Gute Erziehung macht das Leben zwischen Mensch und Tier leichter: Martina Hatzinger und Hund „Jack“.
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Gute Erziehung macht das Leben zwischen Mensch und Tier leichter: Martina Hatzinger und Hund „Jack“.

Boom der Neuanschaffungen

In der Hundeschule Oberhaching gibt es in der Pandemie mehr zu tun als sonst

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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In der Pandemie haben sich viele Landkreisbürger einen neuen Hund angeschafft. Das hat auch Martina Hatzinger in der Hundeschule Oberhaching festgestellt. Doch nicht jedes Frauchen oder Herrchen ist sich der Verantwortung bewusst.

Oberhaching – Martina Hatzinger steht am Waldrand in der Nähe der Nussbaumranch in Oberhaching. Ihr gegenüber wuseln ein halbes Dutzend Hunde schwanzwedeln um die Beine ihrer Herrchen und Frauchen. Die Hundetrainerin wartet gelassen, bis Ruhe in die Gruppe eingekehrt ist. Ihre Hände hat Hatzinger in den tiefen Taschen ihres grauen Regenmantels vergraben. Vor knapp zwei Wochen hat die bayerische Regierung beschlossen, dass Hundeschulen wieder regulär öffnen dürfen. Seitdem hat Hatzinger alle Hände voll zu tun.

Wie man Hundetrainerin wird

Ein Knacken schallt durch den Wald. Die Hundetrainerin hat sich ihr Headset über die Ohren gezogen. „Oki, dann gehen wir los“, sagt die 49-Jährige in das Mikro. Dass Martina Hatzinger hauptberuflich als Hundetrainerin arbeitet, war eigentlich ein Zufall. „Vor einigen Jahren haben ich beim Gassi gehen eine verzweifelte Frau am Feldrand gesehen, die ihren Hund gesucht hat“, sagt sie und geht einen Waldweg entlang. Mit ihrer ruhigen Art konnte sie ihr helfen, das Tier wieder zu finden. Nach und nach baten sie weitere Besitzer um ihre Unterstützung. Mittlerweile hilft sie seit zwölf Jahren Bürgern aus Oberhaching und Umgebung ein Team mit ihrem Hund zu werden.

Warten auf das Kommando

Hinter einer Kreuzung bleibt die Truppe stehen. Die Tiere blicken zu ihren Besitzern hoch und warten auf das nächste Kommando. Nur die fünf Monate alte „Luna“ beobachtet mit ihren Knopfaugen die Umgebung. Die Schäferhundmixhündin aus Kroatien und ihr Herrchen Martin Fessel sind zum ersten Mal beim Training dabei. Die beiden sind erst seit fünf Wochen ein Team. „Es war gerade ein günstiger Zeitpunkt für einen Hund“, sagt Fessel. „Meine Frau arbeitet coronabedingt im Homeoffice, so ist Luna nie alleine.“

Dass sich während der Pandemie mehr Menschen einen Hund zugelegt haben, kann Hatzinger bestätigen. „Ich habe das bei meine Gassi-Runden deutlich gemerkt“, sagt sie. Auch die Anfragen sind gestiegen. Obwohl sie zwischenzeitlich ihre Hundeschule für ein halbes Jahr schließen musste, hat sich der Umsatz vermehrt. „Die Hundetrainer sind Corona-Profitierer“, sagt Hatzinger.

Auch Hundebesitzer können Regeln lernen

Doch nicht jedes neue Frauchen oder Herrchen ist sich der Verantwortung bewusst. „Viele Hundebesitzer kennen die Höflichkeitsregeln nicht“, sagt die Hundetrainerin. „Ich habe schon erlebt, dass ein Hund einem Jogger in den Hintern gebissen hat.“ Deshalb ist eine Grundausbildung in der Hundeschule so wichtig. „Es geht darum, dass das Hund-Mensch-Team lernt, sich zu bewegen, ohne eine Belästigung oder Gefahr für jemand anderen darzustellen“, sagt Hatzinger und baut einen kleinen Parcour aus alten Joghurtbechern auf. Jedes Paar darf sich nacheinander durch die Hindernisse schlängeln. Wichtig: Die Aufmerksamkeit soll dabei immer beim Besitzer sein. Martina Hatzinger zeigt mit Hund Jack, wie es am Ende aussehen soll. Bei Fuß und mit wedelndem Schwanz meistert der Retriever die Aufgabe. Sein Frauchen kramt eine Leckerchen aus ihrer Bauchtasche gibt es dem Hund.

Die Oberhachingerin bietet Welpentraining, Grunderziehungskurse und Einzelunterricht an. Die Ausbildung endet meist mit dem Hundeführerschein, der in Bundesländern wie Niedersachsen sogar Pflicht ist. Nur wer den Test bestanden hat, darf sein Tier frei laufen lassen. „Das finde ich sehr sinnvoll, das zeigt, dass man als Team funktioniert.“

Nach einer Stunde intensivem Training trottet die Gruppe zurück Richtung Parkplatz. Hatzinger macht die Leine ab und Jack hüpft ins Auto. Für heute hat er genug Tier-Menschen-Paare gezeigt, wie ein gut ausgebildeter Hund aussieht.

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