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Betrüger-Mail mit teuren Folgen

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Von: Volker Camehn

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So schnell wird sich Rupert Koob keine neue App mehr auf sein Handy laden.
So schnell wird sich Rupert Koob keine neue App mehr auf sein Handy laden. © Volker Camehn

Rupert Koob hat sich eine App, die - vermeintlich - DHL per E-Mail empfohlen hatte, auf seinem Handy installiert. Mit den Folgen war er lange beschäftigt.

Oberhaching – Rupert Koob ist niemand, der im Umgang mit Smartphone und Computer unbeholfen wäre. Im Gegenteil. Als Diplom-Ingenieur für Maschinenbau hat der 69-Jährige aus Oberhaching bei Siemens als Programmierer gearbeitet, später war er freiberuflich als IT-Administrator tätig. Doch Anfang September begann der Ärger für Rentner Koob: Er erhielt eine E-Mail des Paketversenders DHL über eine anstehende Lieferung. „Kurz darauf erhielt ich eine weitere Nachricht, augenscheinlich ebenfalls von DHL“, erzählt Koob. Darin wurde ihm die Installation einer App angeboten, mit er die Fahrt des Zustellfahrzeugs online nachverfolgen könnte.

Der Spieltrieb siegte

Koop zögerte, dann siegte sein „Spieltrieb“, wie er heute selber sagt. Er installierte die App. Das blieb nicht ohne Folgen: Laut dem Einzelverbindungsnachweis seines Telekommunikationsanbieters 1 & 1 wurden vom 2. bis 3. September innerhalb von 24 Stunden 4613 SMS verschickt. Das Unternehmen sperrte deshalb von sich aus Koobs Handy, verbunden mit der Bitte, er möge sein Smartphone unverzüglich zurücksetzen, um so alle Apps zu entfernen. Was Rupert Koob dann ärgerte: Die 1 & 1 AG, nach eigenen Angaben einer der führenden Telekommunikationsanbieter in Deutschland, verlangte 456,69 Euro für die versandten SMS. Das Unternehmen reduzierte schließlich auf 100 Euro, aus Kulanzgründen, wie es hieß.

Rechtlicher Rahmen

Damit hätte der Fall erledigt sein können. „Mir geht es nicht um die 100 Euro, sondern ums Prinzip“, so Rupert Koob. Also recherchierte er und stieß auf das Telekommunikationsgesetz (TKG). Dort heißt es in § 45i Absatz 4: „Soweit der Teilnehmer nachweist, dass ihm die Inanspruchnahme von Leistungen des Anbieters nicht zugerechnet werden kann, hat der Anbieter keinen Anspruch auf Entgelt gegen den Teilnehmer.“ Und: „Der Anspruch entfällt auch, soweit Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass Dritte durch unbefugte Veränderungen an öffentlichen Telekommunikationsnetzen das in Rechnung gestellte Verbindungsentgelt beeinflusst haben.“

Teilschaden bezahlen

Koob wähnte sich also im Recht, legte Einspruch ein und weigerte sich zu zahlen. Doch Provider 1&1 wollte seinen Einspruch nicht gelten lassen. Die Begründung: „Im Fall der SMS-Phishing haben Sie eine SMS von einer unbekannten Rufnummer erhalten, die vorgab, von einem Paketdienstleister versandt worden zu sein. Durch den Klick auf den in der Nachricht enthaltenen Link wurde auf Ihrem Endgerät eine Schadsoftware installiert und anschließend im Hintergrund eine hohe Anzahl an SMS versendet“, so das Unternehmen in einer Mail. Und: „Das bedeutet, dass dieser SMS-Versand und die dadurch verursachten Gebühren aufgrund der Aktion am Endgerät entstanden sind. Diese hat 1&1 nicht zu vertreten und begründet, weshalb wir die berechneten SMS-Kosten als berechtigt ansehen. Die Minderung des Rechnungsbetrages ist eine Kulanzentscheidung, da die Nutzung des Endgerätes und der SIM-Karte in Ihrer Verantwortung liegt.“ Kurz: Koob solle zumindest einen Teil der Kosten, in dem Fall 100 Euro, selber tragen.

Anwalt zu teuer

Hinter der Ablehnung seines Providers witterte Koob Methode. Denn: Eigene rechtliche Schritte kommen zu teuer, ein anwaltliches Schreiben, da hat er sich bei einem Rechtsanwalt Rat geholt, würde knapp 200 Euro kosten. Lohnt also nicht, von Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang mal ganz abgesehen. Eine Rechtsschutzversicherung hat Koob auch nicht. Das Unternehmen würde darauf setzen, dass jeder betroffene Kunde schon aus diesen Gründen „auf sein Recht verzichten“ und klaglos zahlen würde, mutmaßt Koob. Nicht mit ihm. Und auch DHL trifft in seinen Augen zumindest eine Teilschuld, es hätte ja auf die Gefahr solcher Fake-Mails hinweisen können, sagt er. „Ich fühle mich doppelt hereingelegt.“

Telefonanbieter kulant

Inzwischen hat 1 & 1 nachgegeben. Auf Anfrage des Münchner Merkur erklärte das Unternehmen unter anderem: „Wir haben keinen Einfluss darauf, welche App ein Kunde installiert. Auch haben wir keinen Einfluss darauf, welche Sicherheitskriterien der jeweiligen App zugrunde liegen. Der Kunde müsste seine Ansprüche eigentlich dem Hersteller beziehungsweise. Lizenznehmer der App gegenüber geltend machen.“ Allerdings: „Unser Kundenservice hat sich dennoch aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht dazu bereit erklärt, einen Teil der durch die Schadsoftware entstandenen Kosten zu übernehmen.“ Der Passus aus dem TKG käme in diesem Fall nicht zum Tragen. Gleichwohl „werden wir auch auf die restliche Summe, die Herrn Koob durch die installierte Schadsoftware entstanden ist, aus Kulanz und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht verzichten“.

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