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Tipps, wie man einen plastikfreien Haushalt führt, gab Aline Pronnet (stehend) in Baierbrunn.

Hier gibt sie Tipps

Nur 300 Gramm Plastikmüll im Jahr: Diese Frau produziert ihr eigene Kosmetik und Co.

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Pro Jahr produziert der Durchschnittsdeutsche rund 220 Kilogramm Plastikmüll. Aline Pronnet erzeugt im gleichen Zeitraum etwa 300 Gramm. Wie sie das schafft, erfahren Sie hier.

Baierbrunn/Landkreis – 2010 ist die Aline Pronnet von zuhause ausgezogen. Sie war fertig mit der Schule, sie würde jetzt Kunstgeschichte studieren. Nur leider war von ihrer neuen Wohnung der nächste Wertstoffhof sechs Kilometer entfernt. „Ich musste alles radeln“, erzählt die Münchnerin. Es war ihr zu viel. Also? Reduzierte sie einfach ihren Müll. Inzwischen beschränkt sich das Plastik, das sie wegwirft, nach eigenen Angaben auf 300 Gramm im Jahr. Und Metall braucht sie auch nicht viel mehr. Seit 2015 gibt sie in ihrem Blog Tipps dazu, wie man Verpackung vermeidet – und Kosmetika und Haushaltsmittel selbst herstellt. Vor Kurzem hielt sie auch einen Workshop in Baierbrunn.

Wer dort ihrem einführenden Vortrag zuhörte, lernte gleichmal, dass die sogenannten Bio-Plastiktüten mitnichten bedenkenlos zu verwenden sind. Auch, wenn sie aus Zellulose bestehen, das ja theoretisch irgendwann in seine Bestandteile zerfällt. Aber die Vergärungsanlagen lassen, erklärte Pronnet, den Behältern aus Maisstärke oder auch Bambus einfach nicht die Zeit dazu. Zwölf Wochen würde eine Zellulose-Tüte brauchen, um abgebaut zu werden. Die Vergärung in den großen Anlagen ist jedoch nur auf neun Wochen eingerichtet. Der Effekt: Das Zeug wird von Hand von den Mitarbeitern herausgefischt. Pronnet: „Jedes Mehrweg ist besser als Einweg.“

„Machen Sie einen Schritt nach dem anderen“

Aline Pronnet empfahl den Kurs-Teilnehmern, einen Monat lang einfach mal den angesammelten Müll nicht gleich in die Tonne zu werfen. Sie sollen ihn aufheben – und nach vier Wochen durchsehen. Was ist da alles dabei? Worauf könnte man verzichten? „Machen Sie einen Schritt nach dem anderen, tauschen sie sich mit Gleichgesinnten aus“, reit Pronnet.

Um Müll dauerhaft vermeiden zu können, müsse man sich fünf Verhaltensweisen angewöhnen. Erstmal: freilich auf manches verzichten. Geschenke nicht annehmen – etwa Plastik-Kulis an Info-Ständen. Dann den Konsum zurückfahren, mehrfach verwenden, was geht. Kompostieren, recyceln. Aus vielen Lebensmitteln könne man auch mehr rausholen. „Aus den Blättern von Radieschen mache ich einen Aufstrich.“

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220 Kilogramm Plastikmüll produziert der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Vieles davon sei recht leicht zu vermeiden, sagt Pronnet. Sie selbst kaufe „alles secondhand“ kaufen: Das mache Spaß, dauere unter Umständen aber ein wenig länger. Außerdem relativ leicht machbar: Im Unverpackt-Laden einkaufen, manches selber machen, was man bislang als Fertigprodukt gekauft hat, Neues ausprobieren. Zahnputz-Tabletten vielleicht. Oder Shampoo-Seife für die Haare.

Waschmittel, Bodylotion und Co.: So wird’s gemacht

Haare kann man auch mit Seifenshampoo waschen, das es in vielen Bioläden gibt. Aline Pronnet macht sich auch die Spülung selbst – aus zwei Esslöffeln Apfelessig, die sie mit einem Liter Wasser mischt. Wer dunkle Haare hat, nimmt statt des Wassers Salbeitee. 

Bodylotion? Kauft Aline Pronnet auch nicht. Auch die mischt sie sich selbst, Basis dabei sind Öle, die sie auch zum Kochen hernimmt. Auf 25 Milliliter Sonnenblumenöl etwa gibt sie dann drei Tropfen eines hochwertigen ätherischen Duftöls ihrer Wahl. Lavendel etwa würde beruhigen, „Pfefferminz wirkt eher kühlend“. Bei Menstruationsbeschwerden, gegen Hitzewallungen zu empfehlen: Muskatellersalbei. Gegen Falten soll angeblich auch Kokosfett helfen – genau das Kokosfett, mit dem man auch kocht. Das wird schnell flüssig, sobald man es auf der Haut verreibt. Ihre Zähne putzt Pronnet mit Zahnputz-Tabletten, die man erst kaut, die dann Schaum entwickeln zum Putzen. 

Auch Waschmittel kann man selber machen. Indem man je einen Teelöffel geraspelte Seife nach Wahl und Spülmaschinensalz mischt mit je einem Esslöffel Waschsoda und Natron. Weiße Wäsche kommt auch wirklich weiß aus der Maschine, wenn man noch einen Esslöffel Zitronensäure zur Mischung hinzugibt. Ein anderes Waschmittel für Buntwäsche stellt Pronnet aus Kastanien her. Die zertrümmert sie, solang sie noch frisch sind, erst zwischen zwei Tüchern mit einem Hammer, dann schneidet sie sie mit einem Wiegemesser klein und trocknet das Ganze, sodass man die Kastanienbrösel aufbewahren kann, ohne dass sie schimmeln. Von den Kastanienbröseln gibt Pronnet pro Maschine einen Esslöffel in einem verknoteten Strumpf in die Trommel. Wer keine Spülmaschine hat, kann mit Kernseife abspülen. 

Den Abfluss in der Küche und im Bad reinigt Pronnet so: Sie gibt erst einen Esslöffel Natron in den Ausguss, gießt eine Tasse heißen Essig hinterher und spült dann noch mit heißem Wasser nach. Die Zutaten für die Haushaltsmittel kauft Pronnet im Unverpackt-Laden, Natron kann man in größeren Mengen auch in der Apotheke bestellen. Man verwendet ausschließlich Bio-Produkte.

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