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Asterix lässt grüßen: (v.l.) Staupix (Anne-Bärbel Ruf-Körve), Lutherix (Irene Geiger-Schaller aus Oberhaching), Caesar (Johannes Stegmann) und Populix (Hannes Schott). 

Kabarett zur Reformation

Heimspiel für widerspenstigen „Lutherix“

Ein kleines Dorf gegen die Römer: Kennt man? Aber diesmal geht‘s um Religion. Oberhachings Pfarrerin schlüpfte in eine sehr besondere Rolle.

Oberhaching – Es wurde kritisiert, sich beschwert und die Kirche auf die Schippe genommen: Mit seinem neuen Programm „Die spinnen, die Römer“ sorgte das kirchlich-bayerische Pfarrkabarett Weißblaues Beffchen im Forstner für Begeisterung. Halb Oberhaching war gekommen, um das Quintett mit Ortspfarrerin Irene Geiger-Schaller zu sehen, die als „Lutherix“ alias Martin Luther glänzte und sich mit Caesar alias dem Papst anlegte.

Im Stück ist die ganze Christenheit von Römern besetzt. Nur ein kleines Dorf widersetzt sich erfolgreich der römischen Besetzung. Lutherix und Populix stellen sich den Römern entgegen, die Sündenzoll auf dem Weg in die Freiheit verlangen. Gestärkt durch Staupix’ Zaubertrank kommentierten sie mit Gesang, Tanz und einer gehörigen Portion Ironie den Zustand der beiden Konfessionen und nahmen den Rummel um Lutherpüppchen, -bier und -hype aufs Korn. „Wittenberg, die Angst vor den Römern ist jetzt vorbei. Uns ist der Papst völlig einerlei, macht mit bei der Ketzerei.”

Das Beffchen-Quintett besteht ausschließlich aus Berufspfarrern: Lokalmatadorin Geiger-Schaller, Olaf Stegmann arbeitet in St. Markus in München, Hannes Schott in Bayreuth und Anne-Bärbel Ruf-Körver in Nastätten im Taunus. Josef Höglauer ist Pfarrer in Trostberg und sitzt seit 2013 beim Weißblauen Beffchen am Klavier.

Lustig ging es bei deren Beerdigungsgespräch zu, bei dem ein Sarg aus Salzteig oder eine Seebestattung im Gartenteich in Erwägung gezogen wurde. Im Stil von Loriot lieferten sich der Schweizer Reformator Zwingli und der deutsche Reformator Luther ein Streitgespräch, in dem es um Substanz in Brot und Wein ging und keiner in seiner Kirche und an seiner Kanne Rechenschaft ablegen wollte. Im Zweikampf maßen sie, wer das Brot länger in den Wein tauchen konnte. Religionslehrer an der Uschi-Glas-Grundschule berieten sich über Ignoranz der Schüler, kompetenzorientierten Religionsunterricht und das heutige Religionsverständnis. In der TV-Reformationsjubiläumsverkaufsshow wurden Lutherartikel feilgeboten, mit denen man sich auch selbst bespiegeln kann – wie die evangelische Kirche in Deutschland.

Ein Höhepunkt des Abends war eine Himmelsszene, in der ein Katholik mit dem Engel Petrus vor der Himmelspforte steht, bereit ins Paradies einzutreten. Es kommt zum Streit, da der Katholik feststellt, dass die irdischen Sünden aus der reinen Gnade Gottes vergeben werden. Als er merkt, dass auch Martin Luther im Himmel ist, gibt es kein Halten mehr: „Das ist kein Paradies, ich will die Geschäftsleitung sprechen.” Für manche ist die göttliche Gnade die größte Strafe. Ob es eine so gute Idee war, das Fegefeuer abzuschaffen? Protestantismus hat sich durch Lieder ausgebreitet, die Martin Luther geschrieben hat. Die Degeneration der Kirche wurde in musikalischen Medleys angeprangert. „Das Zölibat ist für die Tonne, ich will sie haben, die schöne Nonne.“

Ortspfarrerin Geiger-Schaller ist seit 20 Jahren beim Kabarett dabei und tritt besonders gerne vor heimischem Publikum auf: „In Oberhaching zu spielen, ist etwas ganz Besonderes für mich und gibt mir einen extra Kick.“ Der Abend endete mit einem großen Fest, wie man es von Asterix kennt: Caesar, Lutherix, Popelix und Staupix prosten sich zu und verbrüderten sich. „Wir sollten wieder Christenmenschen werden. Wir erheben das Glas auf das kleine widerspenstige Dorf. Auf Lutherix und seine Mannen.“ Was im Zaubertrank war? Wasser in einer Taufschale, ein Zuschuss Gottvertrauen und eine Prise Glaubenskraft. Ein Rezept für die nächsten 500 Jahre. 

Christina Dinné

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