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Der junge Said mit seinem Bild.

Kunstprojekt mit jungen Flüchtlingen in Oberhaching

Innere Bilder sichtbar machen

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Oberhaching – Ein "M" für "Mama" und blutrote Waffen: Die Bilder der jungen Flüchtlinge, die im Rathaus hängen, gehen unter die Haut.

Ein Herz, eine Frucht, Blumen und Ornamente. Hingebungsvoll und in leuchtenden Farben aufs Papier gebracht. Ein fröhliches Bild? Kurz bevor er den Pinsel aus der Hand legte, hat der 16-jährige Said noch etwas dazu gemalt. Ein schwarzes Maschinengewehr. 

Das Bild ist Teil der Ausstellung „Kunst tut gut“ von Flüchtlingen. Organisatorin ist die Künstlerin Yo Franklin, unterstützt von Julia Priestley und Joanna Niebler vom Helferkreis. Der Gedanke, mit Flüchtlingen zu malen, sei ihr kurz vor Weihnachten gekommen, erzählt Franklin auf der Vernissage im Rathaus Oberhaching. 

Sie habe beobachtet, dass Teenager aus der Traglufthalle noch nicht die Hauptschule besuchen konnten, während die Jüngeren schon in die Grundschule gingen. Mit ihrer Idee, den Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan Papier und Acrylfarbe zur Verfügung zu stellen, wandte sich Franklin an den Oberhachinger Helferkreis. „Kaum verging eine Woche, da kam eine Handvoll Jugendlicher zum Malen in meine Galerie.“ 

Den ausschließlich männlichen Flüchtlingen zwischen zwölf und 17 Jahren zeigte Franklin, wie sie innere Bilder sichtbar machen und das Unaussprechliche kommunizieren können. Keiner der Jugendlichen sprach deutsch, englisch oder französisch. Die Kommunikation „funktionierte dennoch recht unkompliziert. Ich gab ihnen zu verstehen, dass sie einfach malen sollen.“

In fünf weiteren Sessions kamen Frauengruppen, Mädchen und gemischte Gruppen zum Malen in die Galerie in der Bahnhofstraße. Die Künstlerin erzählt von einem Zwölfjährigen. „Mein erster Eindruck war, dass dies ein total fröhliches Kind ist“. Spontan malte er eine große Figur. „Er ging ganz selbstverständlich ans Werk. Ich konnte ihm ansehen, dass das Malen ihm Spaß bereitete.“ Dann ist sein Bild fertig – es ist jetzt das Titelbild für die Ausstellung geworden: Die Figur hält eine blutrote Waffe in der Hand, das Herz wurde aus dem Körper herausgerissen, aus dem Bauch fließt Blut. „Mir stockte der Atem“, sagt Franklin. Aber sie wolle nicht deuten, sondern frage eher, was es für den Maler bedeutet. „Ich lasse die Bilder stehen, wie sie sind. “

Ein anderes Bild in der Ausstellung hat eine Grundschülerin gemalt. Es zeigt ein großes M. Franklin dachte, das Mädchen habe beim Malen an eine Fastfoodkette gedacht. Doch die Kleine, die schon etwas Deutsch spricht, meinte das M stehe für das Wort „Mama“. Sie sei ohne die Mutter in Deutschland – die sei noch in Syrien. 

Die Ausstellung zeigt auch Bilder von Frauen aus der Traglufthalle, die sich mit Themen wie Mode beschäftigten, sie malten westlich anmutende Frauen, die Haut und Haar zeigen. In ihren Kunstwerken bewältigten die Flüchtlinge nicht nur Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit, betont Franklin. „Man erkennt auch Wünsche und sieht, dass sie verarbeiten, was sie um sich herum wahrnehmen.“ Alle Bilder sind auf braunen Karton geklebt. Sie habe sie bewusst nicht gerahmt, sagt die Oberhachingerin. „Ich wollte sie nicht künstlich aufblasen.“ 

Bürgermeister Stefan Schelle sagte bei der Eröffnung, die Ausstellung sei „etwas ganz Besonderes“. Er hoffe, dass viele Menschen „den Mut haben“, sich die Bilder anzuschauen. Die Ausstellung ist bis 1. April im Rathaus zu sehen.

hei

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