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Dicht an dicht stehen die Autos auf dem Parkplatz am S-Bahnhof Deisenhofen. Eine freie Lücke ist kaum zu finden. 

Kaum freie Plätze

Parkplatznot am S-Bahnhof Deisenhofen

Parkplatzsuche am S-Bahnhof Deisenhofen? Meist vergeblich. Darum parken viele falsch - völlig bewusst.

Deisenhofen – Der Park- und Ride-Parkplatz am S-Bahnhof Deisenhofen platzt aus allen Nähten. Eine Parklücke zu finden ist schwierig. Die Folge: Autofahrer parken ihre Wagen auch in Halteverbotszonen. Ein Thema, das bei der Bürgerversammlung am heutigen Dienstag im Forstnersaal für Zündstoff sorgen könnte.

„Die Leute berichten mir, dass ihnen klar ist, dass sie dort nicht stehen dürfen, sie aber keine Zeit haben, einen ordnungsgemäßen Parkplatz zu suchen, weil sie die S-Bahn erwischen müssen“, sagt Christian Schmitzer von der kommunalen Verkehrsüberwachung. Vor allem an der Sauerlacher Straße entlang eines Zauns wird gerne unerlaubt im eingeschränkten Halteverbot geparkt. Das hält den fließenden Verkehr auf, denn zwei Fahrzeuge passen dann nicht mehr aneinander vorbei. „Im Durchschnitt muss ich dort für rund 40 Autos pro Woche einen Strafzettel schreiben“, verdeutlicht Schmitzer. Beliebt sei aber auch der Grünzug am Ende des P&R-Parkplatzes, wo Autos einfach in die Wiese gestellt werden. Die Oberhachinger sind genervt. Sie beklagen sich, dass der Parkplatz in den vergangenen Jahren immer stärker von Autos aus dem ganzen Oberland zugeparkt wird, da die Fahrer vom Bahnhof Deisenhofen aus ideal mit der S-Bahn nach München pendeln oder auch in den Meridian einsteigen können.

Das Problem ist im Rathaus bekannt. „Es gibt dort tatsächlich zu wenige Parkplätze“, sagt Bürgermeister Stefan Schelle. Die Gemeinde arbeitet an einem Mobilitätskonzept. Denn es ist davon auszugehen, dass die Attraktivität des S-Bahnhofs Deisenhofen in den nächsten Jahren steigt – und damit das Parkplatzproblem weiter wächst. Direkt gegenüber des Bahnhofs ist der Schulcampus mit FOS/BOS und Realschule geplant. Schüler und Lehrer kommen mit der S-Bahn, mit Bussen oder mit dem eigenen Pkw.

Zudem baut der Landkreis das Busnetz aus, um möglichst viele Menschen zu einem Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr zu bewegen. Auch die angestrebte Tarifreform des MVV könnte, je nach den künftigen Tarifgrenzen, Auswirkungen auf den Bahnhof haben.

Derzeit nutzen rund 6100 Personen am Tag den Bahnhof zum Ein-, Aus- und Umsteigen. Davon kommen 66 Prozent zu Fuß, 15 Prozent mit dem Bus, elf Prozent mit dem Rad und neun Prozent mit dem Auto. Nach einer aktuellen Bedarfsanalyse des MVV würden am Bahnhof zusätzlich 80 Stellplätze für Autos und 100 für Fahrräder benötigt.

Erste Ideen des Mobilitätskonzepts der Gemeinde sehen keinen größeren Parkplatz vor, sondern eine Erweiterung der Bushaltestellen am Bahnhof, da zusätzliche Linienbusse und engere Takte der bestehenden Linien mehr Platz für die Busse benötigen würden. Zudem sollen weitere überdachte Fahrrad-Stellplätze geschaffen werden. Der geplante Radschnellweg von Holzkirchen nach München könnte zur stärkeren Frequentierung der Stellplätze in Deisenhofen führen. Zudem soll der Radverkehr weiter angekurbelt werden. Um diesen attraktiv zu machen, sind ausreichend Stellplätze nötig.

Einen „autogerechten Bahnhof“ will die Gemeinde aber nicht. Stattdessen soll die konsequente Parkraumüberwachung „wildes“ Parken unterbinden. Ebenso steht eine Bewirtschaftung der Parkplätze, sprich kostenpflichtige Parkmöglichkeiten, zur Debatte.

Birgit Davies

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