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Das Haus der Familie Schelle mit dem Kramerladen direkt am Kirchplatz.

Nachruf

Kramer, Mesner, Menschenfreund: Oberhaching nimmt Abschied von Magnus Schelle

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Magnus Schelle stand in mehrerlei Hinsicht im Mittelpunkt des Oberhachinger Gemeindelebens. Nun ist er mit 86 Jahren gestorben.

Als Kramer und zuverlässiger Mesner war Magnus Schelle in Oberhaching bekannt.

Oberhaching– Wenn für den Kuchen die Butter nicht mehr gereicht hat, der Knopf von der Hose verschwunden war oder schnell ein neues Heft für den Matheunterricht her musste, dann konnte man früher in Oberhaching einfach schnell bei Magnus Schelle vorbeischauen. Im Laden vom Schelle-Kramer und seiner Frau am Kirchplatz gab es einfach alles, was man so brauchte für den täglichen und auch nicht so alltäglichen Bedarf. Und das, obwohl der Laden gerade mal 28 Quadratmeter groß war. „Heute fahren die Leute zu den Geschäften mit mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche, früher haben sie alles bei meinen Eltern gekriegt“, erzählt die Tochter, Kathrin Wagner.

Mitte des Monats hat sie zusammen mit ihrer Schwester und einem großen Kreis aus Verwandten, Freunden und Wegbegleitern ihren Vater beerdigt. Er war im Alter von 86 Jahren gestorben.

„Eine Seele von einem Menschen“

Viele im Ort erinnern sich noch an den netten Geschäftsmann, eine „Seele von einem Menschen“, hört man. „Er war niemandem böse und ihm konnte auch keiner böse sein“, sagt seine Tochter. Übernommen hatte Schelle seinen Kramerladen von den Eltern, die ihn einst aufgebaut hatten, an der Stelle, wo jetzt unter anderem der Fahrradladen untergekommen ist.

In dem Haus, das dort zuvor gestanden war, war Magnus Schelle auch zur Welt gekommen. Weit weg kam er von Oberhaching nie. An Urlaub war neben dem Laden und seinem Kirchendienst als Mesner nicht zu denken. „Unsere Familienzeit war Sonntagmittag bis Sonntag 17 Uhr, da musste der Papa wieder die Kirche zusperren“, sagt Kathrin Wagner. Sie und ihre Schwester wuchsen in den Laden der Eltern hinein und es war von Anfang an klar, dass sie mithalfen. „Wenn uns nicht Kunden mit ihren Kindern zusammen zum Schwimmen mitgenommen hätten, hätten wir es wohl nie gelernt“, erinnert sich die Kramerstochter. Trotzdem hätten sie eine schöne Kindheit verbracht.

Manchmal strich er den Kunden die Schulden

Mit einem recht kommunikativen – und vor allem großzügigen – Vater. Lange Zeit gab es im Laden über der Kasse den Anschreibezettel, wenn ein Kunde nicht das nötige Geld dabei hatte. Bezahlte er dann, wurde durchgestrichen. War der Zettel voll und ein neuer musste her, wurde der alte abgerissen und weggeworfen, Auch wenn einiges bis dahin noch nicht durchgestrichen war. „Die werden‘s scho braucht ham“, war dann oft der Kommentar des Kramers.

War er nicht im Geschäft, traf man Magnus Schelle vor allem in der Kirche. Mit gerade mal sechs Jahren unterstützte er schon den Hilfsgeistlichen und späteren Pfarrer Karl Hobmaier bei der Messe. Die festliche Atmosphäre in der Kirche hatte es ihm angetan und auch die Tatsache, dass er so mit seinen Freunden beisammen sein konnte, die alle Ministranten waren. Später übernahm er von seinem Vater, als dieser 1961 starb, das Amt des Mesners. Vor allem anfangs beanspruchte es jede Menge Zeit: Morgens um fünf Uhr musste er schon die Glocken zum Gebet läuten. Automatisiert wurde das erst im Lauf der 70er-Jahre. Bei allen Messen und kirchlichen Anlässen von der Taufe bis zur Beerdigung war er immer dabei – deswegen kannten ihn auch so viele Leute. Für die Pfarrer war er eine Stütze. Kathrin Wagner erinnert sich daran, als ihr Vater ins Krankenhaus musste, weil er am Knie operiert wurde. Da habe der Pfarrer bang gefragt, wer ihn nun bei den Beerdigungen zum Friedhof begleite. „Mein Papa hat gesagt: Da stirbt scho koana, die warten alle bis i wieda kimm‘ – und genauso war‘s dann auch.“

FC-Bayern-Fan der ersten Stunde

Zehn Pfarrer und acht Kapläne begleitete Magnus Schelle von seinen ersten Tagen als Messdiener bis zu seinem Ausscheiden als Mesner. Zudem engagierte er sich in der Kirchenverwaltung und im Pfarrgemeinderat. Zeit für Hobbys blieb kaum. Er war zwar in fast allen Vereinen – „aber nur förderndes Mitglied“. Er habe die Vereine im Ort unterstützten wollen, aber Zeit für mehr sei nicht gewesen. Auch Mitglied im FC Bayern war er. „Ein Fan der ersten Stunde, in einer Zeit, als alle noch Löwen-Fans waren“, sagt Kathrin Wagner. „Das Wochenende war für meinen Vater gut, wenn der FC Bayern gewonnen hat, der Pfarrer eine gute Messe hatte und es nachmittags Kaffee und Kuchen gab.“

Lesen Sie auch: Der Alles-Laden von Oberhaching: Der „Ziegler“ stemmt sich gegen das Ladensterben

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