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Das lächelnde Gesicht der Polizei: Udo Wunsch ist im Hachinger Tal als Kontaktbeamter unterwegs – meistens per Fahrrad oder zu Fuß.

Seit 17 Jahren Ansprechpartner im Hachinger Tal

„Die Betrüger sind einfallsreicher geworden“: Das erlebt ein Kontaktbeamter der Polizei

In Taufkirchen und Oberhaching ist Udo Wunsch seit 17 Jahren das lächelnde Gesicht der Polizei. Im Interview erzählt der Kontaktbeamte, was er in seinem Job erlebt.

Unterhaching – Seit 1978 arbeitet Udo Wunsch für die Polizei, seit 2003 ist er einer von mittlerweile zwei Kontaktbeamten bei der Polizeiinspektion Unterhaching, zuständig für Taufkirchen und Oberhaching. Im Gespräch verrät er, wie Nachbarschaftsstreitigkeiten eskalieren können, wie sich die Arbeit im Lauf der Jahre verändert hat und welche Eigenschaften ein Kontaktbeamter unbedingt mitbringen sollte.

- Herr Wunsch, was macht so ein Kontaktbeamter?

Wir halten Vorträge über Trickbetrügereien, informieren, wie man sein Haus vor Einbrechern schützen kann, machen Kurse zum Thema Zivilcourage, gehen in Kindergärten und Schulen. In erster Linie sind wir Ansprechpartner für die Bevölkerung. Ich bin entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad in meinen Gemeinden unterwegs. Da trauen sich die Leute eher, mich anzusprechen, als wenn ich im Auto sitze.

„Die ganze Palette“

- Warum sprechen die Leute Sie an?

Aus verschiedenen Gründen. Die einen erzählen, dass an einer Stelle im Wald Müll rumliegt oder irgendwo etwas kaputtgemacht wurde – die ganze Palette.

- Sind es vor allem Jüngere oder Ältere, die Sie dann ansprechen?

Mehr Ältere, die trauen sich komischerweise eher. Wobei ich auch von vielen Kindern angesprochen werde, die mich von der Schule oder vom Kindergarten kennen. Oder vom Weg dorthin, weil wir ja auch Schulwegsicherung übernehmen. Da gab es ein Mädchen, das jahrelang auf dem Weg zur Schule beim Trenner über die Straße gegangen ist. Die hat mich immer gegrüßt, auch noch als sie schon 17 war und mit dem Radl ins Gymnasium nach Unterhaching gefahren ist.

- Wollen manche Leute auch einfach nur reden?

Ja, das kommt vor. Manchmal muss man bei dieser Arbeit auch ein kleiner Psychologe sein.

Einbrüche treffen die Menschen hart

- Das müssen Sie sicher auch, wenn Sie zu Leuten fahren, bei denen eingebrochen wurde...

Oh ja. Da ist der materielle Schaden oft nicht so groß wie der ideelle. Dass da jemand in den persönlichen Bereich eingedrungen ist, das trifft Männer genauso hart wie Frauen.

- Was sagen Sie den Leuten?

Früher habe ich gesagt, dass nirgends zwei Mal hintereinander eingebrochen wird. Doch das ist leider mittlerweile auch schon passiert. Auch wenn es natürlich selten vorkommt. Ich bespreche dann eher mit den Leuten, was sie beim Einbruchschutz noch verbessern könnten.

- Wo ist da meistens die Schwachstelle?

Die Terrassentür. Die Leute brechen nicht ein, wenn jemand zuhause ist. Die gehen in der Dämmerung und abends durchs Viertel und schauen, wo ein Licht brennt. Ist alles dunkel, klingeln sie. Öffnet dann niemand, gelangen sie in den meisten Fällen über die Terrassentür ins Haus.

- Mit welchen Themen haben Sie sonst zu tun?

Nachbarschaftsstreitigkeiten. Die gibt es leider ziemlich häufig.

- Worum geht es da?

Wenn der Strauch zu weit zum Nachbarn rüberhängt, die einen zu laut sind, das Auto falsch geparkt wird. Oft sind das Kleinigkeiten, wo man sich fragt, warum sich die Leute da so aufregen. Zu uns kommen sie dann wegen Beleidigungen oder sogar Körperverletzungen.

- Was machen Sie dann?

Ich gehe da hin und frage erst mal, ob es in Ordnung ist, wenn ich vermittle. Dann versuche ich, alle Parteien an einen Tisch zu kriegen. Aber schon das geht manchmal gar nicht mehr. Einige Fälle landen dann sogar bei der Staatsanwaltschaft.

Reuiger Reifenstecher

- So schlimm geht es da zu?

Ich hatte einen Fall in einer schönen ruhigen Wohngegend mit vielen Einfamilienhäusern. Da war ein älterer Nachbar, etwas cholerisch, der gern um 9 Uhr abends ins Bett gegangen ist. Die Nachbarn saßen an schönen Sommerabenden gerne länger draußen, zum Teil mit Musik. Darüber hat sich der Nachbar ziemlich aufgeregt. Am nächsten Tag waren dann die Reifen am Auto der anderen zerstochen. Das ist immer wieder mal passiert. Der Schaden ging in die Tausende. Sie haben immer wieder Anzeige erstattet, aber der Mann hat nichts zugegeben und Beweise gab es nicht. Irgendwann haben sie einen privaten Sicherheitsdienst angeheuert, der ihn auf frischer Tat ertappt hat.

- Und dann?

Der Mann hat alles zugegeben und sogar noch andere Fälle, die im Viertel passiert waren. Alles nur aus seinem Frust heraus. Er hat sich dann unter Tränen entschuldigt bei den Nachbarn und den ganzen Schaden beglichen.

Schamloser Star

- Gab es auch kuriose Fälle?

Mein Vorgänger hat mir von einem Fall erzählt, ein Doppelhaus. Da hat ein Nachbar in seinem Garten einen Starenkasten aufgestellt. Da war ein Star drin und der ist rausgeflogen in Richtung der anderen Doppelhaushälfte und hat dort immer sein Häuflein auf die Terrasse gesetzt.

- Und deswegen wurde die Polizei gerufen?

Ja, manche Fälle erinnern an das königlich bayerische Amtsgericht.

- Da muss man sich das Lachen verkneifen können. Welche Eigenschaften sollte man sonst mitbringen als Kontaktbeamter?

Man muss auf die Leute zugehen, ihnen zuhören können, Geduld haben. Aber man muss auch zum richtige Zeitpunkt mal auf den Tisch hauen können.

„Die Betrüger sind einfallsreicher geworden.“

- Hat sich die Arbeit im Lauf der Jahre verändert?

Die Betrüger sind einfallsreicher geworden. Erst neulich wieder hat sich jemand als Mitarbeiter der Gewofag ausgeben und war so zu einem 80-Jährigen in die Wohnung gelangt. Über ihm habe es einen Wasserschaden gegeben und er müsse kontrollieren, ob bei ihm Wasserflecken an der Decke seien. Ein paar Tage später merkte der Mann, dass mehrere Tausend Euro aus seiner Wohnung verschwunden waren.

- Da trifft es meist die Älteren, oder?

Ja, aber es gibt auch immer mehr Computerbetrügereien, auf die auch Jüngere reinfallen. Wenn der Bildschirm plötzlich schwarz wird und sich kurz darauf ein angeblicher Windows-Mitarbeiter telefonisch meldet, um zu helfen. Und so überzeugend ist, dass die Leute ihre Passwörter rausgeben.

- Grundsätzlich: Leben wir hier auf gefährlichem Pflaster?

Nein. Das zeigt auch der Blick in die Kriminalitätsstatistik. In der Stadt München lebt es sich schon doppelt so gefährlich – aber immer noch halb so gefährlich wie in anderen Großstädten. Insofern kann man sagen, dass die Welt bei uns noch in Ordnung ist.

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