Viele Skifahrer halten ihren Sport auch in diesem Corona-Winter für möglich und hoffen auf schöne Wintersporttage wie hier am Fellhorn in Oberstdorf.
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Viele Skifahrer halten ihren Sport auch in diesem Corona-Winter für möglich und hoffen auf schöne Wintersporttage wie hier am Fellhorn in Oberstdorf.

Vereine hoffen doch noch auf Möglichkeiten

Skifahrer im Landkreis bangen um die Saison

  • Martin Lühr
    vonMartin Lühr
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  • Robert Gasser
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Der Winter steht vor der Tür und die Skifahrer und Snowboarder sind längst bereit für den Saisonstart. Doch wenn es nach der deutschen Politik geht, sollten Skigebiete wegen der Corona-Pandemie am liebsten europaweit schließen. In den Sportvereinen im Landkreis sind die Meinungen dazu zwiegespalten.

Landkreis – Sollte es zu einer Schließung der Skigebiete kommen, fände dies Tobias Bauer, Vorsitzender des Skiclub Hachinger Tal einerseits „sehr schade“. Andererseits könnte er die Maßnahme aber auch nachvollziehen. „Wir wissen noch nicht genau, was die Liftbetreiber für Konzepte haben. Und es gibt leider auch immer wieder Leute, die sich nicht an die geltenden Regeln halten.“ Der Skiclub Hachinger Tal führt normalerweise jedes Jahr seine beliebten Skikurse durch, und hier stellt sich für Bauer die Frage: „Wie sollen sich denn gerade Kinder an die geltenden Abstandsregeln halten?“

Das ist wahrlich schwer vorstellbar. Denn: Was passiert bei einem Sturz, wenn ein Kind Hilfe braucht? Oft müssen die Kinder in den Skikursen getröstet werden oder brauchen Hilfe beim Schließen der Skischuhschnallen. Wie soll da der Abstand gehalten werden? Ganz hat der SC Hachinger Tal im Skischulbereich die Saison freilich noch nicht abgeschrieben. Denkbar seien zumindest Anfängerkurse. „Da braucht man gar keinen Lift.“

TSV Oberhaching: „Wir müssen schauen, wie wir die Kinder wieder von der Playstation wegbringen“

Überhaupt nicht gut findet dagegen Uwe Borchert den Plan der Politik, die Lifte geschlossen zu halten. „Wir hoffen, dass die Skigebiete bald aufmachen und wir loslegen können“, sagt der Leiter der Ski-Rennsportgruppe des TSV Oberhaching. Längst hätten sich Eltern bei ihm gemeldet und darauf hingewiesen, dass ihre Kinder nicht ausgelastet seien. Diese Sorgen teilen in diesen Zeiten so gut wie alle Sportvereine, schließlich ruht der Trainingsbetrieb sportübergreifend überall. „Wir müssen schauen, wie wir nach der Pandemie die Kinder und Jugendlichen wieder von der Playstation wegbringen“, sagt Borchert. Sollten die Lifte in dieser Saison überhaupt nicht starten dürfen, sieht Borchert ein weiteres Problem: „Dann fällt uns ein ganzer Jahrgang weg, der mit diesem Sport gar nicht erst beginnt.“

Dabei hält er es auch beim Skifahren für sehr gut möglich, die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Natürlich hat auch Borchert im Oktober die erschreckenden Bilder von den Liftschlangen in österreichischen Gletschergebieten gesehen, doch er gibt zu bedenken: „Dass es funktionieren kann, hat man im Sommer gesehen. Es sind nur Familien zusammen in eine Gondel eingestiegen oder auch nur einzelne Leute. Darauf müssten die Liftbetreiber natürlich achten.“

Kirchheimer SC: Mit Hygienekonzepten lässt sich das regeln

Auch Hans Binder, alpines Urgestein im regionalen Skisport und Abteilungsleiter der Skisportler des Kirchheimer SC, ist der Ansicht, „dass selbstdiszipliniertes Skifahren“ möglich ist. Natürlich sehe er Brennpunkte, wie die Anfahrt im Bus oder Privat-Pkw, das Anstehen am Lift. Aber das ließe sich mit Hygienekonzepten regeln. Selbst eine Gondelfahrt von 20 Minuten („Und das ist schon ein lange Fahrt“) ließe sich bei entsprechender Reduzierung der Personen und Maskenpflicht aus seiner Sicht durchführen. „Da sind mehr Menschen in einem Raum, wenn ich mit der S-Bahn nach München fahre.“

Die Ski- und Bergsport-Abteilung des Kirchheimer SC hat 400 Mitglieder, davon sind 130 Kinder. Insgesamt gibt es 150 reine Alpinsportler, davon gehören rund 60 aller Altersklassen zum Rennteam. „Die Fleißigsten kommen normalerweise auf 30 Trainingstage“, sagt Binder. Heuer vermutlich nicht.

Virtuelles Training wird gut angenommen, ist aber kein Ersatz

Eigentlich wären die Mitglieder des Rennteams derzeit regelmäßig in der Halle, um sich in Konditionseinheiten auf die Wintersaison vorzubereiten. Geht natürlich nicht, weil die Hallen coronabedingt geschlossen sind. Als Alternative treffen sich die Sportler also vor dem Laptop und sorgen mit einem virtuellen Training im heimischen Wohnzimmer für die nötige Fitness. Die Trainer Marc Warschat und Clemens Hegels leiten die ambitionierten Skifahrer immer montags für 90 Minuten an. Das ist natürlich kein Ersatz für ein echtes Training“, sagt Hans Binder, „aber es wird gut angenommen.“

Und auch die Ausbildung fällt ins Wasser. Das traditionelle Trainingslager in den Herbstferien auf dem Stubaier Gletscher haben sie abgesagt, der Weihnachtskikurs, an dem auch immer rund 60 Leute teilnehmen, wird auch ausfallen. Aber wir bleiben dran“, sagt Binder, der im nächsten Jahr vielleicht Wochenend-Skikurse anbieten will und auf mögliche Angebote in den Faschingsferien hofft.

Bis dahin werden sie beim KSC, wenn es erlaubt ist, auf Skitourengehen und Schneeschuhwandern ausweichen. Die Ausrüstung können Mitglieder bei der Abteilung, die heuer 40 Jahre besteht, ausleihen.

TSV Haar: Abfahren an der frischen Luft ungefährlicher als Bus und Bahn fahren

Schneeschuhe und Tourenski nennt auch Dieter Haus als Alternativen. Der Chef der Ski- und Bergsport-Abteilung des TSV Haar ist normalerweise jedes Wochenende mit „einer kleinen feine Truppe“ unterwegs. Insgesamt zählt die Sparte 40 Aktive zwischen 30 und 70 Jahren, bei denen der Spaß im Vordergrund stehe.

Die anvisierte Schließung der Skigebiete kann er zum Teil verstehen. „Beim Anstehen an der Gondel treffen sich dann 100 Leute auf ein paar Quadratmetern. Wer will da den Abstand kontrollieren?“ Das Abfahren an der frischen Luft sei dagegen vermutlich ungefährlicher als die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel: „Bus und S-Bahn sind ja proppenvoll.“

Dennoch übt sich der 56-Jährige in Gelassenheit: „Wenn es diesen Winter nicht geht, dann ist das halt so. Dann machen wir Alternativprogramm bei unseren Ausflügen. Rechts gehen die Skitourengeher rauf und links die Schneeschuh-Wanderer. Und oben treffen wir uns mit Abstand bei einer gemeinsamen Brotzeit.

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