Es mag schön einsam sein an diesen Stränden der amerikanischen Ostküste. Aber richtig wohl fühlen mochten sich Mathias Köglsperger und seine Frau Kerstin angesichts dieser gespenstischen Kulisse nicht.
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Es mag schön einsam sein an diesen Stränden der amerikanischen Ostküste. Aber richtig wohl fühlen mochten sich Mathias Köglsperger und seine Frau Kerstin angesichts dieser gespenstischen Kulisse nicht.

Gespenstischer Heimflug

In den USA an Corona erkrankt: So überstand ein Oberhachinger das Virus in gespenstischem Urlaub

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Einen Traumurlaub im American Style hatten sich Mathias Köglsperger (53) und seine Frau Kerstin aus Deisenhofen erhofft, als sie im März ihren Flug in Richtung Miami antraten. Jetzt sind beide zurück zu Hause gekommen und mussten in die Quarantäne. Diagnose: Corona.

Deisenhofen – Florida hielt hielt zunächst das Versprechen des Traumurlaubs, aber dann zerbröselten die Reisepläne wie Sand in den Händen, als das Paar mit dem Leihwagen die Ostküste hinauf wollte, Richtung New Orleans und New York, mit Broadway-Musical Rockefeller-Center und Times Square. Das Virus zwang die US-Regierung, Ausgangsperren und strenge Regelungen zu erlassen. In den Bundesstaaten habe man, sagt Mathias Köglsperger, schneller reagiert und Tage vor dem offiziellen Shutdown rigide Maßnahmen rund um New Orleans ergriffen. Die Bevölkerung habe sich auch penibel daran gehalten.

Oberhachinger in USA mit Coronavirus infiziert: Zuerst glaubt er nur an eine Grippe

Aber die Reise hielt noch eine böse Überraschung bereit. Nach einer Woche fühlte sich der 53-jährige Deisenhofner plötzlich abgeschlagen. Er bekam Husten, Fieber und Schüttelfrost. Die Coronavirus-Krankheit Covid-19, wie sich herausstellen sollte. „Mein Zustand war schlecht, ich kann bestätigen, dass die Krankheit wirklich nicht zu verachten ist.“ Aus dem Bekanntenkreis weiß er von Fällen auf der Intensivstation, die sehr ernst verlaufen. Bei ihm endete es glücklicherweise harmlos. Vor sieben Monaten hatte er das Rauchen aufgehört, darum ist Köglsperger heute froh. Am Golf von Mexiko spürte er nach einem Spaziergang eine seltsame Kurzatmigkeit und wollte sich schnell ins Bett legen. Er führte das Schlappheitsgefühl zunächst auf die schwüle Meeresluft mit Feuchtigkeit zurück und glaubte an eine einfache Grippe.

New Orleans an der Ostküste in den USA. Verlassen, wie sonst nie präsentiert sich die berühmte Partystadt.

Wo er sich angesteckt haben mag, kann er nicht nachvollziehen, vermutet aber eine Schmierinfektion: Bei der Einreise in Florida müssen sämtliche nicht-amerikanischen Passagiere nach der Ankunft ihren Finger zur biometrischen Erfassung auf eine Glasplatte legen und darauf herumrutschen, bis das Bild übertragen ist. Tausende Fluggäste drücken ihren Daumen darauf. Von Hygiene und Desinfektion keine Spur.

Coronavirus in den USA: Gespenstisch leere Strände und Innenstädte

Jedenfalls überstand der Deisenhofener die scheinbare Grippe gut. Aber an einen erfolgreichen Abschluss der Reise war trotzdem nicht zu denken. Die Raddampfertour auf dem Mississippi, die Abende in den Bars von New Orleans im French Quarter: abgesagt. Stattdessen einsame Spaziergänge an menschenleeren Stränden, die gespenstisch wirken. „Sonst schwärmt man ja von einsamen Sandstränden, aber hier wurde uns mulmig.“ Den Rückflug traten sie fünf Tage vor dem eigentlichen Reiseende an. Weniger komfortabel als der Hinflug in der Business Class, den sich das Ehepaar ausnahmsweise gönnte.

Mathias Köglsperger ist fit, was Organisation und Reservierung anbelangt, aber hier geriet er an seine Grenzen: Alle Lufthansa-Flüge waren gecancelt, im Gespräch war ein Flug nach Frankfurt. Auch vergebens. „Wir hatten Angst, dass unser Hotel unter Quarantäne gestellt wird und wir festsitzen.“ Von einem Tag auf den anderen gab es kein Frühstück mehr, nur noch Kaffee. Aber der war nicht zu genießen. Also mussten die Mahlzeiten bei Drive-Ins wie Burger King geordert werden. Der Flug zurück nach Deutschland kam da einer Erlösung gleich. Schließlich gab es noch zwei Sitzplätze in einem Flieger der United Airlines, beengt mit gestressten Stewardessen, die sich aus berechtigter Angst vor einer Infektion nur zu den Passagieren kamen, wenn diese klingelten.

Auf dem Rückflug von New Orleans nach New York mit United Airlines sind die Sitzreihen so gut wie leer.

Zu Hause angekommen, begaben sich beide Köglspergers freiwillig in Quarantäne und beachteten die Abstandsregeln, denn die Symptome deuteten doch ziemlich eindeutig auf Corona hin. Den Ausschlag gab folgendes Erlebnis: Der Nachbar spendierte dem USA-Reisenden in gehörigem Abstand ein Bier. Aber der 53-Jährige schmeckte nichts. Von Hopfen oder Gerste keine Spur. Ein Symptom, wie es bei der Covid-Erkrankung auftritt, erklärte ihm der Nachbar. Also machten die Köglspergers einen Test, der für die Frau positiv ausfiel, für den Mann negativ. Offenbar hatte er kein Virus mehr im Rachen. Weil bei ihm nun aber nichts gefunden wurde, muss Mathias Köglsperger nun zwei weitere Wochen in Quarantäne ausharren. Eine Herausforderung, wie der Deisenhofner zugibt: „In der Zwischenzeit bin ich schon Hunderte Kilometer gelaufen.“ Durch den eigenen Garten, in dem er sich jetzt intensiver mit den Pflanzen beschäftigt als jemals zuvor.

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