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Dichtgemacht hat das Further Bad über den Winter. Doch auch die Badesaison 2020 könnte hinter halbverschlossenen Türen stattfinden. Hinter den Kulissen gibt es Ärger. Und findet sich kein neuer Bademeister, bleibt dem Verein wohl nichts anderes übrig, als den Zutritt auf die Mitglieder des „Freunde des Further Bad e.V.“ zu beschränken.

„Kein Miteinander mehr“

Krise im Further Bad: Saisonbetrieb noch nicht gesichert - Bademeister und Vorstände hören auf

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Krisenstimmung herrscht derzeit hinter den Kulissen des Vereins „Freunde des Further Bads“. Dem Naturbad in Oberhaching ist der Vorstand auseinandergebrochen. Weil jetzt auch noch der Bademeister geht, gibt es vor der Sommersaison nocheinige Fragezeichen.

Oberhaching– Trotz des fast frühlingshaften Sonnenscheins wäre es derzeit im Further Bad bei Oberhaching viel zu kalt zum Schwimmen. Und frostig ist nicht nur das Wasser, sondern auch die Stimmung um das beliebte Freibad. Denn über den Winter sind dem Bad reihenweise wichtige Helfer weggebrochen. Den Anfang machte die Vereinsvorsitzende Martina Kern selbst, als sie beim Sonnwendfeuer Ende 2019 offiziell ihren sofortigen Rücktritt verkündete. Anschließend bestätigte auch Schriftführerin Hille Rudnitzki, dass sie sich bei der Mitgliederversammlung im März nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird.

Und dann auch noch das: Chefbademeister Heinz Effenberger steht nicht mehr zur Verfügung. Auf Jobportalen im Internet sucht der Verein derzeit nach einer neuen Badeaufsicht. Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) bestätigt den Weggang. Effenberger selbst sagt dazu nicht viel, nur einen, merklich wohlüberlegten Satz zu seinem Rückzug: „Eine Badführung kann ich mir unter den derzeitigen Umständen ohne Martina Kern, mit der ich all die Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, nicht vorstellen.“

Für den Badbetrieb dürfte gerade diese Personalie Konsequenzen haben. Effenberger gilt als Tausendsassa, kümmert sich um mehr, als er wohl müsste: Als Zerkarien die Gäste im vergangenen Sommer wieder mal mit roten Pusteln plagten, klaubte er fast täglich stundenlang die verantwortlichen Schnecken zusammen; er improvisierte immer wieder Reparaturen, um den Betrieb am Laufen zu halten. Viele sagen: Ohne Heinz Effenberger geht es nicht.

Zutritt nur mehr für Mitglieder?

„Ich hänge an dem Bad und bin dankbar für die Jahre, die ich mit einem tollen Team und treuen Badgästen erleben durfte“, sagt der 62-Jährige. Und deutet an, nicht zuletzt mit Blick auf seine nahende Rente, dass es kein Abschied für immer sein müsse. Doch jetzt ist er weg. Und ohne jemanden, der sich um Wartung und Aufsicht kümmert, ist ein öffentlicher Betrieb des Further Naturbads rechtlich zu riskant – und damit keine Option. Das bestätigt Bürgermeister Schelle. Ohne Bademeister, die auf dem Arbeitsmarkt rar sind, dürften wohl nur volljährige Mitglieder des „Freunde Further Bad“ hinein, Kinder und Jugendliche nur mit den Eltern.

„Positiv denken“ – diese Devise gibt hingegen Susann Kosmalla aus. Die ehemalige Vize- und nun Interimsvorsitzende sagt, es gebe bereits die ersten zwei Bewerbungen. „Das wird schon klappen“, sagt sie über die Bademeister-Suche. Kosmalla und der derzeitige Kassier Oliver Hagstotz kündigen zudeman, bei den Vorstandswahlen auf der Mitgliederversammlung am 17. März wieder zu kandidieren. Es gebe außerdem weitere Interessenten für den Vorstand, sodass ein vierköpfiger Führungsteam wohl zusammenkommen werde. Ehrenamtliche, Rettungsschwimmer und Kassenkräfte suche man aber immer.

Doch nicht alle sind so optimistisch. Christian Amberg versorgt aus seinem Kiosk heraus das Further Bad mit Pommes, Eis, Currywurst und Burgern. Der 48-jährige Gastronom sorgt sich um sein Geschäft. Um die Arbeitsplätze für seine rund 20 Mitarbeiter. Und, dass er seine Lieferantenverträge nicht einhalten kann, wenn die Badegäste draußen bleiben müssen. „Dann muss ich meinen Sommer mit Anwälten verbringen“, sagt er.

Geburtstag im grünen Badezimmer Oberhachings: 2019 feierte das Further Bad zehnjähriges Bestehen

Hinter den Kulissen rumort es

Für die drohende Misere hat Amberg auch den Grund ausgemacht: Die gute Stimmung zwischen Vereinsführung, Ehrenamtlichen und Angestellten sei dahin. Das Modell des gemeinsam betriebenen Bürgerbads stehe vor lauter Zwist vor dem Scheitern. „Seit dem letzten Jahr gibt es kein Miteinander mehr“, sagt Amberg. Er bemängelt schlechte oder gänzlich fehlende Kommunikation aus dem verbliebenen Vorstand. Stattdessen hat er beobachtet, dass dieser offenbar die Schlösser an Aktenschränken im Büro aufbohren und durch Vorhängeschlösser ersetzen ließ.

Hört man sich unter den Mitgliedern um, klingt durch, dass auch der Rückzug der beiden Vorstände in einer Art zwischenmenschlicher Klimakatastrophe begründet ist. Offiziell spricht das aber von ihnen niemand aus: Martina Kern und Hille Rudnitzki verweisen auf persönliche Gründe, letztere sagt: „Das ist ein normaler Vorstandswechsel.“ Auch die verbleibenden beiden Vorstandsmitglieder sprechen nicht von Ärger.

Bürgermeister lobt Vorstandsarbeit

Das Naturbad ist auch ein Schelle-Bad: Der Rathauschef unterstützte das Konzept des ehrenamtlich von Oberhachingern gemanagten Bad von Anfang an. Über die derzeitigen Ereignisse sagt er, dass die Zusammenarbeit mit dem Interimsvorstand aus der Vergangenheit gewachsen und sehr vertrauensvoll sei: „Ich fände es gut, wenn es so weitergeht.“

Die Rücktritte der anderen Vorstände und des Bademeisters seien aus persönlichen Gründen erfolgt. Zu möglichem zwischenmenschlichem Ärger will sich der Bürgermeister nicht äußern. Er drücke nun dem Verein die Daumen, dass es mit der Suche nach einem Nachfolger für Heinz Effenberger klappt. Er könne sonst nur allen raten, Mitglied im Further Bad e.V. zu werden – damit sie auch ins Bad dürfen, falls der öffentliche Betrieb nicht zustande kommt. Diesen Fall vergleicht Schelle mit der Lage in einem Busunternehmen. „Wenn es keinen Busfahrer findet, dann bleibt der Bus halt stehen.“

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