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Unter dieser Wiese liegen Gräber aus dem Mittelalter.

Bajuwarische Relikte neben dem Oberhachinger Friedhof

Mittelalter-Gräber verzögern Asylunterkunft

Oberhaching – Bajuwarische Gräber legen den Bau der Asylunterkunft kurzfristig auf Eis. Zumindest so lange, bis Archäologen sich das Denkmal näher angesehen haben.

Bajuwarische Gräber des frühen Mittelalters ruhen unter der Erde am Ende der Holzstraße in Oberhaching. Das ist seit den 1970er Jahren bekannt. Nun sollen aber genau dort Asylbewerber ein neues Zuhause finden. Die Gemeinde plant dort eine Unterkunft. Doch diese Pläne hat das Landesamt für Denkmalpflege auf Eis gelegt. Allerdings nur auf Zeit. 

Bevor gebaut wird, sollen Archäologen das Gebiet gründlich erforschen. Diese überraschende Neuigkeit verkündete Bürgermeister Stefan Schelle in der Gemeinderatssitzung. Geplant sind an der Holzstraße beim Wendehammer zwei Gebäude für 36 Asylbewerber. Das Grundstück neben dem Friedhof, das im Eigentum der Gemeinde ist, war ursprünglich als Erweiterungsfläche für den Friedhof vorgesehen gewesen. 

Die Flüchtlingswelle forderte Handlungsbedarf, die Kommune entschied sich, dort eine von vier dezentralen Unterkünften für Asylsuchende zu errichten. „Nun müssen aber erst einmal Grabungen gemacht werden, daher werden sich die Bauarbeiten um zwei bis drei Monate verzögern“, nannte Schelle Details. „Je nachdem, was die Archäologen dort finden.“

Es wurde vereinbart, „zunächst den Oberboden im Bereich der geplanten Erschließung abzutragen“, sagt Dorothee Ott vom Landesamt für Denkmalpflege auf Nachfrage. „Werden dabei Gräber aufgedeckt, so sind diese vollständig archäologisch zu dokumentieren. Dadurch gewinnen die Archäologen weitere Informationen über das Denkmal.“ 

Erst dann wird entschieden, „wie der Bau auf der vorgesehen Fläche errichtet werden kann und wie dabei mit dem Denkmal umzugehen ist“, sagt Ott und betont, dass die Gräber aus dem Mittelalter „das Bauvorhaben nicht verhindern“. 

Margit Markl (SPD) schlug grundsätzlich vor, die weiteren Unterkünfte am Äußeren Stockweg, an der S-Bahn-Station Furth und am Schulweg bei der Kirche St. Bartholomäus bereits jetzt um eine Einheit zu erweitern, um gerüstet zu sein, falls die Flüchtlingszahlen wieder steigen sollten. 

Isabell Trapp (CSU), Mitorganisatorin des Helferkreises, warb jedoch für kleinere Wohneinheiten, da dort die Integration der Asylsuchenden leichter ermöglicht werde und neue Kontakte zu den Nachbarn einfacher herzustellen seien, da die Anwohner bei kleineren Gruppen Asylsuchender oftmals nicht so starke Scheu haben. Markl betonte, dass ihr Anliegen darin bestehe, die Menschen, „die wir unterbringen müssen, auch ordentlich unterzubringen“. 

Und Anja Wille (CSU) erinnerte daran, dass „der Gemeinderat sich bewusst gegen größere Unterkünfte entschieden hat und dabei auch bleiben sollte“. Bürgermeister Schelle schlug letztlich vor, die Entscheidung auf die nächste Sitzung zu vertagen, um abzuwarten, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln. „Im Augenblick geht die Diskussion ins Leere, da man die Zahlen nicht abschätzen kann.“ Die Gemeinderatsmitglieder folgten diesem Ansinnen. 

Eine weitere Neuigkeit zum Thema Asyl hatte der Bürgermeister parat: Er berichtete, dass die Traglufthalle abgebaut wird. Die Genehmigung läuft nur noch bis zum 31. August, danach verschwindet die Halle. Die derzeitigen Bewohner sollen dann feste Unterkünfte beziehen können.

nine/dv

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