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Unter Wert verkauft? – Der geplante Standort für den Oberhachinger Schulcampus am S-Bahnhof Deisenhofen ist Anton Sewald (r.) ein Dorn im Auge. Er findet: Dafür ist das Gelände ungeeignet und zu schade.

Bürgerbegehren: Oberhachinger wollen Schulcampus stoppen

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Dass Realschule und Fachoberschule (FOS) auf dem Gelände westlich vom S-Bahnhof Deisenhofen entstehen sollen, ist beschlossene Sache. Einstimmig hat der Gemeinderat den Standort abgesegnet. Doch jetzt regt sich Widerstand von Bürgerseite gegen das Millionen-Projekt.

OberhachingIn etwa fünf Jahren soll der neue Schulcampus für rund 1500 Schüler fertig sein. Bedenken gegen das Schulzentrum in der Ortsmitte hat der Oberhachinger Anton Sewald (65): „Das ist Irrsinn,“ sagt der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Sewald und seine Mitstreiter wollen Unterschriften gegen das Projekt sammeln.

Die Haltestelle Deisenhofen ist längst ein Verkehrsknotenpunkt. Ein Schulcampus wird weit mehr Autos, Radfahrer und Fußgänger anziehen. „1500 Schüler, plus Lehrer und Servicepersonal werden morgens in einem Zeitfenster von einer knappen Stunde erscheinen“, beschreibt Sewald das Szenario. Die Sauerlacher Straße sei jetzt schon heillos überlastet. „Jeder versucht, Verkehr aus den Ortschaften herauszuhalten, nur wir wollen anscheinend zusätzlich Verkehr hereinholen.“

Sind gegen den Schulcampus: Anton Sewald (r.) und Willi Schneider am vollen S-Bahn-Parkplatz in Deisenhofen.

Seit zwei Jahren verspreche der Bürgermeister eine Bürgerinformation, passiert sei aber nichts. Von Bürgerbeteiligung keine Spur. „Das Thema berührt viele“, sagt Sewald, der in der Waldstraße wohnt und von den Auswirkungen betroffen wäre. Nun strengt er ein Bürgerbegehren an.

Steht die Sauerlacher Straße vor dem Kollaps?

Sewald ist überzeugt: Auf der engen Sauerlacher Straße werde der Verkehr auch nach ihrem Ausbau nicht fließen: „Die beiden Bahnschranken sind ja öfter geschlossen als offen.“ Selbst wenn viele Schüler per Bahn zur Schule kämen, entstehe ein hoher Verkehrsdruck. Deisenhofen ist nicht nur ein Haltepunkt der S3 München-Holzkirchen – in Stoßzeiten sogar im 10-Minuten-Takt –, sondern auch auf der Meridian-Strecke München-Holzkirchen-Rosenheim. Besonders attraktiv wird der Bahnhof mit der MVV-Tarifreform im Dezember. Dann rückt Deisenhofen in die M-Zone und die MVV-Zeitkarten werden um 39 Prozent erheblich günstiger. Das wird Pendler aus Gemeinden wie Sauerlach, Dietramszell und Egling anlocken. Für sie wollen Landkreis und Gemeinde Ringbuslinien einrichten. „Zudem soll hier der Radschnellweg durchgehen und schon jetzt sind auch viele Grundschüler unterwegs“, sagt Sewald. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater plädiert für einen anderen Standort: „Der Schulcampus gehört nach Furth.“

„Das ist Vermögensverschwendung“

Dafür sprächen auch finanzielle Gründe: „2016 lag der Bodenrichtwert für einen Quadratmeter Bauland in Deisenhofen bei 1550 Euro, in Furth würde ein Quadratmeter nur 500 Euro kosten.“ Dass die Gemeinde Schulen und Sportplätze auf so wertvollem Grund errichten lässt, rügt Sewald: „Das ist Vermögensverschwendung.“

„Salami-Taktik“ lautet ein Vorwurf an den Bürgermeister. Denn zusätzlich zum Schulcampus soll südwestlich davon Wohnbebauung entstehen, was zusätzlichen Verkehr bedeuten dürfte.

Bei der FOS ist der Landkreis Bauherr und für Grunderwerb, Bau und Unterhalt zuständig. „Legt man ein Grundstück von 15 000 Quadratmetern zugrunde, wäre das Grundstück 23 Millionen Euro wert.“ Sewald hat den Haushalt und Finanzplan des Landkreises studiert und festgestellt: „Der Landkreis hat nur acht Millionen für den Grundstückskauf eingeplant.“ Er fragt sich: „Will die Gemeinde unter Wert verkaufen? Haben wir 15 Millionen zu verschenken?“ Schließlich steuere Oberhaching bis Ende 2019 auf eine Verschuldung in Höhe von 120 Millionen Euro zu.

Baukörper unpassend für das Areal?

Auch städtebaulich hält er die Schulbauten in Deisenhofen für einen Fehler: „Ein Baukörper mit fünf Geschossen ist für Schulen aus Umwelt- und Kostengründen sinnvoll, passt aber gar nicht auf dieses Areal.“

Sewald forderte die Mitglieder des Gemeinderats schon im Juni in einem Brief auf, die „fatalen Fehlentscheidungen“ zu überdenken. Ohne Erfolg. Die Beschlüsse fielen einstimmig. „Der Gemeinderat hat den Brief stumm hingenommen. Da gibt es ja in der russischen Duma mehr Meinungsvielfalt als in Oberhaching“, sagt der 65-Jährige enttäuscht. Jetzt will er eine Webseite einrichten und mit Gleichgesinnten Unterschriften sammeln. Ihr Ziel: „Die Beschlüsse müssen ausgesetzt werden.“

Verkehrslage auf dem Prüfstand

Der Gemeinderat hat ein Verkehrsgutachten erstellen lassen. Die Analyse von Intraplan sagt voraus, dass es am Bahnhof mehr Verkehr geben wird, wenn der Schulcampus in Betrieb ist (etwa 1000 Autofahrten). Dass aber mit einem dicht bebauten Wohngebiet doppelt so viele zusätzliche Autos zu erwarten wären (2000 Autofahrten). Allerdings sei in der Verkehrsstudie nicht berücksichtigt, dass auch südwestlich des Campus eine Wohnbebauung vorgesehen ist. Das kritisiert Sewald, der eine „Salami-Taktik“ von Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) ausgemacht hat.

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