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Für Lärm sorgen Züge auch, wenn sie abgestellt werden.

Ärger um neue Zugflotte

S-Bahn-Lärm: Rückschlag droht

Oberhaching - Die Lärmschutz-Initiative ist frustriert: Endlich fruchten erste Projekte, um Anwohner vor dem Lärm abgestellter Züge zu schützen. Doch nun sollen für die neue S-Bahn-Flotte keine leisen Züge bestellt werden.

Stundenlang, manchmal sogar das ganze Wochenende, brummt, zischt und pfeift es – direkt neben dem eigenen Heim. Der Lärm abgestellter Züge entlang der S-Bahngleise ist für viele Anwohner nervend und zermürbend. Die Interkommunale Lärmschutz-Initiative (ILI), zu deren 184 Mitglieder nicht nur Privatpersonen, sondern auch zwölf Gemeinden wie Aying, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und der Landkreis München zählen, kämpft seit acht Jahren gegen unnötigen Lärm abgestellter Züge. 

„Wir haben schon viel erreicht“, sagte Vorsitzender Werner Litza bei der Jahresversammlung in Oberhaching. „Doch es könnte nun alles wieder von vorne anfangen.“ Denn die Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) schreibt nun eine neue Zuggeneration für die S-Bahn München aus. „Unser Ziel ist es, dass die neuen Züge von vorneherein so gebaut sind, dass die Probleme nicht mehr auftreten“, erklärte Litza. 

Das Problem: Die BEG sieht sich nach seinen Worten nicht in der Lage, die europaweite Ausschreibung entsprechend zu formulieren. „Wir waren wirklich an den Grenzen einer nervenzerfetzenden Diskussion“, sagte der Vorsitzende. „Die BEG fühlt sich nicht berufen, ohne Rechtssicherheit detaillierte technische Anforderungen zu stellen, obwohl auch der TÜV Süd uns hier unterstützt.“ 

Doch Rechtssicherheit ist nur möglich, wenn entsprechende Regelungen in die Vorschriften des Verbands für deutsche Verkehrsunternehmen (VDV) aufgenommen würden. Darauf will die ILI nun intensiv hinwirken, um die Anschaffung leiser Züge zu ermöglichen. Unter anderem soll eine Studie der TU Berlin helfen, die aufzeigt, dass es wesentlich preiswerter ist, Fehler im Vorfeld zu verhindern, als später nachrüsten zu müssen. 

Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle, der auch als Beirat der ILI fungiert, hat den Eindruck, dass bei dem Gespräch mit der Eisenbahngesellschaft deutlich wurde, dass „die BEG nicht das Selbstbewusstsein hat, um offensiv auszuschreiben und Ansprüche an die Anbieter zu stellen. Obwohl es um Beträge in Millionenhöhe geht“, betonte er und forderte: „Der Landtag muss der BEG mit auf den Weg geben, dass Lärmschutz ein wichtiges Thema ist.“ 

Zweiter ILI-Vorsitzender Alois Wichtlhuber wies daraufhin, dass „die S-Bahn München, DB-Regio und BOB verstanden haben, dass Lärmschutz bei abgestellten Zügen wichtig ist. Jetzt müssen wir trotzdem Sorge haben wegen der nächsten Zuggeneration“, meinte er frustriert. 

Umso ärgerlicher ist dies, da andere Maßnahmen, die die ILI seit Jahren in die Wege geleitet hat, mittlerweile gute Erfolge zeigen. Denn nach einer mühsam angelaufenen Zusammenarbeit mit der S-Bahn München und der DB-Regio in den ersten Jahren, wird die Initiative mittlerweile positiv als Mahner und Berater wahrgenommen. Zudem sind zahlreiche Verbesserungen für Anwohner von Gleisen umgesetzt worden. 

So wurde neu eine Lärmmeldemaske im Internet entwickelt, die es erleichtert, sogar mit dem Smartphone Störungen an S-Bahn und DB-Regio weiterzugeben. Auch die Mitarbeiter der Bahn sind stärker sensibilisiert und achten darauf, Züge an Plätzen abzustellen, die Anwohner weniger belasten. Zudem laufen Nachrüstungen in den Bereichen Luftdruck, Trafo und Klimaanlagen. Nun droht, auf diesem Weg zum Erfolg, ein herber Rückschlag.

Birgit Davies

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