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Viele Jahre sind vergangen, seit der Einschulung in den 40er Jahren. Unter anderem Sepp Riedl (3.v.l.), Fini Asemann (5.v.l) erinnerin sich gerne an die Zeit.

Klassentreffen nach über 40 Jahren

Am liebsten wird getratzt

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Wie zu Schulzeiten necken sich die Männer und Frauen des Schuljahrgangs 1943 aus Deisenhofen noch heute. Mit den kleinen Sticheleien zeigen sie ihre tiefe Verbundenheit, die auch nach 75 Jahre noch besteht. Beim Klassentreffen sehen sie sich regelmäßig wieder.

Deisenhofen – Erinnert sich Josefine Asemann an ihre Schulzeit, dann denkt sie immer an ihren Heimweg. Die paar Meter von der Volksschule Deisenhofen zum Elternhaus seien ein Segen gewesen, sagt die 81-Jährige schmunzelnd. Die Mädchen mit weiteren Wegen hätten weniger Glück gehabt. Denn da seien die „bösen Buben“ gekommen. „Die Jungen haben die Madeln immer scho’ tratzt“, sagt sie. „Wir mussten uns immer verteidigen.“

Angefangen hat alles 1943. Vor 75 Jahren kam Josefine Asemann, die nur „Fini“ genannt wird, gemeinsam mit 65 Kindern in die Volksschule. Alle in einer Klasse. Zu ihrem Treffen 75 Jahre nach der Einschulung kommen nur noch elf Schulkameraden. „Es werden immer weniger. Das ist ganz natürlich“, sagt Sepp Riedl, 81. Die Mitschüler, die nach Flensburg oder Österreich gezogen sind, fahren die weiten Strecken nicht mehr, erklärt er. Nur zu zwei der ehemals 66 sei der Kontakt abgebrochen. 32 aus ihrem Jahrgang sind bereits gestorben.

Fini Asemann und Sepp Riedl sind froh, dass zumindest ein knappes Dutzend ins Weißbräu in Deisenhofen gekommen ist. Die meisten von ihnen wohnen noch immer im Ort. Sie unterhalten sich über Familie, Gesundheit und die Schulzeit. „Die Themen haben sich seit dem ersten Treffen vor 41 Jahren verändert. Damals ging es noch um den Beruf, später um die Rente“, sagt Riedl. Wenn sie zusammensitzen, lachen sie viel. „Wir sind eine sehr harmonische Klasse“, sagt Asemann. Trotzdem dürfen kleine Sticheleien nicht fehlen – wie zu Schulzeiten.

„Wir Madln waren immer sehr brav“, sagt Asemann. „Ja, das wart ihr“, antwortet Riedl, und die ganze Gruppe fängt plötzlich an zu lachen. Denn brav sind auch die Mädchen nicht immer gewesen. Etwa als es 1948 in Deisenhofen erstmals Jopa-Eis, das erste deutsche Speiseeis, zu kaufen gab. „Da sind wir unter einem Vorwand rausgegangen, haben uns Eis gekauft und es im Werkunterricht heimlich geschleckt“, erzählt Asemann und fängt an zu grinsen.

Natürlich haben auch die Jungen das eine oder andere ausgefressen. In der sechsten Klasse war ein gemeinsamer Ausflug mit den Mädchen geplant. Die Jungen durften aber nicht mit, weil sie was angestellt hatten. Was, das wissen sie heute nicht mehr. Dafür aber, was sie stattdessen gemacht haben: einen eigenen Ausflug. Sie sind während des Unterrichts einfach losmarschiert, haben den Lehrer stehen lassen und den ganzen Tag im Wald im Gleißental verbracht. Etwa dort, wo heute der Klettergarten ist. Die Strafe konnte sich sehen lassen. „Das waren viele Seiten Strafarbeit. Wahrscheinlich haben wir den Erlkönig dreimal abgeschrieben“, sagt Sepp Riedl mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Es sind Anekdoten wie diese, die bei den Klassentreffen die Erinnerungen wieder aufleben lassen und die sie zum Lachen bringen. Deshalb versucht Riedl, die Klasse von 1943 fast jedes Jahr zusammenzubringen. „Wer weiß, wie lange das noch geht“, sagt er.

Eines darf dabei nicht fehlen: Die kleinen Sticheleien zwischen den Buben und und Mädchen.

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