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Schaurig-schön wirkt das Bild mit Francesco Giuliano im Gleißental-Tunnel.

Hobbykünstler setzen Oberhaching in neues Licht

Lichtblicke zur Geisterstunde

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Schaurig-schön: Die Lichtmaler zeigen Oberhaching von einer ganz neuen, besonderen Seite. So manchen gruselt‘s...

Oberhaching – Spät nachts zur Geisterstunde sind Monika Lohr, Sonja Brunschlik, Martin Ammerell und Christian Mair auf Streifzug durch Oberhaching und machen reiche Beute. Sie entdecken die Gemeinde in einem neuen Licht, in dem sie mit Kerzen, Scheinwerfern, Lichtstäben und Stativ Szenen entwerfen, in denen der Kapellenweg genauso wie das Gleißental einen mystischen Charakter annehmen. Ihre Übereinkunft: Man muss sich nicht auf eine lange Reise nach Kuba oder Skandinavien begeben, um das Besondere aus dem Fotoapparat zu zaubern. Direkt vor der Haustür gibt es viel zu entdecken. Allerdings sind Spontaneität und Sitzfleisch nötige Tugenden, ohne die keine Atmosphäre in der blauen Stunde oder danach entsteht.

Das bunte Brettl auf Facebook gibt es jetzt ungefähr ein Jahr. Da haben sich mehr oder weniger durch Zufall Christian Mair, Sonja Brunschlik, und Monika Lohr, Gründungsmitglieder, gefunden. Hinzu kam Martin Ammerell, der regelmäßig Fotos postet und die gleiche Vorliebe mitbrachte. Einer von ihnen, Christian Mayr, kam irgendwann auf die Idee, die späten Abendstunden zum gemeinsamen Fotografieren zu nutzen. Das Team zog also durch die Baumärkte und holte sich Lichterketten, -stäbe und -stangen und probierte, wie man die Lichteffekte bildlich darstellen kann.

Wie ist die Wirkung, wenn ich einen Lichtstab schwinge? Und was kommt bei welcher Beleuchtung heraus? Wie erschaffe ich eine LichtBlume, eine Scheibe oder ein Viereck? Die Atmosphäre ist schwer zu erschaffen, aber schnell zerstört. Monika Lohr: „Bei 20 bis 30 Sekunden Belichtungszeit müssen wir gut positioniert und eingespielt sein.“ Auf ein gemeinsames Signal hin laufen alle Fotoapparate mit. Bis eine Szene gefällt, braucht es gut und gerne 10 bis 20 Versuche.

Ziel ist es, Oberhaching von einer ungewöhnlichen und ungekannten Seite zu zeigen. Die Kirche St. Stephan im Aquarell ist unzählige Male und wunderschön porträtiert worden, jetzt aber spiegelt sich die Kulisse in kleinen Lichtakzenten. Oder das Rathaus: Die Forscher verändern mit ein paar Lichtern nachts das Gebäude auf dem Kyberg. Sie finden heraus, welche Lichtimpulse der Wasserturm verträgt oder was man einbringen kann, damit ein Bild wie gezeichnet aussieht.

Zum Repertoire des Quartetts gehört auch das Grusel-Genre. Lohr zum Beispiel hat ein Faible für unheimliche Geschichten, geht nachts im Wald spazieren und hat auch nichts gegen Gruselpartys mit kleinen Gänsehautszenen. Mit der Veröffentlichung beim bunten Brettl war sie anfangs etwas zögerlich. Schließlich wollte sie sich nicht dem Vorwurf aussetzen, es mit dem schwarzen Humor zu übertreiben. Aber die positive Resonanz nahm ihr die Vorsicht.

Jüngster Höhepunkt waren Nachtaufnahmen im Gleißentaltunnel. Hier wollten die Hobbyfotografen aus der düsteren Stimmung das Mögliche herausholen. Der Schwiegervater von Lohr ist gelernter Wagner und besitzt Gartengeräte wie Sichel und Sense, die eine unheimliche Stimmung verstärken. Natürlich muss dazu auch ein Mannsbild Modell stehen, dem man das Sensenhandwerk abnimmt. Der Mitbesitzer der Pizzeria Monte Mar, Francesco Giuliano, stellte sich zur Verfügung. Lohr: „Es gibt niemanden, der so furcheinflößend dreinschauen kann wie der Francesco. Kerzen eingepackt, mit Lampen ausgeleuchtet.“

Dass die Gruselszene nicht nur auf den Fotos spürbar war, beweist diese Rand-Episode: Der Fotogruppe kam ein Radfahrer entgegen, der durch den Tunnel fahren wollte, sich dann aber nicht mehr durchtraute. Er nahm trotz Beschwichtigung des Teams zunächst Reißaus, musste dann aber doch durch, weil er keinen anderen Weg fand.

Einige symbolträchtige Orte haben die Lichtmaler bereits im Kasten: den Hachinger Bach und die Schulbibliothek. Der Baustelle in der Münchner Straße konnten sie ebenfalls etwas Gefälliges abgewinnen. Vor wenigen Tagen brachten sie ihr Equipment auch zum Rathaus, aber das Ergebnis des Shootings wollen sie noch zurückhalten. Zunächst haben sie vor, an die Gemeinde ein Bewerbungsschreiben für eine Ausstellung im nächsten Jahr zu richten.

Viele hatten in den Posts des bunten Oberhachinger Brettls nachgefragt, warum die Gruppe noch keine Ausstellung organisiert hat. Daran arbeiten sie jetzt mit Hochdruck. Und sie haben sich schon ihr nächstes Ziel ausgesucht: „Wir hätten auch gerne einen Schlüssel fürs Naturbad Furth.“ Dass sie schon mitten im benachbarten Autobahn-Weiher gestanden haben, ist kein Geheimnis – und zwar stieg Monika Lohr mit dem Taucheranzug ihres Mannes tapfer hinein.

Es ist ein strammes Pensum. Die Vier wollen ihre Perspektiven von Oberhaching in diesem Jahr durchfotografiert haben. Und auch wenn ein Abend bis 1 Uhr nachts nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hat, dann geht es am nächsten Abend weiter. Zur blauen Stunde natürlich.

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