+

PopArt in Oberhaching

Mädl, mach's bunt

Zum Oktoberfest zeigt Jutta Franklin neue Arbeiten ihrer neobayerischen PopArt in Oberhaching. Außerdem sind zwei Bilder von Kerstin Emrich-Thomas, zu sehen.

Als Künstlerin nennt sich die Oberhachingerin (52), die seit mehr als 15 Jahren an der Volkshochschule Kunstkurse für Erwachsene und Kinder gibt, seit einiger Zeit Yo Franklin. Mit ihren Werken nimmt sie die bayerische Folklore, aber auch den Markenkult und die Münchner Glitzerwelt liebevoll auf die Schippe. Der Hirsch hat es der Künstlerin besonders angetan, und sie hat ihm in ihrer Galerie in der Bahnhofstraße in verschieden Farben diverse Rollen zugedacht – auch als kulinarische Spezialität, wie die Typographie (ein Kochrezept) auf einigen Arbeiten andeutet. Der Hirsch, seit gut 27 Jahren kommt er immer wieder in ihrer Kunst vor. Damals arbeite Franklin in der Gastronomie, unter anderem bei Käfer, wo sie auch für die Dekoration der Tische zuständig war, und der Chef forderte: „Mädl, mach’s bunt, mach’s peppig, bayerisch soll’s sein, lass dir was einfallen.“ Kurze Zeit später, sagt Franklin, „malte ich meinen ersten blauen Hirschen“. 

Das Motiv wollte die Oberhachingerin eigentlich nicht weiter verwenden. Eigentlich. Denn obwohl sie findet, dass derzeit „ganz München voll mit Hirschen ist“, ging es offensichtlich nicht ohne. Die neuen Bilder sind expressiv, gemalt mit grobem Pinselstrich. Das Hirschportrait sei hier nur noch formgebend für eine informelle Arbeit. „Diese offene Bildfindung, die aus einem spontanen Prozess entsteht, findet sich auch in den rein informellen Arbeiten, die mein bisheriges Oeuvre ausmachen und in meinen Aktmalereinen“, betont die Künstlerin.

 Ihre neobayerischen Arbeiten sind biographisch geprägt. Bevor Franklin Kunst studierte, sollte sie etwas „Gescheites“ lernen und landete als Hotelkauffrau im Alpenhof Murnau. Und danach eben bei Käfer. „Dort ist die Schickeria keine Unbekannte. Und auch hier im Münchner Süden – ich sehe es an meinen vier Kindern und deren Freunden – ist der Markenkult sehr ausgeprägt. Ich bringe da gerne etwas Unordnung hinein, um mit Augenzwinkern zum Denken anzuregen“, sagt Franklin. Unter neobayerischer PopArt, den Begriff hat die Oberhachingerin selbst geprägt, versteht sie neu interpretierte Folklore und Tradition. „In der Musik macht es jetzt Andreas Gabalier, in der Bildenden Kunst ist es die Reaktion auf die intellektuelle Kunstform. PopArt wendet sich dem Trivialen in einer Verknüpfung von Realität und Kunst zu.“ Franklin sieht ihre Werke nicht verankert im elitären Raum, vielmehr will sie die Kunst zum Menschen bringen: „Wer sich Bilder kauft, ist Vater, Vorstand, Porsche-Fahrer, Professor, Bäcker, betucht, verliebt, verschuldet, dick oder dünn – ich stelle bezahlbare, hochwertige Arbeiten aus und verkaufe diese.“

Bernadette Heimann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Einstimmig für Schäftlarn
Die GemeindeUnion Schäftlarn hat ihre Kandidatenliste für die Kommunalwahl 2020 vorgestellt. 
Einstimmig für Schäftlarn
Kommunalwahl 2020: Grüne hoffen auf den „Toni-Bonus“
Die Grünen in Sauerlach starten in den Wahlkampf für die Kommunalwahl 2020 mit großen Zielen. Die Mutter eines berühmten Parteimitglieds steht als Ersatz bereit.
Kommunalwahl 2020: Grüne hoffen auf den „Toni-Bonus“
Verwunschene Anlage bei Pullach entdeckt:  Das Steinmetz-Genie und sein Märchenpark
Ein kurioses Kleinod feiert in Pullach Auferstehung: Im 19. Jahrhundert legte Franz Höllriegel, Steinmetz und Künstler, dort vor den Toren Münchens seinen ganz eigenen …
Verwunschene Anlage bei Pullach entdeckt:  Das Steinmetz-Genie und sein Märchenpark
FDP Taufkirchen will „Rund-um-die-Uhr-Rathaus“
Taufkirchens neue Mitte, das Rathaus-rund-um-die-Uhr und das 24-Stunden-Kinderhaus sind nur einige von den Themen, die die FDP spätestens nach der Kommunalwahl in …
FDP Taufkirchen will „Rund-um-die-Uhr-Rathaus“

Kommentare