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Kiesgruben wie hier an der Lanzenhaarer Straße gibt es schon lange in Oberhaching.Die geplante Abbaufläche liegt näher an den Häusern. 

Anwohner sammeln Unterschriften

Oberhachinger wehren sich gegen neue Kiesgrube

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Eine geplante neue Kiesgrube sorgt derzeit für Sorge bei Anwohnern in Oberhaching.

Oberhaching – Wie im Bauausschuss bekannt wurde, soll nördlich der Bebauung Am Büchl und östlich des Wagnerwegs und der Holzstraße auf etwa drei Hektar eine neue Kiesgrube entstehen. Bis zu zwölf Meter tief soll dort über etwa 20 Jahre Kies abgebaut werden. Für die Verfüllung und Rekultivierung der Fläche sind weitere fünf Jahre vorgesehen.

Noch näher am Wohngebiet

Schon lange wird dort, östlich der Münchner Straße und südlich der Autobahn, Kies abgebaut. Doch die neue Grube rückt im Vergleich zu den übrigen nah ans Wohngebiet ran. Etwa 100 Meter liegt die geplante Abbaufläche von den Grundstücken am Büchl entfernt, rund 150 Meter sind es zum nächsten Grundstück am Wagnerweg. Einigen Anwohner, die Angst vor Lärm und Staub haben, definitiv zu nah, trotz des geplanten, etwa fünf Meter hohen Erdwalls, der sie schützen soll. Etwa 40 Unterschriften gegen die Pläne haben sie Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) vor der Sitzung des Bauausschusses übergeben.

Hier soll bald neuer Kies abgebaut werden. 

„Wir als Gemeinde sind jedoch der falsche Adressat“, erklärt der stellvertretende Bauamtsleiter Willibald Regnet. „Wir sind nicht Herr des Verfahrens.“ Die Entscheidung, ob dort Kies abgebaut werden darf, liegt beim Landratsamt. Die Gemeinde darf lediglich eine Stellungnahme abgeben und ihr Einvernehmen erklären – oder eben nicht. Das hat aber nur Einfluss, wenn sie gute Gründe hat. Und die gibt es in diesem Fall laut Regnet nicht. Zwar liegt das geplante Grundstück nicht im sogenannten Vorranggebiet für Kies und Sand. Ein solches umreißt der Regionalplan München rund um die angrenzenden Kiesgruben. Heißt: Der Abbau der für die Baubranche so wichtigen Rohstoffe hat dort Vorrang . Was laut Regnet im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass nur dort Kies abgebaut werden darf.

Kiesabbau ist privilegiert

Auch dass das Grundstück im Flächennutzungsplan der Gemeinde als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen ist, spricht nicht gegen die Pläne. Nicht einmal eine Änderung des Plans ist erforderlich, weil „das Grundstück ja nach dem Kiesabbau wiederhergestellt wird“, so Regnet. Zudem sei Kiesabbau im Außenbereich privilegiert, ebenso wie die Landwirtschaft. Was grob gesagt bedeutet, dass Landwirte und gewisse Unternehmen auf Flächen außerhalb des überplanten Gemeindegebiets Vorhaben – wie eben den Kiesabbau – realisieren dürfen.

Doch was ist mit dem Lärm? „Auch hier werden alle Vorgaben eingehalten“, winkt Regnet ab. Das belege ein Gutachten. Zwar hatte Grünen-Gemeinderat Claus Katzer in der Sitzung des Bauausschusses angemahnt, dass die nahe Wohnbebauung in dem Lärmschutzgutachten nur als „allgemeines“ und nicht als „reines Wohngebiet“, – was es ist – ,bewertet wurde. „Doch selbst dafür gibt es bei den ermittelten Werten noch Puffer nach oben“, erklärt Regnet.

Am 8. Oktober ist Kiesabbau erneut Thema im Gemeinderat

Den Grünen im Gemeinderat geht es vor allem darum, die Bürger rechtzeitig zu informieren. „In den öffentlichen Aushängen zum Bauausschuss sind ja nur die Flurnummern zu lesen, da weiß doch keiner Bescheid“, sagt Grünen-Gemeinderätin Monika Straub. Ihr Kollege Claus Katzer habe daher beantragt, das Thema zu verschieben, um den Anwohnern die Möglichkeit zu geben, sich genauer zu informieren. Am 8. Oktober steht es nun erneut auf der Tagesordnung.

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