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Weltweiter Rohstoffmangel: Betriebe im Landkreis schwer betroffen

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Von: Laura May

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„Holz, Kunststoff, Metall, Beton – es fehlt praktisch alles“, sagt Baustoffhändler Michael Reiniger aus Unterhaching. 
„Holz, Kunststoff, Metall, Beton – es fehlt praktisch alles“, sagt Baustoffhändler Michael Reiniger aus Unterhaching.  © Laura May

Schlechte Planbarkeit für Betriebe, lange Wartezeiten und teure Endprodukte für Kunden. Das sind die Folgen des weltweiten Rohstoffmangels, die im Landkreis ankommen.

Landkreis - Jeder der ein Haus bauen will, im Baumarkt vor leeren Regalen steht oder gerade Renovierungsarbeiten durchführt spürt das. Vom einzelnen Schreiner, über Sägewerksbetreiber, Baugesellschafter und Baustoffhändler sind alle betroffen. Dabei gibt es fast „keine Produktstoffe, die man ausnehmen kann“, erklärt der Unterhachinger Baustoffhändler Michael Reiniger. „Uns als Bauzentrum betrifft das natürlich voll“, sagt er. „Holz, Kunststoffe, Silikone, Metalle, Beton. Also praktisch alles!“

Enge Verstrickungen mit dem Weltmarkt

Die Knappheit der Baustoffe habe unterschiedliche Gründe und sei aufgrund der engen Verstrickungen des Weltmarkts hochkomplex. Aber eines nach dem anderen: Es gibt zu wenig Holz im Landkreis. Schreinermeister Michael Dresel aus Haar ächzt unter den steigenden Holzpreisen und der schlechten Verfügbarkeit. Holz sei doppelt so teuer wie zu Jahresbeginn und etwa Spanplatten bekomme man fast gar nicht mehr. „Es ist echt schwierig. Früher habe ich 6 bis 8 Wochen vorgeplant – heute muss ich 8 bis 16 Wochen vorher mein Holz bestellen.“ Dresel sagt: „Alles Holz, was in Bayern produziert wird, wird rüber verkauft“ und meint damit den Export in die Vereinigten Staaten. Normalerweise importieren die USA viel Holz aus Kanada. Dort wütet jedoch der Bergkiefernkäfer, eine Borkenkäferart, und hat Bauholz auf einer Waldfläche von etwa 180 000 Quadratkilometern zerstört. Die USA brauchen also Holz – und treiben in Europa die Preise hoch und den Bestand nach unten.

Ferner Käfer, nahes Problem

Dass der Käfer im fernen Kanada zum unmittelbaren Problem für Betriebe hier im Landkreis wird, erklärt auch Claudia Manthei vom Bauträger Schrobenhauser in Unterhaching: „Asien und Amerika verbrauchen gerade viel Holz. Preissteigerungen merken wir auch – und da reden wir nicht nur über fünf Prozent, sondern über deutlich mehr.“ Die enorme Preissteigerung bei Bauholz von teilweise über 100 Prozent in den letzten Monaten hat noch andere Gründe: „Die bisherige Berichterstattung ist mir viel zu plump. Alles wird auf den Export in die USA und China projiziert“, schimpft Klaus Widmann, Geschäftsführer des Sägewerks und Holzhandels Kogler in Kreuzpullach. Die Käferplage und der Export seien eher „der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Man müsse das Thema differenzierter angehen und auch Aspekte wie die Coronakrise und Staus auf Handelsrouten beachten. „Da spürt man die Globalisierung“, sagt Holzprofi Widmann. Es sei sehr schwer einzuschätzen, wann sich die Situation wieder normalisiere. Schon jetzt gibt es von Seiten der Industrie Lieferobergrenzen für bestimmte Holzarten. Nur noch bestimmte Kontingente werden geliefert.

Es sei schwer abzuschätzen, wann sich die Situation wieder normalisiert, sagt Klaus Widmann vom Sägewerk und Holzhandels Kogler in Kreuzpullach. 
Es sei schwer abzuschätzen, wann sich die Situation wieder normalisiert, sagt Klaus Widmann vom Sägewerk und Holzhandels Kogler in Kreuzpullach.  © Laura May

Nicht nur Holz wird knapp

Doch nicht nur Holz ist momentan Mangelware. Es geht um weit mehr, erklärt Baustoffhändler Reiniger. Es gebe zudem massive Knappheit bei Metallen, Beton, Silikon und Kunststoffen. Er sehe keine Lösung, „dafür gibt es zu viele Glieder in der Kette. Man hat sich abhängig gemacht“, sagt Reiniger. „Die Kette geht weiter und weiter.“ Konkret fehlt dann Dämmmaterial oder der banale Plastikeimer.

Von einer Preissteigerung von 20 Prozent bei Endprodukten geht Franz Hanika von der gleichnamigen Baugesellschaft in Haar aus. 
Von einer Preissteigerung von 20 Prozent bei Endprodukten geht Franz Hanika von der gleichnamigen Baugesellschaft in Haar aus.  © Gerald Förtsch

Bei all den abstrakten Zusammenhängen gibt es konkrete Folgen und Probleme. Vor allem werden Endprodukte wie etwa Autoteile oder Bauprojekte teurer. Franz Hanika von der gleichnamigen Baugesellschaft aus Haar, geht von einer Preissteigerung um die 20 Prozent aus, die er seinen Kunden beibringen muss. „Wir haben die Befürchtung, dass es gar nicht mehr zurückgeht“, sagt er, obwohl er auch betont, dass etwa der Holzpreis vor vier Jahren ein ähnliches Preisniveau erreicht hatte.

Laura May

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