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Semmeln und Brezn können Bäckereien sonntags künftig länger verkaufen. Bernhard Auracher hat das vor Gericht durchgesetzt, um auch konkurrenzfähig gegenüber Tankstellen zu sein. 

Urteil vor dem Bundesgerichtshof

Der Vater der späten Sonntagssemmel: Oberhachinger setzt längere Verkaufszeiten in Bäckereien durch

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Dass Bäckereien in Zukunft sonntags länger Semmeln und Brote verkaufen dürfen, haben sie dem Oberhachinger Bernhard Auracher zu verdanken. Er ist dafür bis vor den Bundesgerichtshof gezogen – und hat gewonnen.  Im Gespräch mit dem Münchner Merkur berichtet Bernhard Auracher, der Geschäftsführer der Ratschiller Bäckereien, warum ihm dieser Prozess so wichtig war.

Herr Auracher, warum sollen die Bäckereien sonntags länger Backwaren verkaufen dürfen?

Wir haben in jedem Laden, den wir geöffnet haben, auch eine Gastronomieerlaubnis, und aufgrund dessen haben wir auch längere Öffnungszeiten. Wir können dem Kunden zuerst einen Espresso verkaufen und wenn er nach Hause geht, kann er noch ein Baguette zum Grillen mitnehmen. Darum haben wir gesagt, dass wir an Gäste verkaufen und nicht an Kunden.

Merken Sie, dass Langschläfer auch um die Mittagszeit noch Frühstückssemmeln kaufen?

Ich habe einen guten Freund, der schläft sonntags immer bis mittags, es wäre fatal, wenn der um 12 Uhr bei uns keine Semmeln mehr bekommt und zur Tankstelle ausweichen müsste. Man kann den Menschen ja nicht vorschreiben, wie lange sie am Wochenende schlafen. Der Bedarf ist einfach da. Sonntag ist der einzige Tag, an dem man gemeinsam frühstückt, an dem man sich gemeinsam an den Tisch setzt und nicht zu unterschiedlichen Zeiten aus dem Haus muss. Der Pro-Kopf-Einkauf ist sonntags höher.

Warum sind Sie während des Prozesses, der durch mehrere Instanzen ging, so hartnäckig geblieben? Was hat Sie motiviert?

Wir wollen eine Gleichberechtigung gegenüber den Tankstellen, die den ganzen Sonntag geöffnet haben. Außerdem ist es in anderen Bundesländern, wie in Berlin, ganz normal, dass am Sonntag geöffnet ist. Das wollte ich einfach nicht hinnehmen.

Ist der Sonntag heilig oder muss ein Umdenken stattfinden?

Ich will keine allgemeine Ladenöffnungszeit am Sonntag. Wir sind dafür, dass die Bäckereien und Konditoreien am Sonntag über einen längeren Zeitraum aufmachen dürfen. Damit wir die Kundenwünsche entsprechend abdecken können. Wir haben aber nicht jeden Laden offen, sondern nur da, wo es vom Kunden auch angenommen wird. Das ist standortabhängig. Wir haben nach dem Urteil nicht noch andere Läden am Sonntag geöffnet, die Bäckereien mit Café hatten bereits offen. Wir haben die Öffnungszeiten nicht ausgedehnt.

Wie bekommen Sie die Sonntagsdienste personell unter einen Hut?

Es gibt Mitarbeiter die am Sonntag lieber arbeiten und unter der Woche frei haben. Wir haben auch viele Aushilfen, die nur samstags und sonntags Zeit haben. So ist es aber schon einige Jahre, das ist nichts neues.

Denken Sie, dass die Konkurrenz nachzieht und mehr Bäckereien ein kleines Café eröffnen?

Jeder Unternehmer muss das für sich selber entscheiden. Natürlich wird der ein oder andere sich das überlegen, aber es gibt auch Standorte wo ein Café nicht notwendig ist.

Haben Sie im privatem Umfeld Gegenwind gespürt?

Ich habe nur positive Reaktionen erfahren und viele Gratulationswünsche bekommen. In diesen vier Tagen, seit der Urteilsverkündung, habe ich nur Gutes gehört. Weil diese Regelung eben nicht mehr zeitgemäß ist, die die Wettbewerbszentrale vertreten hat.

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