzustand an Privatsphäre“. In den kommenden Wochen ziehen die ersten Asylbewerber von den Turnhallen um. Auch die Traglufthalle soll nur „eine Übergangslösung darstellen, bis neue, feste Unterkünfte fertig sind“, sagt Göbel. Rund 300 Flüchtlinge werden in der Halle am Köglweg wohnen.

Die erste Halle dieser Art im Landkreis

Es ist die erste Halle, die der Landkreis zur Unterbringung von Flüchtlingen errichtet hat. Viele Bürger knipsen Fotos. Von den Toiletten, von den Kammern, vom Aufenthaltsbereich. Manche spotten, die meisten aber zeigen eine wohlwollende Haltung. Eine Taufkirchnerin sagt: „Ich finde die Halle toll, weil sie ausreichend Platz bietet. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Leute hier ordentlich versorgt werden.“ Ihr Ehemann pflichtet bei und erhofft sich von den Bewohnern, „dass sie die Anlage sauber halten“.

Die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge ist groß

Etwa 70 Flüchtlinge werden in dieser Woche einziehen, schätzt Henrike Sternstein-Böttcher von der Koordinierungsstelle Asyl des Landratsamtes. Die

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In der Halle ist es hell - und heiß; die Klimaanlage ist noch nicht installiert. © fkn

meisten Taufkirchner seien offen. „Wie kann ich helfen?“ und „Wo kommen die Menschen her?“ sind die häufigste Frage, mit der Bürger an Sternstein-Böttcher herantreten. Sie wünscht sich eine „Mischbelegung“; die Erfahrung zeige, dass ein Miteinander gut funktioniere, wenn Familien und Einzelpersonen gleichermaßen zusammenwohnten.

Matthias Hilzensauer, Leiter des Caritas-Zentrums Taufkirchen, wird mit seinem Team den Flüchtlingen zur Seite stehen. Sozialbetreuer der Caritas sind Ansprechpartner für die künftigen Bewohner, die nicht nur Traumata verarbeiten müssen, sondern auch kein Deutsch sprechen und überdies vor ganz praktischen Problemen stehen: Wo finde ich einen Supermarkt? Wie komme ich zu Behörden? Wie soll ich mich dort verständigen?

Die Caritas bietet einen Begleitservice an und will ein Patenprojekt realisieren, „damit die Flüchtlinge eine Bezugsperson haben und sich schnell zurechtfinden“, sagt Hilzensauer. Im Helferkreis gebe es einige ehemalige Lehrer, die den Asylbewerbern Deutschunterricht geben und Kindern bei den Hausaufgaben helfen werden. Die Helfer möchten dazu beitragen, dass sich Göbels Wunsch erfüllen wird: „Die Menschen sollen hier durch Zuwendung ankommen und zur Ruhe kommen.“

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