„Von ganzem Herzen: Danke“: Eva Hofmann verabschiedete sich bei dem Konzert von (v.l.) Bernd Lhotzky, Claus Koch, Oliver Mewes und Peter Veit.
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„Von ganzem Herzen: Danke“: Eva Hofmann verabschiedete sich bei dem Konzert von (v.l.) Bernd Lhotzky, Claus Koch, Oliver Mewes und Peter Veit.

Nach 22 Jahre

Schlussakt mit viel Applaus: Kulturchefin verabschiedet sich offiziell

  • VonAndrea Kästle
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Um sich privaten Projekten zu widmen, verlässt Leiterin Eva Hofmann nach 22 Jahren das Kulturamt der Gemeinde Oberhaching. Nun wurde sie offiziell verabschiedet. Mit viel Applaus.

Oberhaching – 22 Jahre hat Eva Hofmann das Kulturamt der Gemeinde Oberhaching geleitet. Zum April diesen Jahres hat sie gekündigt, um sich eigenen Projekten widmen zu können. Jetzt, mit corona-bedingter Verspätung, wurde sie verabschiedet – bei einer der von ihr ja mit erfundenen, bewährten Kombi aus Konzert und Lesung.

Das Konzert bestritten Bernd Lhotzky und sein munteres Trio, die Texte, die BR-Sprecher und Jazz-Kenner Peter Veit einlas zwischen den höchst beschwingten Stücken, hat Eva Hofmann geschrieben. Wie seit Jahren üblich beim schönen „Festival für Kammermusik, Literatur und Weltmusik.

„Eine Welt zusammengebrochen“.

Weil lange Aufführungen, bei denen dann ja auch eine Pause wäre, im Moment nicht möglich sind, dampften Lhotzky und Hofmann das Programm ein wenig ein. Und führten es oder ließen es dann eben zweimal hintereinander aufführen. Was ohnehin gut war, weil der Saal beim Forstner unter Pandemie-Bedingungen ja nur noch 90 Besucher fasst – und es war klar gewesen, dass mehr Leute kommen wollen würden. Man hat längst Entzugserscheinungen, was das Programm in Oberhaching betrifft, bekommen; seinen 50. Geburtstag konnte Lhotzky, der ja traditionell feiert, indem er in seiner Heimatgemeinde ein Konzert gibt, im Winter 2020 auch nicht begehen wie gewohnt.

Entsprechend: nach der zweiten Vorstellung an dem Abend langer, langer Applaus. Die Besucher wollten schier nicht mehr aufhören zu klatschen, hinterher waren es einige, die sich bei Eva Hofmann auch persönlich noch bedankten und ihr Geschenke überreichten. Auch Lhotzky hatte sie quasi offiziell verabschiedet, noch auf der Bühne meinte er, für ihn sei, als er von ihrer Entscheidung erfuhr, „eine Welt zusammengebrochen“. Die Zusammenarbeit mit ihr sei „so schön“ gewesen, „ihre Texte waren so witzig und bereichernd, ganz was Besonderes“. Einziger Trost: Die promovierte Germanistin, Anglistin und Amerikanistin wird der Gemeinde und der Bühne in der Gemeinde, für die sie so lang das Programm gemacht hat, auf jeden Fall erhalten bleiben. Wie sie selbst dann auch gleich versprach. Sie sagte dem Publikum „von ganzem Herzen danke“, sie habe im Laufe ihrer Arbeit einige der Stammbesucher ein bisschen privat kennengelernt, „auch das ist Kultur“.

Höchst amüsanter Streifzug durch die Geschichte des Jazz

Der Abend? War unter der Überschrift „Jazz it up!“ ein höchst amüsanter Streifzug durch die Geschichte des Jazz und seiner Protagonisten. Während das Bernd Lhotzky Trio gewohnt virtuos Stücke der Betreffenden spielte, erfuhr man in den Textblocks, dass Louis Armstrong quasi ein Missionar in Sachen Abführmittel war, auf die schon seine Mama geschworen hatte. Duke Ellington wiederum versuchte Zeit seines Lebens vergeblich, Diät zu machen, Willie „The Lion“ Smith war „ein Gladiator durch und durch“, ein Gladiator in der Arena der Musik. Bix Beiderbecke, der leider viel zu viel trank, verlor immer wieder seinen Stiftzahn – und suchte den dann mit den Kollegen verzweifelt. Einmal sogar im Schnee. Ohne den Zahn konnte er nicht spielen. Derweil haute der geniale Irving Berlin bei Bedarf jede Nacht einen neuen Song raus, und dem jungen George Gershwin gab er keinen Job, weil er gleich sah, dass der für niedere Arbeiten fernab der Musik einfach überqualifiziert war.

Man war wieder mal einen Abend lang glücklich im Forstner. Nächste Gelegenheit, Eva Hofmann und einen der Lhotzkys – in dem Fall: Isabel Lhotzky – dort anzutreffen, ist der 28. Januar 2022, beim „Festival für Kammermusik, Literatur und Weltmusik“. Das Thema wird sein: Wien um die Jahrhundertwende.

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