+
Ein Duell mit der Vergangenheit war für Janosch Kögler (l.) das Liga-Spiel (Pro B Süd) gegen den FC Bayern II – für die Münchner hat er einst gespielt und dort arg gelitten, jetzt blüht er bei des „Tropics“ des TSV Oberhaching auf. 

Basketballer Janosch Kögler

Bei den Tropics: „Es hat noch nie so viel Spaß gemacht“

  • schließen

Beim FC Bayern war Janosch Kögler plötzlich nur noch dritte Wahl. Das Ende einer Basketball-Laufbahn? Nein, der heute 26-Jährige blüht jetzt woanders auf: beim TSV Oberhaching.

Oberhaching – Vor ein paar Tagen tauchte im Netz bei Instagram ein Video auf, in dem Janosch Kögler eine prominente Rolle einnimmt. Marco Moroder, heute Trainer des U 18-Bundesligateams von Jahn München, stellte einen seiner Wunderwürfe zur Schau. Aus etwa neun Metern Entfernung drückte er ab – direkt ins Gesicht von Kögler. Eine Halle, gefüllt mit 400 Basketball-Begeisterten, johlte. Das war im November 2014. Im beschaulichen Murnau am Staffelsee. Und Janosch Kögler spielte in der Bezirksoberliga (BOL), in der fünften Liga von unten, also irgendwo im Nirgendwo des Hobby-Bereichs.

Gegen FC Bayern II ein Duell mit der Vergangenheit

Ein schöner Zufall wollte es, dass sich Moroder und Kögler, die beiden Spezl, jetzt wiedertrafen. Moroder, der nach einer Reihe von Kreuzbandrissen aufgehört hat, wollte sich anschauen, was denn aus dem Jungen geworden ist, den er damals auf sportliche Weise geneckt hatte. Nun, in fünf Jahren hat sich Kögler vom Hobby-Basketballer zum Drittliga-Spieler entwickelt. Mit den Oberhachinger Tropics versucht er gerade alles, um den Klassenerhalt in der Pro B zu schaffen. Am vergangenen Wochenende traf der Germeringer auf den FC Bayern II, also auf die Reserve des Bundesligisten. Die 63:81-Niederlage war für ihn ein Duell mit der Vergangenheit.

Nicht wegen Moroder, der zusah. Sondern weil Kögler jahrelang für den FCB auflief. Mit 17 und vielen Träumen war er per Doppellizenz zu den Bayern in die Nachwuchs-Bundesliga (NBBL) gewechselt. Weil es bei den Senioren im Anschluss nicht für besonders viel Einsatzzeit in der 1. Regionalliga reichte, ließ er sich in die dritte Mannschaft versetzen. Hinunter in die BOL zu Gegnern wie Murnau, Altenerding oder Dingolfing.

Vor vier Jahren nutzt das Talent zweite Chance

An dieser Stelle der Karriere hätte es viel einfachere Wege gegeben als Köglers Pfad. Heimatverein SV Germering wäre froh gewesen um einen solchen Spieler, die Freundin hätte sich über mehr gemeinsame Zeit gefreut, seinen Uni-Noten hätte ein bisschen weniger Basketball auch nicht geschadet. Doch Kögler glaubte mit 22 an seine zweite Chance und wechselte nach Oberhaching – zurück in die 1. Regionalliga. Nach vier Jahren und dem Aufstieg in die Pro B will er von dort nicht mehr weg. „Es hat noch nie so viel Spaß gemacht, Basketball zu spielen“, betont der 26-Jährige. Mit der Meisterschaft habe er sein sportliches Lebensziel erreicht. „Ich wollte immer einmal in der Dritten Liga spielen.“

Nachdem er diese Hürde übersprungen hat, sucht er nach weiteren. Nun soll es der Klassenerhalt sein, auch wenn die Chancen der Tropics wöchentlich abnehmen. „Dafür gebe ich alles, wir wollen auf jeden Fall drin bleiben.“ Kögler wäre bereit, sämtliche persönlichen Erfolge für das Team zu opfern. „Wenn wir ins Rollen kommen, ist viel drin.“

Nur bremst andauernd die Pech- und Verletzungsmisere die tapferen Neulinge aus. Noch nie habe er so viele Ausfälle in einer Saison mitgemacht. Gerade eine Handvoll Aufsteiger trägt aktuell ein gelbes Trikot. Praktisch jede Woche müsse sich die Mannschaft neu aufstellen und zusammenfinden. „Wir starten immer wieder von vorne.“ Auf dem Drittliga-Level lässt sich so ein Handicap kaum ausgleichen. Als viel härter, viel explosiver, viel anstrengender beschreibt er die Partien in der Pro B.

Nach dem Auftakt gegen Elchingen „war ich klinisch tot“, sagt Kögler. Aber der Körper gewöhnt sich an die Belastung. Der Germeringer gehört längst zu den Stützen, steht über 30 Minuten pro Spiel auf dem Feld, erzielt fast zwölf Punkte und gilt vor allem wegen seiner Athletik als starker Verteidiger. Den größten Sprung habe er nicht auf spielerischer Ebene gemacht, sondern in Sachen Erfahrung. „Mehr Selbstvertrauen“ spürt er.

Bei den Tropics will der 26-Jährige noch länger bleiben

Egal, wie der Drittliga-Ausflug endet, Kögler möchte bei den Tropics bleiben. Eine Zeit lang betreute er nebenher das Männerteam des Heimatklubs. Noch immer verfolgt er, wie sich die Freunde in der Bezirksliga schlagen. Aber die Doppelbelastung tut er sich nicht mehr an. „Die Freundin braucht Zeit, die Uni braucht Zeit, ich brauche Zeit“, sagt Kögler.

Vorstellen kann der 26-Jährige sich eher, in einer Germeringer Gaudi-Truppe „die alten Leute zusammenzutrommeln“. Irgendwann in fünf oder zehn Jahren mit Mitte 30, wenn er dann die Videos von krachenden Dunks und Dreiern vor hunderten Zuschauern im Internet verstreut.

Auch interessant: Der erste Saisonsieg.

Und was Sie über denStephaniritt in Oberhaching wissen müssen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Im Landkreis München: Supermarkt-Kunde sieht Toffifee-Chaos - und zückt Handykamera
Kurioses Toffifee-Chaos mitten in einem Supermarkt im Landkreis München. Ein Jodel-User hat jetzt ein Bild aus einem Supermarkt geteilt.
Im Landkreis München: Supermarkt-Kunde sieht Toffifee-Chaos - und zückt Handykamera
61-Jährige aus Schäftlarn tappt Betrügern in die Falle
Zwei falsche Polizisten haben eine 61-jährige Frau um viel Geld betrogen. Jetzt ermittelt die Polizei.
61-Jährige aus Schäftlarn tappt Betrügern in die Falle
Neue Erkenntnisse zum Feuer in Ottobrunn - Polizei geht von Brandstiftung aus
In Ottobrunn ist im Januar in einem leerstehenden Hotelzimmer ein Feuer ausgebrochen. Die Polizei hat nun neue Erkenntnisse.
Neue Erkenntnisse zum Feuer in Ottobrunn - Polizei geht von Brandstiftung aus
1000 Narren marschierten beim Unterschleißheimer Faschingsumzug mit
In Unterschleißheim wurde am Wochenende wieder gefeiert. 35 Gruppe liefen beim Faschingsumzug mit. 
1000 Narren marschierten beim Unterschleißheimer Faschingsumzug mit

Kommentare