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Robert Klein

Offener Diskurs

Oberhachinger gründet ersten Politstammtisch

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Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Wenige Wochen vor der Bundestagswahl hat Robert Klein (47) den ersten Oberhachinger Politstammtisch eröffnet und damit die Diskussion von Facebook in die Wirklichkeit verlegt.

Oberhaching – Der Informatiker postet im Bürgerforum sehr gerne politisch heikle Fragestellungen zur Migrationsproblematik (wir berichteten). Den Forums-Administratoren ist die Häufigkeit zu hoch, die Themenwahl nicht ortstypisch genug. Im Deisenhofner Sportlerheim musste er sich darüber keine Gedanken machen, als er die Runde mit zehn Gesprächsteilnehmerneröffnete. Dass kein Oberhachinger Lokalpolitiker den Weg hierher fand, störte ihn nicht. Das ist seiner Meinung nach lediglich ein Zeichen dafür, dass man sich für die drängenden Themen dieser Tage offenbar nicht interessiert. Dann lieber ein Pressetermin für ein radelfreundliches Oberhaching.

Robert Klein

Es war einem Blind-Date nicht gänzlich unähnlich, da hinter den Facebook-Profilen plötzlich Menschen aus Fleisch und Blut hervortraten, die sich zum Teil noch nie zuvor gesehen hatten und die sich in der Loggia bei Luigis Pizza Pasta Bar zusammensetzten – explizit ohne parteipolitische Vorbelastung, Etikettierung unerwünscht.

Immerhin in einem Punkt waren sich alle zehn einig: Die Migration ist ein zentrales Thema, vielleicht das Wichtigste, mit dem Deutschland jetzt und in naher Zukunft umgehen muss. Und es ist derart gravierend, dass seine Auswirkungen bis nach Oberhaching deutlich zu spüren sind. Eine Teilnehmerin, die nicht mit Namen genant werden möchte, fühlt sich beim Spaziergang seit knapp zwei Jahren nicht mehr wohl. Die Unbefangenheit ist ihr verloren gegangen, ganz egal welche Wahrscheinlichkeit gegen einen Überfall spricht. Sie glaubt, diese Einschätzung mit vielen Frauen zu teilen, dass sie es aber in der Regel verschweigen, weil es nicht in den gesellschaftlichen Diskurs passt. Und ja, sie hat Angst vor der Zuwanderung und vor dem Islam. Unter diesem Aspekt klingt es fast wie das Outing bei der anonymen Beratungsstelle mit Gruppentherapie. Es tut gut, die eigene Wahrnehmung herauszulassen. Eine kritische Positionierung in der Öffentlichkeit, eine ablehnende Haltung der illegalen Zuwanderung in Facebook zu demonstrieren, davor scheut sie zurück wie so manch anderer Gesprächsteilnehmer. Auch die berufliche Karriere könnte auf dem Spiel stehen.

Wie zum Beispiel bei einem Spitzensportler aus München, der sich am Tisch in dieser Frage auf keinen Fall öffentlich outen möchte. Seit vielen Jahren ist er auf der Welt unterwegs und spürt zunehmend eine beklemmende Atmosphäre in den westlichen Großstädten, allen voran Paris und Brüssel aufgrund der Terrorlage. Und bei alledem ist für den Sportprofi der ideologische Zusammenhang von Anschlägen und Islam evident. Er kann gut verstehen, dass Japan, China oder Russland sich einer Aufnahme von einer größeren Gruppe mit muslimischem Hintergrund verweigern, weil eine Destabilisierung der Gesellschaft befürchtet wird. Ohnmächtig sieht der Sportler der Grenzöffnung im September 2015 zu und fühlt sich in dieser Ohnmacht bis heute gefangen. Er verortet sich weder als politisch links noch rechts, aber besorgt ist er sehr: „Mit Deutschland geht es den Bach runter.“

Jens Schamberger will als Kontrahent die Argumente so nicht stehen lassen. Er hält es für bedenklich, autoritäre Staaten wie Russland oder China als vorbildliche Beispiele anzuführen, die den Islam aus ihren Landesgrenzen heraushalten oder ihn wenigstens eindämmen wollen. Gerade der Westen stehe dem hier durch Liberalität für eine menschenwürdige, humanistische Haltung diametral gegenüber. In Oberhaching selbst fühlt er sich absolut sicher. Bei jeder Bürgerversammlung dürfte er darin von der Polizei bestätigt werden.

Die eigentliche Gefahr des Abends bestand allerdings darin, die Themen miteinander zu vermengen und am Ende ratlos nach Hause zu gehen. Dem war aber nicht so, da sich immerhin die Lust am politischen Diskurs verstärkte. Robert Klein ist mit dem Abend selbst hochzufrieden: „Es ist besser, als sich in Facebook abzumühen, wo man sich hinter anonymen Identitäten und unbegründeten Thesen verstecken kann.“ Fortsetzung folgt, ob vor oder nach der Bundestagswahl.

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