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Handschuhe an und los geht´s: Das Wetter muss schon richtig schlecht sein, damit Anneliese Schwink zuhause bleibt. Am Bahnhof Deisenhofen startet sie ihre Touren,

Rüstige Seniorin

Auf Wandertour mit dem Rollator: Diese Oberhachingerin (84) hat die besten Routen entdeckt

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Jeden Tag macht sich die 84-jährige Anneliese Schwink von ihrem Zuhause in der Seniorenresidenz Deisenhofen mit ihrem Rollator auf den Weg durch den Ort. Inzwischen hat sie feste Touren herausgefunden und will jetzt anderen Senioren Lust auf Rollator-Wanderungen machen.

Oberhaching – Zwei Grad über Null schrecken Anneliese Schwink nicht ab. Handschuhe an, Mütze auf, Handbremse lösen und los geht‘s. Jeden Tag macht sich die 84-Jährige von ihrem Zuhause in der Seniorenresidenz mit ihrem Rollator auf den Weg durch den Ort. Mal geht es entlang der Bahnlinie, mal durch kleine Seitenstraßen, mal bis auf die andere Seite des Gleißentals. Die Hände fest an den Griffen, ist sie mit flottem Schritt unterwegs. „Da muss es schon ordentlich schütten, dass ich lieber zuhause bleibe“, sagt sie und lächelt.

Die neue Heimat nach und nach erlaufen

Seit vier Jahren lebt sie in Oberhaching. In dieser Zeit hat sie sich ihre neue Heimat mithilfe ihres vierrädrigen Gefährts nach und nach erlaufen. Vor der Haustür links rum, nächste Mal rechts rum und mit Hilfe des Ortsplans fand sie immer zurück. Mittlerweile kennt sie die schönsten Strecken durch den Ort, weiß, von wo man bei Föhn am besten die Alpen sehen kann und welche Holperfallen man besser umfährt.

Angst nehmen, irgendwo an einer Schwelle zu scheitern

Ihr Wissen teilt sie jetzt auch. Nach und nach hat sie ihre Touren dokumentiert, in den Ortsplan eingezeichnet und kleine Texte dazu geschrieben über die jeweilige Tour. Damit wandte sie sich an die Gemeinde. Ob man das nicht brauchen und irgendwie nutzen möchte, um anderen Senioren Lust auf Rollator-Wanderungen zu machen. Und ihnen durch die Tourenvorschläge die Angst zu nehmen, irgendwo an einer Stufe oder Schwelle zu scheitern. Tolle Idee, dachte man bei der Gemeinde. Die erste Tour erschien gleich im Gemeindeblättchen. Ab Januar sind dann Anneliese Schwinks Tourentipps auf der Homepage der Gemeinde (www.oberhaching.de) zu finden.

Ein bewegtes Leben

„Oberhaching ist schon besonders schön, ich bin ganz hingerissen“, schwärmt die Rollator-Lenkerin während sie an der Wiese am Wasserturm in Deisenhofen entlangrollert. Vorne im Körbchen immer mit dabei: Eine Flasche Wasser und ein paar Kekse. Sicher ist sicher. Wer hätte das gedacht, dass sie mal hier landet. Zur Welt kam sie in Berlin. Verbrachte dann mit ihrer Mutter, dem kleinen Bruder und der Großmutter ihre Kindheit, die vom Zweiten Weltkrieg geprägt war, vorwiegend in kleinen Dörfern. 1949 zog die Familie nach München, da war Anneliese Schwink 14 Jahre alt. Ein altes Physikbuch hatte den Krieg überstanden. In dem blätterte das Mädchen immer begeistert. „Ganz hinten drin standen Aufgaben, die ich lösen wollte“, erinnert sich die 84-Jährige. „Aber ich hab‘s nicht geschafft.“ Vermutlich hat sie das so sehr gewurmt, dass sie später Physik studierte. Danach arbeitete sie bei den Medizinern an der Universität, untersuchte mit dem Elektronenmikroskop Gewebeteile. Beim Studium lernte sie auch ihren Mann kennen, mit dem sie dann fast ein halbes Jahrhundert in Braunschweig lebte. Spazieren ging sie auch da schon gerne. Bis heute ist es eine willkommene Ablenkung, „etwa wenn ich über Schreibkram sitze und keine Lust mehr habe.“ Dann muss sie einfach kurz raus. An der frischen Luft eine Runde drehen.

Die Neugier aufs Leben blieb immer lebendig

Als der Mann älter wurde und der Alltag beschwerlicher, zog das Ehepaar in den Süden. Anneliese Schwinks Bruder hatte schon vor vielen Jahren nach Unterhaching geheiratet und empfahl Schwester und Schwager die Seniorenresidenz in Deisenhofen. Ihr Mann ist mittlerweile gestorben. Anneliese Schwinks Neugier aufs Leben blieb dennoch lebendig. Sie liebt es durch die Straßen zu laufen, sich Häuser und Gärten genau anzuschauen, zu beobachten, wie Baustellen den Ort verändern. Baugeschichte hat sie schon immer interessiert. Der ein oder andere hat die kleine Dame mit dem entschlossenen Blick schon öfters getroffen und grüßt freundlich im Vorbeigehen.

Lieblingsrunde durchs Gleißental

Am liebsten mag sie die Runde durchs Gleißental. Fast eine Stunde ist sie da unterwegs, entlang der Bahnlinie, dann hinunter ins Gleißental, bis in die Hahilingastraße und über die Pfarrer-Socher-Straße wieder zurück. Eine gute Stunde braucht sie dafür. Andere ihrer Touren führen in die Büchl-Siedlung, zur Kugleralm und ins Gewerbegebiet. Fast zwei Stunden dauert die Längste.

In den kleinen Seitenstraßen nimmt sie gerne mal die Fahrbahn statt des Bürgersteigs. „Die Fahrbahnen für die Autos sind meist viel schöner und glatter als die Gehwege“, sagt Anneliese Schwink. Das Kopfsteinpflaster vielerorts – eine Zumutung mit Rollator. Auch Engstellen gibt es einige, gerade wenn die Autos schlecht parken. Beschweren mag sie sich darüber nicht. „Es gibt auch so viel Schönes hier.“ Wie zum Beispiel der Weg entlang der Klarer Wiese, hinunter zum Hahchiner Bach, mit Blick auf die Kirche St.Stephan. Die Bank, die dort am Wegesrand steht, die hat Anneliese Schwink gestiftet. Da sitzt sie gerne, schaut ins Grüne, beobachtet die vorbeikommenden Menschen und Hunde. „Ich bin angekommen hier in Oberhaching.“

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