Bierbrauer Robert Prinz von der Oberhachinger Brauerei Stadlbräu.
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Bierbrauer Robert Prinz nutzt wie viele Kleinstbrauer auch Infrastruktur und Kessel mittelständischer Betriebe.

Stadlbräu Oberhaching

Bierbrauer ärgert sich über Etikettenvorschrift

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Kleinstbrauereien produzieren ihr Bier oft teilweise auswärts und dürfen darum auf ihren Etiketten keinen Ortsbezug herstellen. Robert Prinz, Chef vom Oberhachinger Stadlbräu ist stinksauer.

Oberhaching – Robert Prinz kramt einen Zettel hervor, genehmigt sich zuvor einen Schluck Weißbier, dann seufzt der renommierte Bierbrauer: „Jetzt muss ich mich entlokalisieren, wie es im Amtsdeutsch heißt, obwohl ich seit 16 Jahren hier ansässig bin. Wo soll das noch hinführen?“

Das Thema ist bierernst und kein bisschen lustig.

Das Thema ist bierernst und kein bisschen lustig, der Verbraucherschutz interessiert sich neuerdings fürs „Stadlbräu“ in Oberhaching. Nicht für die Biere von Robert Prinz, an denen gibt es nichts zu beanstanden. Nein, es geht um die Etikettierung der Bierflaschen: Die sei „irreführend“ und eine „Verbrauchertäuschung“, moniert das Landratsamt – und droht mit teuren Konsequenzen in Form von „kostenpflichtiger Anordnung mit Zwangsgeldfestsetzung“.

„Anno Domini 2004“ steht auf den Etiketten – seitdem betreibt Robert Prinz sein „Stadlbräu“, bietet in dem ehemaligen Kuhstall an der Kybergstraße Braukurse an oder schenkt, frisch vom Fass, seine Kreationen „OHA-black“ oder „Rotes“ aus. Alles kein Problem, sagt das Landratsamt. Aber seine Flaschenbiere, speziell das „Gleissenthaler“, dürfe der 54-Jährige nicht verkaufen. Jedenfalls nicht in der jetzigen Form.

Der Streit klingt zunächst nach formaljuristischer Posse.

Der Bieretikettenstreit klingt zunächst nach einer formaljuristischen Posse, doch dahinter steckt ein Fall, der Referenzwirkung haben könnte für viele kleine Brauereien aus der Craftbeer-Szene. Seine Rezepturen entwickelt Robert Prinz in Oberhaching, dort experimentiert er. Erreicht ein Bier die Reife für größere Mengen, kann er diese im „Stadlbräu“ nicht mehr produzieren. Dann greift das sogenannte Lohnbrauen: „Gypsy Brewer“ wie er mieten sich in mittelständischen Brauereien ein, nutzen dort die vorhandene Infrastruktur sowie Strom und Wasser.

Ein gängiges Prozedere, vielerorts und vielfach praktiziert. Am Beispiel des Oberhachinger „Stadlbräu“ will das Landratsamt München nun offenbar ein Exempel statuieren.

Robert Prinz braut seine Flaschenbiere extern.

Denn: Seine Flaschenbiere braut Robert Prinz seit vielen Jahren extern. In Grünbach hat er damit angefangen, dann war er im Grafinger Wildbräu, später im Gut Forsting. Und seit rund drei Jahren produziert er seine Flaschenbiere bei einem alten Spezl, nämlich Kurt Ladenburger in Neuler bei Aalen – das liegt im Ostalbkreis in Baden-Württemberg.

„Das Bier ist immer das gleiche. Ich bringe meine eigenen Rezepte aus Oberhaching und die Zutaten aus Bamberg, bayerischer geht’s kaum“, sagt Robert Prinz.

Behörden monieren „Verbrauchertäuschung“ und „Irreführung“

Die Behörden sehen das anders. Sie monieren eine mehrfache „Verbrauchertäuschung“, weil im „Blickfang des Bieretiketts“ lokale Ortsbezüge hergestellt würden: mit „Oberhaching“ sowie dem dortigen „Gleißenthal“. Auch die bayerischen Rauten auf dem Etikett seien eine „Irreführung“, da das Bier in Baden-Württemberg gebraut werde.

Robert Prinz indes verteidigt seine „Grundidee der lokalen Verwurzelung“. Würde er in den engen Räumen des „Stadlbräu“ die Flaschen per Handarbeit in 16 Arbeitsschritten abfüllen, „müsste ich 2,50 statt 1,60 Euro pro Halbe verlangen“. Ob er sein „Gleissenthaler“ (bewusst ohne scharfes „ß“ geschrieben) in Oberhaching braue oder anderswo, mache geschmacklich keinen Unterschied.

Ein Problem für zig Kleinstbrauereien

Das aktuelle Problem vom „Stadlbräu“ ist auch eins für zig andere Kleinstbrauereien, die genauso agieren wie Robert Prinz. Beispielsweise das „Rammlerbräu“ aus Unterhaching. „Ein sehr interessantes Thema“, sagt dessen Geschäftsführer Stefan Lettl. Sicherheitshalber habe man schon vor einem Jahr die eigenen Etiketten überarbeitet und den Schriftzug „est. Unterhaching 2018“ entfernt. Jetzt heiße das Unterhachinger Bier, das in Traunstein und Grafing (also ebenfalls extern) gebraut wird, einfach nur noch „Rammlerbräu“ mit dem Zusatz „Naturtrübes Helles“. Lettl glaubt: „So sind wir auf der sicheren Seite. Die Sache mit dem Ortsbezug war uns zu heikel.“

Bei der Brauereigenossenschaft Oberhaching steht derweil „Oberhachinger Kellerbier“, „Deisenhof‘ner Weißbier“ oder „Oberhachinger Hell“ auf den Etiketten – Braustätte ist aber Gut Forsting im Landkreis Ebersberg. „Dass wir extern produzieren, ist Teil unserer Story. Das haben wir immer offen kommuniziert“, sagt Florian Schärpf, Vorstandsmitglied der Brauereigenossenschaft Oberhaching. Genauso wie bei der „Ismaninger Braugenossenschaft“ sei „der Unterschied vielleicht, dass wir ehrenamtlich tätig sind und nicht kommerziell“, mutmaßt Florian Schärpf. Post vom Landratsamt habe man jedenfalls, trotz Ortsbezug im Etikett, noch nicht bekommen: „Wir harren der Dinge.“

„Grafiker und Druckerei kosten mich einen Haufen Geld.“

Im „Stadlbräu“ wird Robert Prinz sich auf einen Rechtsstreit nicht einlassen. Für die geforderte „Entlokalisierung“ wird der 54-Jährige sein „Gleissenthaler“ umbenennen in „Gleissi“. Auch die bayerischen Rauten und den Ortsnamen „Oberhaching“ streicht er schweren Herzens vom Etikett; diverse Änderungen hat er auf einem Zettel (siehe Bild) vermerkt. An „Kybier“ und „Diamant“ will er festhalten, „dagegen können sie nichts sagen“. Verständnis für den Bieretikettenstreit hat er trotzdem nicht: „Grafiker und Druckerei kosten mich einen Haufen Geld. Gerade in der schwierigen Coronazeit sollte die Politik nicht jeden zarten Aufschwung mit Bürokratie kaputtmachen.“

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