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Klassik

Geschwister Neeb geben ein glanzvolles Konzert im Forstnersaal

Oberhaching - Was den Auftritt von Vincent und seine zwei Jahre jüngere Schwester Sophie Neeb im Forstnersaal ganz besonders auszeichnete: Kurz zuvor hatte Sophie zum wiederholten Mal den Bundespreis von „Jugend musiziert“ abgestaubt. Ihr Bruder hatte in der Vergangenheit ebenfalls beim Wettbewerb geglänzt.

Die Jungstudenten sind ein Glücksfall für Oberhaching, und die etwa 150 Besucher quittierten ihr Los mi viel Applaus. Die Geschwister eröffneten das Heimspiel mit Brahms’ vierhändigen Variationen über ein Thema von Robert Schumann, die sogenannten Geister-Variationen, uraufgeführt von Schumanns Witwe Clara und deren Tochter Julie.

Bedächtig musizierte das Duo das „Leise und innig“ überschriebene Thema, drückte im Wechsel von Tempo und Tonart insbesondere langsame Veränderungen wehmütig aus und endete mit dem Anklang an einen Trauermarsch. Die Geschwister beeindurckten im freien Spiel mit technischer Brillanz, der Gehalt der Werke blieb nicht verborgen. Kein Wunder also, dass sie nach vielen Erfolgen 2015 den WDR-Klassik-Preis der Stadt Münster und den ersten Preis beim Südwestdeutschen Kammermusikwettbewerb Bad Dürkheim gewannen. Vincent führte Beethovens Sonate in A-Dur (op. 101) vor. Besinnlich musizierte er den lebhaften Marsch mal auch schroff. Für das Adagio ließ er er sich Zeit, wie es das Herzstück erfordert. Bravour brachte er auf für das Schluss-Allegro („Geschwind, doch nicht zu sehr und mit Entschlossenheit“). Hier folgt der Exposition die Durchführung mit einer Fuge, die er beherzt anging. Eine Liszt-Auslese begann mit „Venezia e Napoli“, Supplement zu Liszts Pilgerjahren, das Sophie spielte. Triller beider Hände gehörten zur Barkarole, so schien „Gondoliera“ in Wellen zu schwanken. Regte hier ein venezianisches Volkslied an, so verarbeitet Liszt eine Arie ausgerechnet aus Rossinis Oper Otello zur melancholischen Canzone, wo das Tremolo eine Gitarre oder Mandoline imitiert. Sophie steigerte die Tarantella zu rasender Eile, was Giocoso assai wirkte. Vincent folgte mit Liszts „Sonate“ in h-moll. Man staunte, wie sicher der Junge den schweren Part bewältigte. Ein Fortissimo marcatissimo war als Kraftausbruch zu erleben, und wie ein Blitz wirkte ein vereinzelter Lauf.

Von Dramatik, wo er etwa auch Akkordschläge als Grandioso stemmte, wechselte er zu stimmungsvoller Lyrik. Vierhändig endete das Konzert. Bei Ravels Rhapsodie espagnole entfalteten die beiden die Prélude à la nuit als poetisches Stimmungsbild. Dem Beifall dankten sie trotz vorgerückter Stunde mit einem der Slawischen Tänze Dvoráks und einem der Liebeslieder-Walzer von Brahms.

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