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Unverzichtbar sind Kunstrasen für die Sportvereine im Landkreis, wie hier beim FC Deisenhofen. Doch die Granulatkügelchen im Rasen sind eine Belastung für die Umwelt , wie eine aktuelle Studie aufzeigt. 

Kicken auf Plastikmüll

Umweltproblem Kunstrasen: Vereine und Kommunen denken über Alternativen nach

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Plastikgranulat zwischen den Kunstrasenfasern ist der drittgrößte Verursacher von Mikroplastik in Deutschland. Das hat eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts ergeben. Vereine und Kommunen im Landkreis denken jetzt über Alternativen nach. 

Landkreis– Kunstrasen: Für Sportler ist er ein Segen, denn sie können das ganze Jahr draußen trainieren. Für die Kommunen ist er ein Graus, kostet die Anschaffung doch schnell mal das Dreifache eines normalen Rasenplatzes. Und jetzt rückt auch noch der Umweltaspekt immer mehr in den Mittelpunkt. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik zeigt: Das Plastikgranulat zwischen den Kunstrasenfasern ist der drittgrößte Verursacher von Mikroplastik in Deutschland. 11 000 Tonnen gelangen durch Abnutzung in die Umwelt. Kleinstteile gelangen über das Grundwasser sogar in die Nahrungskette.

FC Deisenhofen überlegt, Granulat auszutauschen

Eine Erkenntnis, die den Vorsitzenden des FC Deisenhofen, Martin Schmid, aus allen Wolken fallen lässt. „Als wir unseren Platz 2010 eröffnet haben, haben wir uns bewusst für Recycling-Material aus der Gummi-Produktion entschieden“, erklärt er. „Damals haben wir gedacht, es sei gut für die Umwelt, weil es recycelt wurde. Keiner hat daran gedacht, dass es schädlich sein könnte.“

Weil sich der FCD vor Zulauf „nicht retten kann“ und so viele Mannschaften habe, könne man nicht auf den Kunstrasenplatz verzichten und brauche dringend einen zweiten. Tatsächlich trainieren oft vier oder mehr Jugendmannschaften gleichzeitig auf dem Kunstrasen. Deshalb denkt Schmid darüber nach, das Granulat auszutauschen, sollten sich die Studienergebnisse bestätigen. Schließlich plant der Verein den Platz selbst. Eine natürliche Alternative wäre Kork. Aber: „Ich habe gehört, Kork hält nicht so lange und sei pilzanfällig“, sagt Schmid. Man müsse auch schauen, was finanziell machbar sei.

Auch in anderen Kommunen wird derzeit noch über neue Kunstrasenplätze diskutiert. In Ottobrunn und Oberhaching wird über einen zweiten Platz beraten, in Sauerlach streiten die Politiker seit Jahren, wie ein erster finanziert werden könnte, in Taufkirchen am Postweg hat ihn der Gemeinderat Ende 2018 noch mehrheitlich abgelehnt – wegen des Umweltaspekts.

Das Granulat verteilt sich auch außerhalb der Sportplätze.

Manuel von Klaudy, Trainer des SV Lohhof, möchte die beiden Kunstrasenplätze im Unterschleißheimer Hans-Bayer-Stadion nicht missen. „Für uns ist das ideal: Wir können fast immer fußballspezifisch trainieren.“ Die nahezu ganzjährliche Nutzbarkeit ist der große Pluspunkt eines Kunstrasenplatzes. Vor allem deshalb setzen die Vereine im Landkreis auf die Plätze. Mancherorts, wie etwa in Unterschleißheim, gibt es mehrere, um den Bedarf zu decken.

Die Stadt hat sich bei den 2004 und 2018 errichteten Plätzen für ummanteltes Granulat entschieden. „Das ist aktuelle Empfehlung und der neueste Stand der Technik“, sagt Rathaussprecher Thomas Stockerl. Dennoch sei man anderen Granulatvarianten gegenüber aufgeschlossen. Der Umweltschutz sei der Stadt wichtig. Und auch Lohhofs Trainer Manuel von Klaudy sagt: „Wenn es eine Alternative gibt, würde ich zu 100 Prozent dahinterstehen.“

Ottobrunn plant Kunstrasen ohne Granulat

Die Gemeinde Ottobrunn setzte 2009 ebenfalls auf ummanteltes Granulat, „das Beste vom Besten“, wie es Werner Müller, Leiter der Bautechnik, ausdrückt. Ein zweiter Kunstrasenplatz am Haidgraben ist zudem bereits im Haushalt eingestellt – und könnte ohne Granulat auskommen. „Einer der Planer hat uns erklärt, dass ein Kunstrasen auch nur mit Quarzsand befüllt werden kann“, erklärt Müller. Bei diesen speziellen Plätzen werden zwei Halmschichten eng miteinander verwoben, so rutscht der Sand nicht durch. „Er hat in Augsburg schon mehrere solcher Plätze verwirklicht“, sagt Müller. Von einer Kork-Füllung rate der Planer dagegen ab.

Der TSV Ottobrunn muss also nicht um den geplanten zweiten Platz bangen. Und auch die anderen Vereine im Landkreis dürfen erst einmal weiter auf dem Allwetter-Untergrund kicken.

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