Oben alles offen

Ottobrunn - Auch wenn 2015 kein Geld da ist: Die Überdachung des Ottobrunner Eisstadions scheint für den ERSCO so greifbar wie lange nicht.

Im Sport gibt es das, und auch in der Politik: Niederlagen, die eigentlich kleine Siege sind.

Günther Kopperger, Vizepräsident des ERSC Ottobrunn, geht fest davon aus, dass der Ottobrunner Gemeinderat heute Abend dagegen entscheidet, 400 000 Euro für eine Überdachung des Eisstadions in den Haushalt 2015 einzustellen. So fest, dass er der Sitzung nicht mal als Zuhörer beiwohnen wird. Dennoch sagt Kopperger: „Ich bin definitiv guter Hoffnung.“ Denn schon lange nicht mehr - wenn überhaupt einmal - fühlte sich der ERSCO seinem Traum vom Dach so nahe.

Dieser Optimismus ist begründet. Denn auch wenn Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) dem Gemeinderat am Mittwochabend empfehlen wird, den Antrag von Sportreferent Gerald Kunzmann (FDP) abzulehnen, sagt er: „Wo ein Wille ist, ist vielleicht auch ein Weg.“ Zwar habe die Verwaltung auf Grundlage der vom ERSCO präsentierten Zahlen errechnet, dass zu den 400 000 Euro „mindestens nochmal 104 000 Euro“ kämen. Eine Investition, die die mittelfristige Finanzplanung der Gemeinde momentan nicht erlaubt, und ein Kredit kommt nicht in Frage. „Da verschiebt es sich also eher zu Ungunsten“, sagt Loderer über die finanzielle Machbarkeit des Projekts.

Andererseits habe die Gemeinde ihre 2015 zu erwartenden Einnahmen „konservativ angesetzt“, auch die aus der Gewerbesteuer. Mit Blick auf den Haushalt 2016 sagt Loderer deshalb: „Wenn wir eine positive Überraschung erleben, haben wir vielleicht ein bisschen mehr Luft.“ Und allgemein hat der Bürgermeister den Eindruck, unter den Entscheidungsträgern wünsche sich eigentlich jeder, „dass man das möglich machen kann“. Denn: „Das Konzept ist intelligent.“

Den Grundstein für dieses Wohlwollen hat der Verein im Oktober gelegt. Kopperger und Horst Wallek, der Technische Leiter des ERSCO, hatten damals mit einer professionellen Präsentation im Gemeinderat Überzeugungsarbeit geleistet. Keine teure Eishalle wollten sie bauen, sie wollten vielmehr eine Eisfläche mit einer Stahlkonstruktion überdachen. Seitlich würde das Stadion offen bleiben, seinen Freiflächencharakter behalten. Im Sommer erhielte die Gemeinde zudem ganz nebenbei eine Multifunktionshalle, in der Kino-Vorführungen oder Public Viewing möglich wären.

Etwa 400 000 Euro würde das alles kosten, rechnete der Verein vor. Begleitet von einigen Einspar- und Verdienstmöglichkeiten für die Gemeinde und den Verein - darunter die Möglichkeit, die Dachfläche zu nutzen um Solareneergie zu gewinnen. Dazu komme: Setze man eine Stadionrestlaufzeit von 20 Jahren an, könne man das Dach dann noch für mindestens 100 000 Euro verkaufen. Der Gemeinderat wirkte im Herbst von der Idee angetan, ließ sich aber noch nicht in die Karten schauen.

Nun sieht es danach aus, dass die Gemeinde-Finanzen dem Projekt vorläufig einen Strich durch die Rechnung machen. Der ERSCO wird das ohne Murren akzeptieren. „Wir wollen nicht als Pressure-Group auftreten“, sagt Kopperger.

Der Verein will die Chance, die er in dieser positiven Grundstimmung hat, keinesfalls verspielen. Es könnte schließlich auch die letzte sein, denn die seit der Erbauung 1972 immer wieder aufflammende Diskussion um die Überdachung des Ottobrunner Eisstadions scheint tatsächlich kurz vor ihrer endgültigen Klärung zu stehen. Oder wie Bürgermeister Loderer es sagt: „Wenn nicht diesmal, dann nie.“

Sebastian Horsch

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