Haben ihr Herz an die Gondeln verloren: Alexander von Khuon und seine Frau Patricia von Haxthausen gestalten ausrangierte Seilbahnkabinen liebevoll um. 
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Haben ihr Herz an die Gondeln verloren: Alexander von Khuon und seine Frau Patricia von Haxthausen gestalten ausrangierte Seilbahnkabinen liebevoll um. 

aus alt macht neu

Willkommen im Gondel-Paradies: Oberhachinger kauft ausrangierte Seilbahnkabinen

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Eine Imbissbude, ein Gewächshaus, eine Raucher-Kabine oder ein Besprechungsraum. Alexander von Khuon aus Oberhaching kauft ausrangierte Gondeln und wertet sie wieder auf. Vor rund drei Jahren hat er sein außergewöhnliches Hobby zum Beruf gemacht.

Oberhaching – Verkratze Skiständer, gelbe Schwingtüren, enge Alusitzbänke, mit blauer Folie überzogene Fenster. Die Kreischberg-Gondel vermittelt Berggefühl pur. Doch statt über die Baumwipfel des Wintersportgebiets in der Steiermark zu schweben, steht die gelbe Vier-Mann-Kabine in einem Vorgarten in Oberhaching. „Da konnte ich gleich das ganze Skigebiet kaufen“, sagt Alexander von Khuon und klopft auf das Dach der Gondel. Nachdem die Anlage nach rund 30 Jahren ausgetauscht werden musste, nahm der 50-Jährige gleich 120 Stück der alten Kabinen mit nach Oberbayern. Zusammen mit seiner Frau Patricia von Haxthausen (55) hat sich es der gelernte Automobilkaufmann zur Aufgabe gemacht, ausgemusterte Seilbahnkabinen zu kaufen, umzugestalten und über den ganzen Kontinent weiterzuvermitteln.

Die Idee, die erste Gondel zu kaufen, kam von Haxthausen vor fünf Jahren während der Sanierung ihres über 120 Jahre alten Hauses. „Üblicherweise geht man zum Rauchen raus, doch bei uns hat mein Mann immer noch drinnen geraucht“, sagt sie. Ein Unding seit dem Umbau. In den sozialen Netzwerken hat die 55-Jährige damals eine mit Kuhfell überzogene Gondel gesehen, die in einem Garten als Sitzgelegenheit stand. Sofort stand fest: Der neue Raucherplatz. „Es war gar nicht so einfach, so ein Ding zu finden“, sagt von Khuon. Zwei Tage hat er gesucht, bis er schließlich in Bludenz in Österreich fündig wurde. Mit dem Rauchen hat Alexander von Khuon mittlerweile aufgehört, an die Gondeln hat er jedoch sein Herz verloren.

Gondeln aus Oberhaching: 1000 verkaufte Exemplare

Vor dem imposanten Haus aus dem frühen 20. Jahrhundert reiht sich eine Seilbahnkabine neben der anderen auf. Von modernen Sechser-Gondeln aus Titlis in der Schweiz über Bergwachtkabinen mit einer integrierten Trage bis zu altmodischen Gondeln aus den 50er Jahren mit echten Glasscheiben. Der Garten des Paares dient schon lange nicht mehr nur zur Erholung, sondern ist über die Jahre zum Ausstellungsort geworden. Mit der Zeit wurden aus einer Raucher-Kabine im eigenen Garten 1000 verkaufte Exemplare. Tendenz wachsend.

Im Garten reiht sich eine Gondel an die nächste. Sie alle werden nach den Wünschen der Kunden umgestaltet.

Alexander von Khuon und Patricia von Haxthausen vermarkten unter dem Namen „Gondel 24“ nicht nur ausrangierte Stücke, sie lassen die Gondeln auch herrichten und umbauen. „Es gibt eine Low-Budget- und eine Exclusiv-Variante“, sagt von Haxthausen und steigt in eine silberne Kabine ein. Krokoledersitze, ein Tisch aus Eiche, Lichtspots an der Decke und eine Steckdose mit USB-Anschluss – rund 8000 Euro kostet das Luxus-Modell. Den Kunden ist es das wert. „Die Gondel kann sich zwar nicht bewegen“, sagt von Khuon. „Doch nur wenn man sie anschaut, bekommt man schon ein Urlaubsgefühl.“

Seilbahngondeln als Ort der Erinnerung

Viele Käufer verbinden mit der ausgemusterten Kabine auch ein besondere Geschichte. „Auf dem Berg war ich in der Jugend immer Skifahren, hier hat sich mein Sohn das Bein gebrochen, in dieser Gondel hatte ich meinen ersten Kuss“, Sätze wie diese hört das Paar oft. Viele Seilbahnkabinen stehen als Ort der Entspannung im Garten der Kunden – die aus Aspen, Russland, Kitzbühl oder Oberhaching kommen. Doch auch als Imbissbude am Viktualienmarkt, als Hingucker am Münchner Flughafen, als Besprechungsraum bei einer großen Firma und als Gewächshaus werden die Gondeln genutzt.

Gemütlich: Mit Schaf-Fell und Kissen wird diese Zweisitzer-Kabine zu einer kuschligen Sitzgelegenheit. 

Ganz besonders stolz sind Alexander von Khuon und Patricia von Haxthausen darauf, dass eine ihrer Seilbahnkabinen bald auf Netflix, eine Streaming-Plattform, zu sehen ist – und zwar als Schauplatz eines Mordes. Die Krimi-Serie mit Drehorten in Kitzbühl und Berchtesgaden soll im kommenden Herbst erscheinen.

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