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Haltestelle Regina-Ullmann-Straße: Hier ereignete sich der jüngste Unfall.

Schon das dritte Unglück im März

Gefahr im Straßenverkehr: Unfallrisiko Kopfhörer

München - Unfallrisiko Kopfhörer: Schon wieder ist in München ein Jugendlicher mit Musik in den Ohren von einer Trambahn erfasst worden. Wie gefährlich ist das?

Erneut ist in München ein Verkehrsunfall passiert, bei dem der verunglückte Passant Kopfhörer trug. Seit Oktober ist es das vierte Mal. Sind Kopfhörer, die Außengeräusche isolieren, eine unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr? Die jüngsten Vorfälle deuten darauf hin.

Der jüngste Unfall ereignete sich Mittwochabend. Ein 17-jähriger Schüler steht zusammen mit Freunden an der Tramhaltestelle Regina-Ullmann-Straße in Oberföhring. Er trägt Kopfhörer. Der Jugendliche verabschiedet sich, dreht sich um und überquert die Tramgleise. Die heranfahrende Bahn hört er nicht.

Trambahn-Fahrer sind machtlos - Notbremsung wirkungslos

Der Fahrer der nahenden Trambahn (57) ist machtlos. Für spontane Manöver sind die Züge ungeeignet. Er leitet zwar eine Notbremsung ein, kann aber den Zusammenstoß nicht verhindern. Das vordere rechte Eck des Triebwagens erfasst den 17-Jährigen. Mit voller Wucht wird er gegen das Wartehäuschen der Haltestelle geschleudert – Kopf voraus. Mit schwersten Verletzungen bringt ein Rettungswagen den Jugendlichen in eine Klinik. Der erfahrene Trambahnfahrer ist traumatisiert, vielleicht sein Leben lang. Immerhin ist der 17-Jährige inzwischen außer Lebensgefahr.

Zuvor, am selben Tag, kurz nach Mitternacht, trifft es einen weiteren jungen Mann. Der 23-Jährige steigt gegen 1 Uhr an der Bushaltestelle Hohenzollernplatz aus. Er hört Musik und trägt Kopfhörer. Hinter dem Bus quert er die Straße. Es ist finster, er ist dunkel gekleidet und hört den nahenden Kleinwagen nicht. Der Smartfahrer sieht den jungen Mann zu spät. Der Smart prallt fast ungebremst gegen den jungen Mann. Erst 20 Meter nach dem Unfallort bleibt der 23-Jährige schwer verletzt liegen. Erste Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma. Der junge Mann ringt in einem Krankenhaus um sein Leben.

15-Jährige stirbt bei Unfall an der Landsberger Straße

Eine 15-jährige Münchnerin bezahlte ihre Unaufmerksamkeit kürzlich mit dem Leben. Es geschieht am 2. März, mitten am Tag gegen 16.15 Uhr. Julia B. möchte die Landsberger Straße überqueren, auf der Höhe der Friedrich-von-Pauli-Straße. Sie trägt Kopfhörer und bemerkt die heranfahrende Trambahn nicht. Der Zugfahrer läutet mehrmals, um Julia B. zu warnen – vergeblich. Alle Außengeräusche sind durch ihre Kopfhörer ausgeblendet. Ohne rechtzeitig reagieren zu können, fährt der Trambahnführer die 15-Jährige an. Der Zug erfasst sie und schleift sie mit. Das Mädchen wird unter dem Zug eingeklemmt. Erst nach 20 Minuten kann sie geborgen werden und erliegt später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Die jüngste Münchner Unfall-Serie mit Kopfhörern begann schon am 3. Oktober vergangenen Jahres. Eine 14-jährige Schülerin wird an einem Samstag gegen 18.10 Uhr von einer Tram angefahren. Am Steubenplatz in Neuhausen läuft das Mädchen bei Rot über die Gleise. Sie hatte nach Angaben der Polizei Kopfhörer in den Ohren und beschäftigt sich mit dem Handy – eine doppelt fatale Ablenkung im Verkehr. Die Schülerin zieht sich bei dem Unfall schwere Prellungen zu und muss in ein Krankenhaus gebracht werden.

Das sind nur vier Vorfälle mit schweren Folgen im Münchner Stadtgebiet, bei denen Kopfhörer eine Rolle gespielt haben. Tagtäglich gibt es ähnliche Situationen, die allerdings gerade noch glimpflich enden. Die Polizei warnt vor allem junge Menschen eindringlich und bittet um erhöhte Vorsicht. Schließlich hätten Fußgänger keine Knautschzone. „Das Musikhören beim Gehen oder Radfahren ist gefährlich“, mahnt Dieter Bauer, Leiter der Verkehrsabteilung bei der Münchner Polizei.

Hüseyin Ince

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