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Einen besseren Flecken Erde hätte er für seine Kleinkunstbühne nicht finden können, sagt Werner Reischl. 

Ein Jahr Kleinkunstbühne Deisenhofen

Hier kann jeder zeigen, was er kann

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Illusionisten, Zauberer, Poetry-Slammer: Sie alle haben auf der Kleinkunstbühne Deisenhofen ein Zuhause gefunden. Gegeben hat es ihnen Werner Reischl.

Deisenhofen – Eines heißt Massl-Maker ganz sicher nicht: „Duselbruder.“ Vielmehr steckt hinter der jiddisch-englischen Mixtur ein Mensch, der sein Glück selbst in die Hand nimmt. Heraus kommt Werner Reischl (62), der seit einem Jahr im Deisenhofner „Weißbräu“ Newcomern der Kleinkunstszene ein Forum bietet.

In diesem einen Jahr sind über 50 Künstler im Traditionslokal vor das Publikum getreten, ein großer Lernerfolg hat sich eingestellt, wie der heute 62-jährige Erdinger gerne zugibt. Die Vielfalt macht’s. Für Künstler aller Genres fand sich ein Plätzchen: für Illusionisten, Zauberer, Clown-Zauberer, Poetry-Slammer und Liedermacher. Querbeet wird alles aufgeboten. Allesamt werden überrascht, auch Reischl selbst: „Ich gehöre nicht zu denen, die sich vorher die Nummern bei Youtube anschauen. Ich will keine Auswahl treffen, die mir gefällt, sondern den Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit bieten.“ Käme es nur auf seinen Geschmack an, dann liefe die Reihe Gefahr, irgendwann eintönig zu werden: „Ich habe ja vielleicht nur einen begrenzten Geschmack.“

Vom Sporttrainer zum Veranstalter

In die Künstlerszene hat sich Reischl „unbedarft und unbeleckt“ hineinbegeben. Das bekennt er ganz offen. Wie die Jungfrau zum Kinde kam er zum „Weißbräu“ am Hubertusplatz als Veranstaltungsort. Gesucht wurde: ein S-Bahn-Anschluss plus intaktes Wohnumfeld. Alles da. Einen passenderen Flecken Erde, das muss an dieser Stelle gesagt werden, hätte er für sein Unterfangen kaum finden können. Die Bedingungen in Deisenhofen waren ideal. Das fand er im ganzen Landkreis Erding nicht.

Eine gewisse Ortskenntnis im südlichen Landkreis besaß er bereits. Ursprünglich war Werner Reischl nämlich im Leistungssport aktiv, als Volleyball-Trainer mit Lizenz. Hier in Oberhaching besuchte er des Öfteren die Sportschule und hielt auch Lehrgänge ab. Als Trainer war er auch in Riemerling, Ottobrunn und Unterhaching zugegen. „Das war allerdings im letzten Jahrtausend.“ Mit Anfang 40 steigt er aus dem Leistungssport aus, hält Vorträge und wird Präsident des Golfclubs in Vilsbiburg.

Zunächst waren die Erwartungen nach der erfolgreichen Kleinkunst-Premiere im Februar 2017 unrealistisch hoch. „Der Saal im ,Weißbräu‘ war brechend voll mit über 70 Plätzen. Meine Reaktion war nach dem Start zu euphorisch.“ Er erlebte bei der nächsten Veranstaltung einen krachenden Absturz. In den Saal kamen 30 bis 40 Gäste, eine herbe Ernüchterung. Freunde aus der Branche trösteten ihn und sagten: „Sei froh, letzte Woche bin ich vor zwölf Zuschauern aufgetreten.“

Das Künstlerleben ist hart. Gerade für die Neuen. Aber mittlerweile hat sich Reischl einen gemütlichen Platz im örtlichen Kulturleben eingerichtet: „Das Publikum ist für die Künstler unheimlich angenehm. Bisher waren alle begeistert.“ Offen, und dabei nicht übertrieben kritisch. Das sei für die Newcomer ein Geschenk. „Es sind Leute dabei, die noch nicht die große Bühnenerfahrung haben. Sie machen Fehler, kleinere oder größere. Das ist normal.“

Seit Januar kommt ein weiterer Glücksfall dazu: Reischl kooperiert mit dem örtlichen Kulturverein, der gelegentlich in der Urbs Generationum unweit des Rathauses Kleinkunst zeigt. Der Verein hilft mit bei der Werbung. Er beteiligt sich nicht wirtschaftlich, aber ideell am Projekt. Daneben hatte Werner Reischl viele Starthelfer, die er am Rande bei einer Kleinkunst-Akademie in Bad Kissingen vor zwei Jahren kennengelernt hatte. Damals kam er in Workshops mit Kabarettisten, Comedians, Poetry-Slammern zusammen, die ihre Erfahrungen weiterreichten. Außerdem wurden zusammen Teile von Programmen erarbeitet.

Mit ihrer Hilfe gelang es, sowohl Künstler als auch Publikum in den Weißbräu zu locken. Auch Rainer Markus Wimmer aus Karlsruhe lernte der Massl-Maker in Bad Kissingen kennen. Der Künstler wird heuer im Michael-Ende-Jahr Texte des Kinderbuchautors vertonen. Er erklärte sich vor einem Jahr bereit, zur Premiere zu kommen.

Durch seine Reputation in der Szene war er für Werner Reischl ein Glücksfall. Außerdem lernte er einen Tontechniker kennen, den „Super Hans“, Hans Waldmann, der für ihn unheimlich wichtig wurde. „Viele Künstler haben sofort zugesagt, als sie hörten, dass er für den Ton verantwortlich ist.“ Künstler mit Erfahrung haben Ansprüche. Die wollen nicht hören, als ob ihre Stimme „aus einem krachenden Radio kommt“. Leider musste Hans Waldmann aus gesundheitlichen Gründen seine Aufgabe jetzt an Christoph Asemann übertragen. „Der Oberhachinger springt das erste Mal bei unserer nächsten Vorstellung ein und macht die Tontechnik.“

Talent ist nicht an Alter gebunden

Selbst stand Werner Reischl nie auf der Bühne. Er hat Versuche unternommen, Testnummern. „Aber man merkt doch den Unterschied zwischen Leuten, die die darstellende Kunst aus dem Bauch heraus haben. Oder ob man sich das mühselig aneignet.“ Das Talent, so findet der 62-Jährige, ist aber keineswegs ans Alter gebunden: „Michael Nesner zum Beispiel haben wir im November als Kabarettisten auf der Bühne gehabt.“ Mit 60 Jahren feierte er sein Debüt und kam super an. Warum er es zuvor nie versucht hatte? Er konnte die Bühne mit dem Beruf nie verbinden und musste die Leidenschaft für das Kabarett Jahrzehnte mit sich herumtragen. Endlich bot sich die Gelegenheit. Er fragte Reischl: „Lässt du mich auf die Bühne?“ Na klar doch, jederzeit.

Übrigens: Auch wenn es bei der Premiere mal nicht so klappt. Bei Werner Reischl gibt es immer auch eine zweite Chance.

Nächste Vorstellung

Am Freitag, 16. Februar, um 19.30 Uhr kommen Rolf Zollner, Matthias Stephan, Dominikus Dosh, Helga Brenninger, Sebastian Schlagenhaufer und Josefine Gartner in den Weißbräu. Die Karten an der Abendkasse kosten zwölf Euro, Mitglieder des Kulturvereins zahlen zehn Euro.

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