Urteil gefallen

Kindesmissbrauchs-Prozess: Vater muss sieben Jahre in Haft

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Oberhaching/Wolfratshausen – Im Fall eines 42-Jährigen, der seine Tochter in Obnerhaching über Jahre sexuell missbraucht haben soll (wir berichteten), hat das Landgericht München II jetzt ein Urteil gefällt. Er muss sieben Jahre hinter Gitter.

Zu seinem letzten Wort steht der angeklagte IT-Berater auf und sagt: „Es tut mir unendlich leid. Ich bereue es sehr. Und ich möchte alles tun, um diese Schuld abzubauen.“ Diese Schuld - damit meint er den sexuellen Missbrauch an seiner eigenen Tochter (heute acht Jahre alt). Er habe eine Familie zerstört, seine Zukunft verbaut und Familie und Freunde enttäuscht. Irgendwann, sagt er, möchte er sich auch bei seiner Tochter entschuldigen, nicht nur bei seiner Ex-Frau. Doch bis dahin dürften noch einige Jahre ins Land ziehen. Denn wegen 26 Fällen des sexuellen Missbrauchs hat das Landgericht den 42-Jährigen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der Strafrahmen war bereits vorab in einem Rechtsgespräch abgesteckt worden, weil der Angeklagte vollumfänglich gestanden hatte. Die Staatsanwältin forderte schließlich in ihrem Plädoyer siebeneinhalb, der Verteidiger sieben Jahre Haft.

Der 42-Jährige hatte mit seiner Frau, der Tochter und einem Sohn ab 2007 in Oberhaching gewohnt. Als das Mädchen erst vier Jahre alt war, begannen die sexuellen Übergriffe, die sich im Laufe der Zeit steigerten. Das Gericht ging im Urteil von 24 Fällen zwischen Juli 2012 und Juli 2013 aus. Bei zwölf dieser Fälle handelt es sich um schweren sexuellen Missbrauch. Nachdem sich seine Frau wegen des Missbrauchs von ihm getrennt hatte, bezog er eine eigene Wohnung in Wolfratshausen. Dort verging er sich im Juli und August 2015 erneut zweimal an seiner Tochter, als sie ihn übers Wochenende besuchte. Diese Taten wiegen laut Gericht am schwersten, da sie mit zeitlichem Abstand und trotz vorangegangener Therapie erfolgten.

Der IT-Berater hat es seinem Geständnis zu verdanken, dass er keine noch höhere Strafe bekommen hat. „Das Geständnis spielt hier eine enorme Rolle“, sagte die Vorsitzende Richterin Regina Holstein. Der Angeklagte hatte betont, dass er nur das Beste für seine Tochter wolle. „Man merkt, dass da noch ein Herz ist und kein Eisklotz“, sagte die Richterin. Schlechte Beziehungserfahrungen in der Familie rechnete sie ihm aber nicht positiv an. Dies hatte der Verteidiger zuvor gefordert.

Vielmehr sprach auch einiges gegen den 42-Jährigen. So ging es um einen längeren Tatzeitraum und um ein „sehr, sehr junges“ Kind, dessen Alter weit unter der Schutzgrenze liege. Die Tatsache, dass er ansonsten ein guter Vater war, sei umso schlimmer: „Gerade, dass er das erarbeitete Vertrauen missbraucht hat, ist ihm anzulasten.“ Außerdem leide das Kind laut Zeugenaussagen , weniger unter dem Missbrauch selbst als darunter, dass es den Vater „verraten“ habe und dass die Familie zerstört ist. Das Mädchen ist in Therapie. Insgesamt sei die Gesamtstrafe von sieben Jahren „maßvoll“, sagte Holstein. Es liege eine Fülle von Taten vor, aber es handle sich um einen Vater, der von vornherein alles zugegeben habe. „Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er das Kind nicht auch noch Lügen straft.“

Nina Gut

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