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Die Bauarbeiten an der Münchner Straße dauern länger.

Münchner Straße in Oberhaching

Erdschätze verzögern Bauarbeiten

Knochennadel, Bronzemünze und mehr: Wegen archäologischer Funde bleibt die Münchner Straße länger gesperrt. Die Bodenschätze liefern spannende Erkenntnisse.

Oberhaching – Zwei Wochen länger als ursprünglich geplant werden die Bauarbeiten an der Münchner Straße in Oberhaching wohl dauern. Eigentlich sollte die Straße pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres Mitte September wieder geöffnet werden. Doch im Untergrund verbergen sich zahlreiche archäologische Funde, die nun ausgegraben und begutachtet werden müssen.

Bereits im Sommer 2016 wurden an der Kreuzung zur Holzstraße vor Jacques Weindepot Reste eines historischen Gebäudes in Fachwerktechnik gefunden. Besonders beeindruckend: Sogar der Hauseingang ist noch erkennbar. In diesem Bereich wurden außerdem zwei Grubenhäuser gefunden, die vorwiegend für handwerkliche Tätigkeiten in der damaligen Siedlung genutzt wurden. Aus ihnen wurde neben Keramik, so genannter Siedlungsabfall, auch eine Knochennadel zur Herstellung von Textilien herausgeholt. Die Funde stammen zum Teil aus der Spätantike und der Völkerwanderungszeit im fünften bis sechsten. Jahrhundert nach Christus sowie aus der Karolingerzeit (achtes bis neuntes Jahrhundert nach Christus).

Bereits in den 1950er Jahren entdeckte man unterhalb der heutigen Tankstelle in der Nähe des Hachinger Bachs ein antikes Gräberfeld. Die Ausrichtung der Gebeine der Toten weist darauf hin, dass es einen Bezug zu dem Gebäude geben könnte, das nun im Zuge der Straßensanierung entdeckt wurde. „Würden die Toten aufstehen, wäre ihre Blickrichtung direkt auf das Haus“, erklärt Archäologe Michael Jandejsek von der Grabungsfirma Reve, die im Auftrag des Bayerischen Denkmalamtes und in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Straßenbauamt die Grabungen durchführt.

Zudem hat man in den 1970er Jahren ein weiteres Gräberfeld im oberen Bereich der Holzstraße gefunden. „Vermutlich stammen die Toten beider Gräberfelder aus der Siedlung“, sagt Jandejsek. Es könnte sein, dass an diesem Platz eine Furt über den Bach lief und sich deshalb Menschen dort ansiedelten. Der noch bestehende Name Furth weist ebenfalls darauf hin.

Bei den laufenden Bauarbeiten, die von der Tankstelle bis zur Kreuzung Lanzenhaarer Straße gehen, gab es weitere Funde: Überreste von Gebäuden und Grubenhäusern, die sich bis zum Kirchplatz hinziehen. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich die Siedlung im Lauf der Jahrhunderte langsam nach Südwesten zur Kirche St. Stephan hin verschoben hat, die ein wichtiges Seelsorgezentrum im Frühmittelalter im Hachinger Tal war. Außerdem wurde eine gut erhaltene römische Bronzemünze entdeckt, die 306 nach Christus geprägt wurde. Deren Zuordnung ist noch unklar.

Die Sanierung der Münchner Straße bietet somit eine Gelegenheit, die Geschichte Oberhachings genauer zu beleuchten „Natürlich versuchen wir unsere Arbeiten bestmöglich mit den Bauarbeiten zu takten, um diese nicht zusätzlich zu behindern“, betont Jandejsek. Die Tiefbaumaßnahmen von der Tankstelle bis zur Kreuzung Kirchplatz sind abgeschlossen, bald soll der Asphalt aufgetragen werden. Im Anschluss daran wird der Kreuzungsbereich bis zur Lanzenhaarer Straße abgefräst und die alte Kiesschicht ausgebaut. Anschließend gräbt sich der Bagger vorsichtig Schicht für Schicht in die Tiefe.

„Es ist zwar ein kurzes Stück, doch wir wissen natürlich nicht, was sich dort im Untergrund findet“, sagt Stephan Leipnitz vom Staatlichen Straßenbauamt. Finden sich keine weiteren Spuren aus Oberhachings Geschichte, „sieht es so aus, dass die Straße Ende September fertiggestellt sein wird“.

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