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Lange noch nicht Schicht im Schacht: Bis September dauern die Sanierungsarbeiten an der Münchner Straße. Die Bauarbeiter sind fleißig bei der Sache.

Baustelle auf der Münchner Straße

Spaziergang durch Lärm und Staub

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Die Pendler, Anwohner und Gewerbetreibenden sind leidgeprüft: Bereits im dritten Jahr werden an der Münchner Straße zwischen Holz- und Lanzenhaarer Straße in Oberhaching umfangreiche Straßenarbeiten durchgeführt.

Oberhaching Die Durchgangsstraße gleicht einem frei gelegten Flussbett. Bagger und Kipplaster sind am Werk. Durch den vielen Regen haben sich tiefe Schlaglöcher eingegraben. Im Moment sind die Baufirmen damit beschäftigt, Rigolen in der ausgehobenen Kiesgrube zu versenken – das sind Pufferspeicher, die unter die Erde kommen, um Regenwasser aufzunehmen. Mitte September sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, wenn nichts dazwischenkommt. Die Gewerbetreibenden sind zum Großteil nicht begeistert, sind aber mittlerweile erfahren im Umgang mit der größten Baustelle, die die Münchner Straße je erlebt hat.

Geschäfte sind nicht alle erreichbar

Steinmetzin Eva Piehlmaier bearbeitet gerade auf dem Friedhof nebenan einen Grabstein. Hier unterm provisorisch aufgespannten Sonnenschirm herrscht Stille. Die Tochter von Steinmetz Helmut Schlegel fühlt sich von der Gemeinde Oberhaching mehr oder weniger im Stich gelassen. Diese habe zwar vor Beginn der Bauarbeiten versprochen, dass alle Geschäfte erreichbar sind. Die Realität sehe jedoch anders aus. Zwar sind Schilder vor der Baustelle an der Holzstraße angebracht. „Es steht aber nicht dabei, von welcher Seite die Geschäfte wie erreicht werden können“, sagt Eva Piehlmaier. „Die Leute überlegen nicht lange und fahren zur Konkurrenz.“ Immerhin, die die Absprache mit den Baufirmen funktioniert gut. „Die sagen rechtzeitig Bescheid.“ Gerade eben haben sie ein Loch direkt vor unserer Einfahrt aufgemacht. Im Moment kann kein Material geliefert werden, weil größere Lkw-Ladungen nicht bis zum Atelier kommen. Wäre im Prinzip Stillstand, wenn nicht einige Kunden hinter dem Friedhof parken und ihn der Länge nach durchqueren würden, um extra beim Familienbetrieb anzuklopfen.

In der Stille des Friedhofs: Steinmetzin Eva Piehlmaier bearbeitet einen Grabstein. Sie liebt die Ruhe.

Die Verkehrssituation hält die Steinmetzin für angespannt. Übers Wochenende stellen die Bauarbeiter einen großen Bagger mit Schild hinein. „Sonst würden einige Autofahrer ohne Rücksicht auf Verluste durchbrettern.“ Eva Piehlmaier geht davon aus, dass der Durchfahrtsverkehr nach der Sanierung zum Problem wird, wenn die Fahrbahn verengt wird und das Parken zu beiden Seiten nicht mehr möglich ist: „Von der Tankstellen bis zur Kreuzung an der Grundschule können sie dann durchstechen. Das kann gefährlich werden, hier wohnen viele Kinder.“

Kleidungsgeschäft ist zusammengebrochen

Fräsen, Schleifen, Baggerarbeiten: Für Ladenbetreiberin Tanja Clemens ist die Situation besonders schwierig. Ihre Second-Hand-Boutique befindet sich ziemlich genau in der Mitte der Baustelle. Sie betreibt seit über 20 Jahren ein Geschäft in Oberhaching, zunächst fünf Jahre in Deisenhofen, 15 Jahre an der Münchner Straße. Zu allem Überfluss ist ihr Vertrag gekündigt worden, im nächsten Jahr muss sie sich einen neuen Standort suchen. Das Kleidungsgeschäft ist mit Beginn der Bauarbeiten komplett zusammengebrochen, weil niemand ohne Auto, stattdessen nach einem Spaziergang durch Lärm und Staub eine Boutique aufsucht.

Freude über schönere Straße überwiegt

Jürgen Preisinger hat da mehr Glück. Seine Bike-Station und die Friseurladen seiner Frau sind kaum tangiert: „Wir haben viel überörtliche Kundschaft, die nach Terminrücksprache kommt und auf unseren Parkplätzen vor dem Laden leicht einen Parkplatz findet. Auch die Emissionen findet der Radexperte kaum der Rede wert. „Der Baulärm ist weniger stark als die 13 000 Autos, die hier sonst am Tag entlangfahren.“

Mittagsruhe: Jürgen Preisinger und seine Bike-Station werden von der Sanierung kaum tangiert.

Jürgen Preisinger wohnt gemeinsam mit seiner Frau Frau Susanne über dem Laden und erlebt die Baustelle auch als Anwohner. Für ihn überwiegt die Freude darüber, „dass die neue Straße viel schöner wird als vorher mit schöner Pflasterung Flüsterasphalt und Fahrradwegen“. Das Haus, in dem das Ehepaar wohnt, steht seit 1934, und hat viel mitgemacht. Der Fahrradladen ist noch im originalen Zustand, zumindest die Mauern im Erdgeschoss. 2008 hat die Familie kräftig gebaut, den ersten Stock selbst entkernt und ein Stockwerk oben drauf gesetzt. Und damals mitten in der Baustelle gewohnt. Die Preisingers sind also bereits abgehärtet.

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