+
Sie wollten einen Platz schaffen, wo Dorf- und Vereinsleben lebendig sein können. Jetzt müssen die Weißbräu- Pächter Manuel und Maria Contreiras aufhören.

Pachtvertrag gekündigt

Beliebtes Lokal in Oberhaching schließt: Vereine und Kleinkunstbühne heimatlos

  • Birgit Davies
    vonBirgit Davies
    schließen

Ein letztes Mal konnten die Gäste im Weißbräu und im gemütlichen Biergarten entspannte Stunden genießen. Bis Sonntag muss die Wirtschaft geräumt sein. Denn die Deissenhofener Traditionsgaststätte schließt.

Deisenhofen – „Die Kündigung des Pachtvertrags kam für uns völlig überraschend“, berichtet Manuel Contreiras, der seit Januar 2016 gemeinsam mit seiner Frau Maria den Gasthof führt. „Wir haben sehr viel Herzblut hineingesteckt, um einen Platz zu schaffen, wo Dorf- und Vereinsleben lebendig sein können“, sagte er. „Und natürlich haben wir pünktlich unsere Pacht gezahlt.“ Für das Ehepaar ist es unverständlich, dass nun im Eiltempo Schluss sein soll. Ende Mai kam die Kündigung und bereits einen Monat später erfolgte jetzt die Schließung.

Contreiras arbeitete vor seiner Übernahme als Pächter des Weißbräu dort als Koch. Als sein Vorgänger aufhörte und der Eigentümer ihn fragte, ob er übernehmen wolle, war das für ihn eine tolle Chance, als Wirt tätig zu werden. „Wir haben viel investiert, um die Gaststätte zum Erblühen zu bringen, Urlaub gab es in den vergangenen Jahren eigentlich keinen.“

13 Mitarbeiter auf einen Schlag arbeitslos

Im Lauf der Zeit fanden sich zahlreiche Vereine ein, die dort ihren Stammtisch abhielten. Und es war in dem bodenständigen Gasthof auch möglich, dass sich Kartenspieler zu einer gemütlichen Runde treffen. „Es lief richtig rund, wir hatten Familienfeiern und weitere Veranstaltungen“, sagt Contreiras. Auch die 13 Mitarbeiter in Küche und Service sind nun mit einem Schlag arbeitslos.

Ebenfalls schließen muss das Restaurant „Mexicanos“ in Oberhaching muss schließen - dabei ist der Laden seit 22 Jahren gut besucht. Der Grund für die Geschäftsaufgabe sind nicht die fehlenden Gäste - sondern eine andere traurige Tatsache.

„Wir sind sehr traurig“

Der Biergarten war ein beliebter Treffpunkt

„Wir sind sehr traurig, haben wir doch viele nette Kontakte zu den Oberhachingern und natürlich auch viel Energie in die Gaststätte gesteckt.“ Wie Contreiras berichtete, war außerdem der Pachtvertrag problematisch. „Wir haben 50 Prozent der Nebenkosten bezahlt, obwohl die Gaststätte nur im Erdgeschoss ist und darüber drei Stockwerke mit Hotelbetrieb sind, mit dem wir aber nichts zu tun haben. Zudem wurde für das Frühstück der Hotelgäste die Küche bis 11 Uhr vormittags genutzt, ebenso wie der Nebenraum des Gasthauses.“

Paukenschlag auch in Erding: Die Familie Rötzer schließt den Gasthof Zur Post in der Erdinger Innenstadt Ende März nächsten Jahres nach 35 Jahren. Wirt Bernhard Rötzer zeiht ein bitteres Fazit.

Trotzdem versucht das Ehepaar Contreiras positiv in die Zukunft zu blicken. „Wir führen bereits erste Gespräche, um woanders tätig zu werden.“ Der Eigentümer, die Familie Köhle, plant, die Gaststätte zu renovieren und möchte dort auch wieder eine Gastronomie. Einen Zeitplan gibt es nach Angaben der Eigentümer noch nicht.

Kleinkunstbühne und Stammtische sind mit der Schließung heimatlos

Werner Reischl, der die Kleinkunstbühne „Masslmaker“ ins Leben gerufen hat, ist entsetzt. „Für uns ist das eine Katastrophe, schließlich ist das Programm für dieses und auch das nächste Jahr fertig.“ Nach seinen Worten war die Zusammenarbeit mit dem Wirt sehr vertrauensvoll. „Zuschauer und Künstler haben das Gasthaus sehr gut angenommen.“ Erst vor zwei Wochen hat er von der Schließung erfahren und am letzten Montag technische Geräte und Requisiten abgeholt. „Bei dieser Gelegenheit habe ich mit der Eigentümerin gesprochen, aber mir erschien es so, dass sie kein Interesse hat, weiter zusammenzuarbeiten.“ Nun ist er auf der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort im S-Bahn- Bereich. „Das ist schwierig, denn eine Wirtschaft mit Saal steht nicht an jeder Ecke.“ Auch der Deutsche Alpenverein Sektion Gleißental, hatte im Weißbräu seine Heimat und war nach eigenem Bekunden sehr zufrieden. Sie kommen zwischenzeitlich im Schützenheim unter, doch wie Verstaltungenwie das Edelweißfest oder die Weihnachtsfeier ablaufen sollen, ist noch nicht klar. Der VdK hat ebenfalls eine Interimslösung gefunden und wird seinen monatlichen Stammtisch im Hotel Hachinger Hof abhalten. Ebenfalls heimatlos sindnunauch der ADFC, der Trachtenverein und die Sängerzunft.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare