Die Band Techtlmechtl ist hungrig nach Auftritten: (v.l.) Max Schwarz (Gesang und Gitarre), David Eulers (Bass), Robert Spies (Gitarre), Michelle Wagner (Gesang) und Tobi Hiendl (Schlagzeug).
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Die Band Techtlmechtl ist hungrig nach Auftritten: (v.l.) Max Schwarz (Gesang und Gitarre), David Eulers (Bass), Robert Spies (Gitarre), Michelle Wagner (Gesang) und Tobi Hiendl (Schlagzeug).

„Techtlmechtl“ startet durch

Oberhachinger Band heizt auf dem Nockherberg ein

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Auch wenn gerade keine Auftritte möglich sind: Die Oberhachinger Band „Techtlmechtl“ startet durch. Auf dem Nockherberg überzeugte die Gruppe mit ihrem originellen Sound und bayerischer Lebensart.

Oberhaching – Momentan steht alles still. Das letzte gemeinsame Üben war im November möglich. Die Mitglieder der Band „Techtlmechtl“ aus Oberhaching spielen im Lockdown zu Hause, jeder für sich. Man schickt sich die Voice-Dateien zu und arbeitet die Musik aus, aber die Dynamik fehlt. Sobald sich die Situation entspannt, wird der Oberhachinger Sound wieder voll tönen. Ideen gibt es genug.

Bandgründung per Smartphone

Genau vor zwei Jahren ist die Band gegründet worden. Ein ehemaliges Mitglied hatte eine WhatsApp-Gruppe eröffnet mit dem Angebot, eine Mittwoch-Jamsession abzuhalten. Kurz darauf war die fünfköpfige Band schon aktiv. Einer arbeitet in der Schule, einer als Erzieher, der nächste als Maler. Alle haben ein zweites Standbein. Besser so. Man stelle sich vor, ein Song wäre vor zwei Jahren durch die Decke gegangen, alle hätten auf die Musik gesetzt und dann kommt Corona. Max Schwarz: „Wir hätten alle mit dem Ofenrohr ins Gebirge geschaut.“ Wir, das sind Max Schwarz (29), David Eulers (22), Michelle Wagner (25), Tobi Hiendl (26, alle aus Oberhaching) und Robert Spies (46) aus Forstenried.

Die Songs schreibt Max Schwarz meistens zu Hause. Er hockt sich an die Gitarre. „Wenn ich gut drauf bin, improvisiere ich einen Text.“ Daraus wächst beim gemeinsamen Treffen etwas Schönes: eine Bassline und eine zweite Gitarre kommen darüber. Das Schlagzeug geht hinein. Als Ergebnis entsteht eine Musik der Schwerelosigkeit, in der man wie in einer Blase herumschweben kann. „Das ist beflügelnd.“

Auf ein bestimmtes Genre legt sich die Band nicht fest, ob Reggae, Rock oder Weltmusik. Eine eigene DNA aber lässt sich heraushören, und ganz wichtig: Die bayerische Lebensart ist ihnen zu eigen.

Vom Fußballtraum zur Musik

Der Oberhachinger Schwarz hat sich durch eine schmerzliche Erfahrung zur Musik hin gewendet. Er spielte bei der SpVgg Unterhaching und bei 1860 München, wollte Profi werden. Dann hat er sich kurz nacheinander das rechte und das linke Kreuzband gerissen und musste alle Träume einer Karriere von einem auf den anderen Moment begraben. In dieser Zeit, vor elf Jahren, begann er mit der Gitarre. Zuerst war der Text da, die Gitarre diente als Ergänzung. Er brachte sich die ersten Akkorde über Youtube-Videos bei, es wurden mehr und mehr. „Aber es ist lange noch nicht da, wo ich hin will.“

Die neuen Medien entpuppen sich als Treiber. Ständig wird man überrascht, wie folgendes Beispiel zeigt: Auf Instagram gibt es kurze Videos. Eines hat Max Schwarz von seinem privaten Konto losgelassen. Ganz einfach gefilmt, mit dem Handy an der Isar. Die Sequenz bekam innerhalb von drei Minuten 4000 Aufrufe. Für andere Lieder wird ewig produziert, viele Gedanken im Spiel mit Followern, die es teilen. Da ging es dann nicht so schnell.

Freundin Michelle Wagner (25) ist für die Stimme verantwortlich. Sie kam schon in der ersten Klasse zum Gesang. Es wurde viel Theater gespielt, sie übernahm am liebsten den Gesangspart. In der 4. Klasse trat sie bereits im Rahmen eines Musicals in der Kölner Oper auf.

In den ersten Monaten nach Gründung hat sich die Band im Keller eingesperrt und wild losgeübt. Es mussten erst die Songs geschrieben und das Zusammenspiel verfeinert werden. Und der erste Auftritt fand ausgerechnet im Coronajahr statt. Die fünf haben eine kleine Biergartentour organisiert und spielten zum Wirtshaus-Wiesnstart am Nockherberg. Gleich im Anschluss hätte man die Fünf gerne zu Silvester wieder gebucht, was aber wegen des Lockdown storniert werden musste. Es ist zwar schade, dass es nicht klappt, aber die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Jahr 2021 sind gegeben. Das vorläufige Ziel der Band: dass sich der Spaß an der Musik von selbst finanziert.

Origineller Sound überzeugt am Nockherberg

Aber wie kommt eine unbekannte Band von jetzt auf gleich zum Nockherberg-Auftritt? Max Schwarz hat mit seinen beruflichen Kenntnissen aus der Vertriebsbranche alle Register gezogen. Sieben Bands hatten sich beworben, aber der originelle Sound von „Techtlmechtl“ hatte den Veranstalter überzeugt. Die Vermarktung ist das Zauberwort. Denn es gebe, so Schwarz, hunderte von Liedern, die das Zeug gehabt hätten, erfolgreich zu werden. Nur das Marketing habe gefehlt. Also muss der Musiker heute sein Glück in die Hand nehmen: Die Band hat schon Partner gefunden, die auf diesem Gebiet sehr erfolgreich sind. Max Schwarz: „Wir werden versuchen, uns da dran zu hängen und noch mehr Reichweite zu generieren.“

Ein neuer Probenraum ist auch schon in Aussicht. Er ist nötig geworden, weil bei Max Schwarz der Raum als Lager gebraucht wird und der Nachbar vom Lärm im Keller nicht gerade hellauf begeistert ist. Die katholische Kirche hat sich bereit erklärt, einen Raum im Pfarrkomplex bei St. Bartholomäus zur Verfügung zu stellen.

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