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Mit dem Thema Demenz vertraut: Karl Weigand (l.) und Jürgen Hoerner, Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft. 

Aktionstag Demenz

Bis dass der Tod uns scheidet

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Barbara und Karl Weigand waren bis zum Schluss zusammen. Der Oberhachinger hat seine demente Frau bis zum Tod gepflegt. Eine berührende Geschichte.

Oberhaching – Erstmals bemerkten Barbara und Karl Weigand 2004, dass etwas nicht stimmt. Damals war Barbara Weigand erst 58 Jahre alt. Zwei Jahre später dann die Diagnose: Alzheimer. 2009 ging sie in Rente, im vergangenen Jahr ist sie gestorben. Über das Leben mit einem Partner, der an Demenz erkrankt ist, berichtete der Oberhachinger Karl Weigand rund 150 Zuhörern beim Aktionstag „demenzfreundliche Kommune“ in seiner Heimatgemeinde. Er hat seine Ehefrau bis zum Tod gepflegt.

Als Karl Weigand 2012 in Rente ging, „konnte meine Frau nicht mehr allein zu Hause bleiben“. Als sie nach einem Einkauf das erste Mal nicht mehr zurück nach Hause fand, hat eine aufmerksame Mitbürgerin ihr geholfen. Sie bemerkte, dass Barbara Weigand hilflos war, fragte nach ihrem Namen und rief den Ehemann an. Er holte seine Frau ab.

„Angelehnt an das afrikanische Sprichwort, dass man zur Erziehung eines Kindes ein ganzes Dorf braucht, kann man dies auf die Herausforderungen bei einer Erkrankung mit Alzheimer übertragen“, sagte Bürgermeister Stefan Schelle (CSU). Rund 250 Menschen mit Demenz leben in Oberhaching – und „sie sollten mit ihren Angehörigen nicht im Stich gelassen werden“. Daher nimmt die Gemeinde am Landkreis-Projekt „Demenzfreundliche Kommune“ teil, um ein Netz mit Hilfsangeboten zu schaffen und für das Thema zu sensibilisieren.

Nach den Reaktionen der Menschen im Umfeld fragte auch Jürgen Hoerner, Vorsitzender der Alzheimer-Gesellschaft Landkreis München, Weigand im Interview. „Zunächst waren Freunde und Bekannte verunsichert, aber ich bin aktiv nach außen gegangen, habe mit den Leuten offen gesprochen“, sagt er. Es habe sich Verständnis für die Situation entwickelt. Ganz bewusst unternahm das Ehepaar trotz und mit der Diagnose Alzheimer viele Aktivitäten wie Radfahren oder spazieren gehen. „Meine Frau war gerne draußen, warum das nicht weitermachen? Zum Schluss haben wir halt Händchen gehalten beim Spazierengehen.“ Was ihn sehr freut: „Die Menschen hier in der Gemeinde sind offen und freundlich gewesen.“

Er machte den Zuhörern Mut. „In den ersten Jahren ist noch vieles möglich und wir haben die gemeinsame Zeit genossen.“ Doch nach einigen Jahren wurde die häusliche Pflege zu beschwerlich, seine Frau akzeptierte keine Pflegekraft im Haus. „Es war ein langer Prozess, denn ich wollte meine Frau daheim behalten, aber irgendwann musste ich einsehen, dass das nicht mehr geht“, erzählte Karl Weigand. Er entschloss sich für ein Pflegeheim in Trostberg, wo seine Frau herkam und Verwandte von ihr leben. „Unerwartet gut hat meine Frau das akzeptiert. Wir haben uns dann mit den Besuchen täglich abgewechselt.“

Seiner Meinung nach ist es für die Betroffenen unerlässlich, dass sich alle Menschen mit dem Thema Demenz auseinandersetzen. Eine gute Gemeinschaft ist für Angehörige in dieser Situation eine große und wichtige Unterstützung. Ebenso wie ein Netz von Fachstellen. Diese stellten sich ebenfalls beim Aktionstag vor: die Nachbarschaftshilfe, die beiden Altenheime Oberhachings und die Alzheimer Gesellschaft zum Beispiel. „Als die Situation mit meiner Frau schwieriger wurde, war ich sehr froh, in einer Selbsthilfegruppe zu sein“, betonte Weigand. Die Herbstwindgruppe der Alzheimer Gesellschaft war für ihn „eine große Erleichterung“ – in einem Leben, das nicht immer leicht ist.  

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