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Viele junge Zuschauer verfolgen das Klassik-Konzert der anderen Art.

Konzert für Babys und Kleinkinder in Oberhaching

Klassik auf Krabbeldecken

Oberhaching – Elegante Abendgarderobe, Sektempfang und absolute Stille war gestern: Strampler, Krabbeldecken und Trinkfläschchen beherrschen das Klassikonzert.

Stardirigent Franz Schottky und fünf „dacapo“-Solisten hatten zum Klassikkonzert für die Kleinsten in den Bürgersaal beim Forstner Oberhaching geladen. Kunterbunte Fröhlichkeit herrschte währenddessen. Statt adretter Stuhlreihen laden Sitzkissen zum Verweil. Der Boden gleicht einem Patchwork-Meer aus Decken. Schuhe ausziehen ist Ehrensache. Nur in der Mitte stehen Stühle – für die Musiker reserviert. 

Für Franz Schottky und der Abordnung der Kammerphilharmonie „dacapo“ nichts Ungewöhnliches. In München haben sie bereits gegeben, in Oberhaching allerdings tun sie dies zum ersten Mal. „Dennoch ist es heute eine Art Heimspiel“, erzählt Schottky. Lange Jahre hat der Münchner hier gewohnt, ehe es ihn 2007 wieder in die Landeshauptstadt zog. In Oberhaching hat er „dacapo“ vor 15 Jahren gegründet. Bis zu 60 Mitglieder zählen heute dazu. 

Seit den Anfängen dabei ist Beatrix Wemhoff, sie spielt beim Babykonzert die Bratsche. Die erste Geige ist Mariana Beleaeva. „Nicht jeder Musiker ist für so ein quirliges Konzert geeignet“, erklärt Schottky. Beide Musikerinnen sind aber Mütter und lieben es, für die Jüngsten zu spielen. Sie winken als Beifall, in einem Krabbelkonzert gelten eigene Gesetze. „Wir wollen doch keine Babys wecken, die gerade eingeschlummert sind“, bittet Schottky das Publikum. 

Rumkrabbeln und Tanzen ist ausdrücklich erwünscht. Dann legen die Musiker los. Mitgebracht haben sie Stücke von Bach, etwa das Klavierkonzert G-Moll, Mozarts „Divertimento C-Dur“ und Schuberts „Fünf deutsche Tänze“. „Da swingen Kinder gern mit, die lieben sie“, weiß Schottky. Mit der Zeit steigt die Stimmung im Saal. Sitzkissen werden gerollt, Kinder flitzen, es gibt Gekicher, Gekreische, Gekrabbel. 

Mit hochroten Bäckchen verfolgt der kleine Simon das Geschehen. Verträumt lässt er seinen Nunu tanzen, blickt mit großen Augen ins Rund. „Es ist sein erstes Konzert überhaupt“, erzählen die Eltern Katharina und Stephan Peinkofer. Sogar Oma und Opa sind mitgekommen. Abwechselnd hält jeder den Knirps auf dem Arm. Später liegt er, träumend und eingekuschelt, zufrieden auf seiner kleinen Decke. 

Mehr Ausdauer beweist Amelie Aurora, mit 13 Monaten allerdings auch mehr als doppelt so alt wie Simon. Emsig krabbelt sie benachbarte Decken ab und knüpft eifrig erste Kontakte. „Die vielen Kinder hier sind für sie mindestens so interessant wie die Musiker“, sagt Vater Benjamin Herzog lachend. Die Veranstaltung findet der Oberhachinger schön, obwohl sie seiner Meinung nach etwas barocklastig ist. Nichtsdestotrotz versucht Amelie zu tanzen, die hübschen Löckchen wirbeln umher. Das nächste Mal ist die Familie wieder mit dabei. 

Ausgetobt und müde sind am Ende die meisten der kleinen Zuhörer. Gefallen hat es allen, so viele Hände winken am Ende den Musikern zu. Aber nur kurz. Dann geht die Geste in einen herzlichen Applaus über, das ließen sich die Oberhachinger nicht nehmen.

kko

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