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Olaf Biedermann aus Furth ist leidenschaftlicher Fallschirmspringer

Immer in der Luft

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Furth - Mehr als 8000 Fallschirmsprünge hat Olaf Biedermann (46) aus Furth (Gemeinde Oberhaching) schon absolviert. Dabei war der erste Sprung im Alter von 17 Jahren eher eine „zufällige Idee“, wie er sagt.

8000 Fallschirmsprünge in 29 Jahren, das macht 275 Sprünge pro Jahr. Eigentlich genügt diese eine Zahl, um Olaf Biedermanns Faszination am Springen zu illustrieren. Um die Leidenschaft zu erklären, mit der sich der Familienvater seit Jahren in die Tiefe stürzt.

Hauptberuflich arbeitet der 46-Jährige aus Furth (Gemeinde Oberhaching) als Maschinenbau-Ingenieur in der Automotive-Industrie, doch beinahe jede freie Minute verbringt er beim Fliegen oder bei den Vorbereitungen dazu. Mit Laufen, Kraft- und Ausdauertraining hält er sich körperlich fit. Seine Maxime: „Die eigene Leistung ständig steigern und das Team zur Bestleistung bringen.“

Sein Team ist der „Airbus-Vierer“, eine Vierer im Freifall-Formationsspringen, das nach seinem Hauptsponsor benannt ist und gleichzeitig die Deutsche Nationalmannschaft stellt. Seit 23 Jahren ist Olaf Biedermann hier ohne Unterbrechung dabei. Als „Teamcaptain“ des Airbus-Vierers steht er auch ganz persönlich, für die großen Erfolge des Quartetts.

In diesem Jahr etwa hat der „Airbus-Vierer“ zum dritten Mal in Folge die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Dazu kam die Goldmedaille für den „Airbus-Achter“ – eine Formation, in der der „Airbus-Vierer“ gemeinsam mit dem „Vierer“ des FSC Remscheid springt.

Das Besondere daran: Bei diesen Sprüngen trifft Biedermann mit seinem früheren Kollegen aus dem Team, Thomas Spielvogel (54), zusammen. Seit 2001 waren die beiden gemeinsam in der Luft (damals noch mit dem Vorläufer „EADS-Team“) und haben bei der WM in Frankreich 2008 und bei der WM in Dubai 2012 ihren größten gemeinsamen Triumph gefeiert: Platz vier in der „Achter-Formation“ von Airbus. In diesem Jahr, bei der WM in Chicago, sprangen Platz acht für den „Airbus-Vierer“ und Platz sechs für den „Airbus-Achter“ heraus. „Eine gute Leistung in einem starken Feld“, sagt Biedermann.

Neben den Erfolgen in der Luft teilen Olaf Biedermann und Thomas Spielvogel auch den Wohnort: Beide sind in Furth (Gemeinde Oberhaching) daheim, nun allerdings wird Spielvogel nach Putzbrunn umziehen. Hauptberuflich arbeitet Spielvogel für Jochen Schweizer, der im Februar 2017 eine „Bodyflying-Anlage“ mit Windkanal in Taufkirchen/Ottobrunn eröffnen wird (wir berichteten). Ein echter Traumjob für den flugbegeisterten Familienvater, der aber auch die Schattenseiten kennengelernt hat. 2013 erlitt er einen schweren Berufsunfall und konnte erst 2014 langsam wieder mit dem Springen beginnen.

Die Begeisterung für die Formationen in der Luft hat Thomas Spielvogel von seinen Eltern „geerbt“, wie er im Interview mit dem Münchner Merkur erzählt. Als 16-Jähriger machte er seinen ersten Sprung.

Bei Olaf Biedermann hingegen war das Fallschirmspringen eher eine „spontane Idee“. „Mit 17 Jahren habe ich meinen ersten Sprung gemacht und war sofort begeistert“, erzählt er. „Danach ist das für mich richtig zu Sucht geworden.“

Anders ließe sich das enorme Pensum, das der Leistungssport den Springern abverlangt, wohl auch nicht bewältigen. Um zu trainieren, springen die Mannschaften an etwa 30 bis 40 Tagen im Jahr. Eine „Trainingseinheit“ dauert bis zu vier Tage mit bis zu 14 Sprüngen pro Tag. In jedem Team springt zusätzlich ein „Videomann“ mit, der die Formationsbildung in der Luft genau dokumentiert. Bei Weltmeisterschaften mit einem sehr starken Feld entscheiden kleinste Abweichungen darüber, welches Team am Ende jubeln darf. Für Olaf Biedermann war die Teilnahme dieses Jahr in Chicago die mittlerweile elfte WM. „Mit dem Alter lässt die Leistungsfähigkeit langsam nach“, sagt er. Derzeit sei man dabei, Gespräche mit dem Nachwuchs zu führen. „Wenn dann jemand nachrückt, würde ich sofort kürzertreten“, sagt Biedermann. Allerdings: Einen Olaf Biedermann am Boden kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Denn, so hat es der Leistungssportler aus Furth selber formuliert: „Wen die Leidenschaft fürs Springen einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los.“

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