So hält man das Teststäbchen richtig: Die Schüler der 7c gingen gelassen mit den Selbsttests um.
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So hält man das Teststäbchen richtig: Die Schüler der 7c gingen gelassen mit den Selbsttests um.

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Coronavirus: So lief der Test-Auftakt an den Schulen im Landkreis München

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Nach den Osterferien hat an den Schulen gestern der Unterricht wieder begonnen. Geprägt war der Neustart von der neuen Testpflicht – für die Schulen ein enormer organisatorischer Aufwand.   

Landkreis – Am Gymnasium Oberhaching herrscht an diesem Morgen früh Trubel. Im Mehrzweckraum treffen sich die Eltern, die in den Klassen mithelfen bei den Corona-Selbsttests. 39 Eltern haben sich nach einem Aufruf des Elternbeirats gemeldet. „Es gab aber auch welche, die entrüstet waren, dass wir uns – wie sie sagen – vor den Karren spannen lassen“, erzählt die Elternbeiratsvorsitzende Nicole Nagengast. Die sie mit Informationen überhäuften, wie gefährlich oder nutzlos die Maßnahmen seien. „Uns geht es aber vor allem darum, die Schule bei dieser Aufgabe, die ja nun mal verpflichtend ist, zu unterstützen.“

Dafür ist auch der stellvertretende Schulleiter Johannes von der Forst recht dankbar. Er geht durch die Räume, öffnet hier noch ein Fenster und da noch eine Tür. „Gerade in den ersten Tagen ist das alles neu. Wenn sich das eingespielt hat, schaffen wir das allein“, sagt er. Zumal laut Kultusministerium die Lehrer nun auch verpflichtet sind, die Selbsttests zu überwachen. „Natürlich gibt es aber Kollegen, die Bedenken haben und besorgt sind“, sagt von der Forst. Zwei Mal die Woche sollen sich Lehrer und Schüler testen. 2100 Tests braucht das Gymnasium, an dem täglicher Wechsel bei den Schülergruppen stattfindet, dafür.

Chemie statt Geographie: Die Testflüssigkeit muss bei diesen Selbsttests erst in den Röhrchen angemischt werden.

Den Eltern erklärt gerade die Ärztin Dr. Christa Bachmeier, selbst Mitglied im Elternbeirat, wie die Selbsttests funktionieren und worauf sie achten müssen. Für alle hat sie ein ausführliches Infoblatt dazu verfasst. Zum Üben testen sich die Eltern gleich selbst. Nach 15 Minuten Wartezeit aufs Ergebnis verteilen sie sich mit dem Testmaterial in die Klassen. Auch ein Mitarbeiter des Roten Kreuz hilft mit. Mit der Ärztin kümmert er sich in Extraräumen um die Schüler, die bei dem Test niesen müssen.

In der Klasse 7c haben nur wenige schon mal einen Selbsttest gemacht. Lehrer Kai Neumärker füllt die Testflüssigkeit in die kleinen Röhrchen. Eine Mutter erklärt, wie man das Stäbchen aus der Verpackung holt, „niemals an der Watte anpacken!“, dann in die Nase, nicht zu tief, aber auch weit genug, fünf Mal hin und herrollen, links und rechts. Von allen Seiten ist ein „Iiiiii“ oder „Bahhh“ zu hören. Dann rein mit dem Stäbchen ins Röhrchen. 20 Minuten sind schon um. Die Handgriffe sind langsam, keiner will einen Fehler machen. Vorsichtig schrauben die Schüler den Deckel auf die Röhrchen und tropfen Flüssigkeit in die Testkassette. Dort wird noch der Name draufgeschrieben, dann heißt es warten. An normalen Unterricht ist heute in der ersten Stunde nicht zu denken. Der Geographieunterricht fällt dem Testen fast komplett zum Opfer. Lehrer Neumärker quittiert es mit einem Schulterzucken. Er ist sich sicher, dass sich der Ablauf bald einspielen wird und es dann schneller geht. Auch die Schüler nehmen die Tests recht gelassen hin. Dass am Ende niemand positiv ist, darüber sind dann aber doch alle froh.

Gut vorbereitet: Bevor die Eltern beim Anleiten der Tests mithelfen, testen sie sich auch selbst.

Was in so einem Fall passiert, darüber hat sich Johannes von der Forst mit den Kollegen vorab lange Gedanken gemacht und ein eigenes Konzept erarbeitet. Die Schulsozialpädagogen stehen an diesem Montag bereit. Im positiven Fall betreuen sie das betroffene Kind, die Eltern werden informiert. Und auch in der Klasse soll darüber gesprochen werden.

„Das alles ist schon eine organisatorische Herausforderung“, sagt Johannes von der Forst. Immer wieder gibt es neue Anweisungen vom Kultusministerium, die es umzusetzen gilt, die letzte Freitagnachmittag vor Schulbeginn. Fragen bleiben dennoch. Etwa, wie es mit den Schulaufgaben bei den Kindern läuft, die nun nicht mehr zu Schule kommen? Vier Eltern haben ihre Kinder bei Johannes von der Forst vom Präsenzunterricht abgemeldet, weil sie das Testen ablehnen. „Eine Extrabetreuung für diese Schüler können wir nicht leisten.“

Professionelle Hilfe: Ein Mitarbeiter des Roten Kreuz hilft den Schülern, die beim Testen gleich niesen müssen.

Auch am Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching kommen einige Schüler nicht zum Präsenzunterricht. Der erste Testtag lief reibungslos, berichtet Schulleiter Armin Eifertinger. Auch hier hat man auf gründliche Vorbereitung gesetzt. „Wir hatten eine Konferenz mit allen Lehrern, wo alles genau erklärt wurde.“ Schon vor den Ferien waren drei Ärzte in den Klassen unterwegs, um den Schülern die Tests zu erläutern und Fragen zu beantworten. Die Eltern wurden – wie auch in Oberhaching – mit regelmäßigen Infoschreiben auf dem Laufenden gehalten. Zudem bekamen die Schüler Tests zum Üben mit nach Hause. „Zwei positive Fälle wurden dabei gleich aufgedeckt“, sagt Eifertinger. Am Montag selbst fiel keiner der Tests positiv aus. Das Quarantänezimmer blieb leer. Eine Ärztin half beim Testen mit und beruhigte gleich einen Schüler, der Nasenbluten bekam. „Eine gute halbe Stunde“ hat das Testen laut Eifertinger gedauert. Worum er sich ebenfalls kümmern musste: Auch alle anderen Beschäftigten an der Schule müssen sich testen –„von den Mitarbeitern von Kiosk und Mensa bis zum Reinigungspersonal“.

Über alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Landkreis München informieren wir in unserem News-Ticker.

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