Von Oberhaching aus bereist Mayer die weite Welt des weißen Sports

- 20-jähriger Nachwuchsmann sorgt in Australien für Furore

Melbourne - Einmal Oberhaching, Neukaledonien, Melbourne und zurück: Mit der wundersamen Reise zu seinem ersten Grand-Slam-Turnier ist ein Tennis-Nobody namens Florian Mayer unerwartet in den Mittelpunkt gerückt. "Ich bin unglaublich zufrieden mit mir", kommentierte der 20-jährige gebürtige Bayreuther seinen 7:5, 6:4, 6:3-Erfolg über Frankreichs Talent Richard Gasquet, der ihm den Zweitrunden-Einzug bei den Australien Open bescherte.

Anders als Routiniers wie Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer, die er in Melbourne erstmals bei einem Turnier traf, spielte Mayer weiter so unbeschwert wie in der Qualifikation. Der Weg zu seinem ersten Grand-Slam-Turnier führte ihn aus dem Trainingszentrum in Oberhaching über ein Challenger-Turnier in Neukaledonien. "Das war perfekt organisiert - so richtig in den Tropen mit einem schönen Strand", erzählte der zurückhaltende Mayer. Das Preisgeld von Melbourne, umgerechnet gut 17 000 Euro minus Steuern, wird zum Teil für den vierwöchigen Tennis-Trip draufgehen.

Ohne die Unterstützung des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) und seiner Eltern - der Vater ist Lehrer, die Muter selbstständig - könnte Mayer nicht seit drei Jahren als Profi leben. Der DTB stellte ihm vor knapp zwei Jahren Ulf Fischer als Trainer zur Seite (siehe nebenstehenden Bericht). Damals stand Mayer um Rang 900 in der Welt. Fischer hatte einst Hendrik Dreekmann und Alexander Radulescu unter die Top 50 geführt, aber nie auf den Leistungssprung des früher sehr schmächtigen Mayer gewettet.

"Das größte Talent im deutschen Tennis" Franz-Josef Wich dagegen, Mayers Teamchef beim Zweitbundesligisten 1. FC Nürnberg, hat stets an den Oberfranken geglaubt. "Für mich ist er das größte Talent im deutschen Tennis." Mayer dürfte sich nach Melbourne auf Rang 170 verbessern. Seine bisher größten Erfolge sind der Sieg beim Challenger-Turnier in St. Petersburg sowie das Finale der deutschen Hallenmeisterschaft.

An seinem Schützling gefällt Fischer die Einstellung. "Tennis ist sein Leben. Er ist bereit, alles dafür zu tun", sagt der Coach. Genau daran mangelt es andern Altersgenossen.

"Wenn man da nicht 100 Prozent gibt, wird es schwer. Von Platz 100 bis 400 ist es von der Leistung nur ein kleiner Unterschied", sagt Mayer, der in Kindertagen oberfränkischer Meister war. Im Tennis soll es spätestens in zwei Jahren unter die Top 100 gehen. Coach Fischer will sich nicht festlegen, ob Mayer das schafft. Zu viele Talente sind gescheitert.dpa

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