+
Immer ein Ohr am Kunden: Hans Bürklin vor Jahrzehnten in seinem Element als Unternehmer. 

Gründer der Oberhachinger Firma Bürklin ist gestorben

Vorliebe für Widerstand und Kondensator

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
    schließen

Im Alter von 94 Jahren ist Firmengründer Hans Bürklin am 1. Juni gestorben. Die Familie trauert im kleinen Kreis.

Oberhaching – Das Oberhachinger Gewerbegebiet am Grünwalder Weg hat sich als idealer Standort für das Elektronik-Distributor-Unternehmen Bürklin herausgestellt. Endlich musste man nicht mehr treppauf treppab die Stockwerke durchkämmen wie am Standort in München, sondern fand 2011 ein ebenerdiges Gebäude mit einer 10 000 Quadratmeter großen Halle. Zu dieser Zeit hatte Firmengründer Hans Bürklin das Zepter bereits an seine zwei Söhne abgegeben. Am Montag, 1. Juni, ist er nun im Alter von 94 Jahren gestorben. Sohn Ralph Bürklin: „Er ist ganz friedlich eingeschlafen, war nie krank, aber doch sehr alt.“

Der junge Hans Bürklin studierte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Betriebswirtschaft und promovierte auch in dem Fach. Er ist ein typischer Vertreter der Kriegsgeneration. Mit 17 Notabitur, 1942 eingezogen und verwundet aus dem Krieg zurückgekehrt. Damals schon galt seine Leidenschaft der Elektronik, genauer dem Funk.

Leidenschaft Elektronik-Basteln

Der Verstorbene war Zeit seines Lebens ein Elektronik-Bastler. Er hinterließ auch eine Gerätesammlung, die seine Nachkommen horten. Die historisch interessanten Funkgeräte und Empfänger hauptsächlich in Röhrentechnik werden am Standort in Oberhaching ein kleines privates Museum bekommen. Mit Exemplaren der 50er bis 70er Jahre. Ralph Bürklin: „Ich kenne meinen Vater eigentlich nur in der Arbeit im Büro oder zu Hause im Bastelkeller, wo er uns Kindern die Liebe zur Elektronik beigebracht hat. Wir lernten das Löten und die Bedeutung von Widerstand und Kondensator.“ Physik war kein Problemfach.

Schnell eigene Firma gegründet

Nach dem Krieg stieg Hans Bürklin früh gemeinsam mit seinem Bruder in den Raumausstatter- und Sattlereibetrieb seiner Eltern an der Blumenstraße in München ein, heute Prälat-Zistl-Straße. Relativ schnell hat er sich aus eigenem Interesse und ein bisschen Schwarzmarkttätigkeit dazu entschlossen, 1954 eine eigene Firma in der Schillerstraße zu eröffnen. Er kannte sich gut aus und hatte Detailwissen speziell zu den Elektronenröhren. Das war von Vorteil. Durch Amerika-Aufenthalte stolperte er über das Mail-Order-System und fing an, seine Waren mit der Post zu verschicken. Dafür sprach er hauptsächlich gewerbliche Kunden an, Es blieb lange Zeit beim Standort in München, in den 90er Jahren zog man eine Hausnummer weiter. Zwischenzeitlich kam eine Filiale in Düsseldorf und eine in Saarbrücken hinzu. Nicht zu vergessen, dass auch eine Heirat begangen wurde und drei Kinder auf die Welt kamen, die alle in der Tüftelwerkstatt des Vaters ihre ersten physikalischen Gehversuche unternahmen.

2011 Gelände in Oberhaching gefunden

Am Ende wurde der Platz in München einfach zu klein, und die Bürklins fanden das Gelände in Oberhaching. Mittlerweile war Vater Hans schon in Rente gegangen und nach Wasserburg am Bodensee gezogen. Ralph Bürklin: „Da ist mein Vater aufgewachsen und dahin hat es ihn zeitlebens zurückgezogen. Wir waren dort oft als Kinder mit der Oma.“ In diesem Umfeld ist er auch gestorben.

Sohn Ralph und sein Bruder waren längst ins Geschäft eingestiegen. Auch der berufliche Turnus der Söhne neigt sich heute dem Ende zu, und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unterwasser-Rasenmäher stutzt Seegras in Bach
Auch unter Wasser wächst Gras, genauer gesagt Seegras. Und weil auch das gemäht gehört, waren unter der Woche Arbeiter mit einem speziellen Boot auf dem Ismaninger …
Unterwasser-Rasenmäher stutzt Seegras in Bach
Polizei sprengt Corona-Party an Regatta
Über hundert Menschen haben sich am Mittwochabend bei schönem Wetter am Ufer der Ruderregatta niedergelassen.
Polizei sprengt Corona-Party an Regatta
Wegen ungenehmigter Garage: Gemeinde muss Straße verlegen
Ein langer Streit in Hailafing endet mit einer Niederlage der Gemeinde. Obwohl die Garage eines Anliegers ohne Genehmigung entstand, darf sie stehen bleiben - und die …
Wegen ungenehmigter Garage: Gemeinde muss Straße verlegen
Trambahn-Krach: Grünwalder ärgern sich über Lärm am Gleis - MVG macht wenig Hoffnung
Die Trambahn-Linie nach Grünwald ist der Gemeinde wichtig. Doch die direkten Anwohner ärgern sich über den Krach, der aus ihrer Sicht zu vermeiden wäre.
Trambahn-Krach: Grünwalder ärgern sich über Lärm am Gleis - MVG macht wenig Hoffnung

Kommentare