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Ein Freund der Jugend war Pfarrer Bartholomäus Sanftl. 

Namensgeber gestorben

St. Bartholomäus erinnert an Pfarrer Sanftl

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Namensgeber, Gründervater und etwas eigen: Pfarrer Bartholomäus Sanftl ist tot. Die Pfarrei Deisenhofen wird ihn nie vergessen.

Deisenhofen – Er war Gründer, Wegbereiter und -begleiter: Bartholomäus Sanftl gab der Deisenhofener Pfarrei seinen Namen. Nun ist der Pfarrer im Ruhestand, der ein so großes Vermächtnis hinterlässt, im Alter von 86 Jahren gestorben. Nur wenige Wochen, nachdem „seine“ Pfarrei 50-jähriges Bestehen feierte. Sein letztes großes Fest. An diesem Samstag wird der Pfarrer in Bad Bayersoien (Kreis Garmisch-Partenkirchen) beigesetzt, wo er seit 2002 im Ruhestand lebte. Viele Deisenhofener geben ihm das letzte Geleit. Sie fahren mit einem Bus gemeinsam zur Beerdigung.

 Gottesdienste im Zelt

Knapp 40 Jahre betreute Sanftl St. Bartholomäus, hob die Pfarrei in den 1960er Jahren aus der Taufe. Er begann 1963 mit Gottesdiensten im Zelt, „in dem es im Sommer furchtbar heiß und im Winter furchtbar kalt war“, erinnert sich Josef Schlossnikel, Pfarrer im Ruhestand, daheim in Deisenhofen und seit jeher eng mit St. Bartholomäus und Sanftl verbunden. Es gab weder Kirche noch Pfarrhaus. „Sicher keine leichte Zeit“, sagt Schlossnikel, 82. Denn wie so oft, wenn sich in einem Ort eine zweite Pfarrei gründet, gab es auch in Oberhaching zunächst Spannungen. Auch beim Namen der neuen Pfarrei „gab es ein paar Diskussionen“. Denn es war Bartholomäus Sanftl, der St. Bartholomäus vorschlug. „Doch die Mehrheit war dafür“, erinnert sich Schlossnikel.

Jungen Musikern Strom abgestellt

Der gebürtige Münchner Sanftl, aufgewachsen in Haidhausen und dort 1956 zum Priester geweiht, bewegte sich stets zwischen Tradition und moderner Kirche. Einerseits lehnte er Kinder- und Jugendgottesdienste ab, „da er kein lautes Spektakel und keine Show in seiner Kirche wollte“, steht in der Festschrift 50 Jahre St. Bartholomäus. „Das Auftreten einer Band mit lautem Musikgerät erzeugte bei ihm Unmut und innere Abwehr.“ Und wenn ihm die Jugendlichen bei der Musikprobe im Keller des Pfarrhauses auf den Geist gingen, „passierte es schon einmal, dass er ihnen einfach den Strom abstellte“.

Andererseits begleitete Sanftl die Pfarrjugend bei Ausflügen und gab gerne den Grillmeister bei Festen. Und der Geistliche war absoluter Vorreiter, was die Mitarbeit von Frauen in der Kirche anbelangte. Er wollte – unter großem Protest der Buben – schon in den 1980er Jahren Mädchen als Ministrantinnen zulassen und Frauen für den Lektoren- und Kommunionsdienst gewinnen. Denn als Schlossnikel Deisenhofen verließ, um seinen Berufsweg als Kaplan fortzusetzen, setzte Pfarrer Sanftl auf Laien – gerne auch weibliche. „Um kein Gerede entstehen zu lassen, wenn er ledige Frauen ausgesucht hätte, wählte er drei Ehepaare aus“, die im Frühjahr 1974 erstmals Lektoren- und Kommunionsdienste übernahmen. So steht’s in der Festschrift. Die Berufung von Frauen für diesen Dienst wurde vom Vatikan erst 2010 zugelassen.

Osterevangelium in Deutsch

Auch die Erneuerung des Konzils lag Sanftl sehr am Herzen. Er trug als erster in Oberhaching das Osterevangelium auf deutsch statt in Latein vor. Die Gläubigen sollten „das Wort Gottes nicht nur hören, sondern verstehen und daraus Kraft tanken“, steht in der Festschrift. „Förmliches Nachbeten“ war ihm ein Graus. Dafür die Ökumene umso wichtiger. Schon in den 1970er Jahren setzte sich Sanftl für gemeinsame Andachten ein, unterstützte den ökumenischen Weltgebetstag der Frauen und bestand auf einen ökumenischen Gottesdienst zur Einweihung der Schule in Deisenhofen 1967.

„Er war ein guter Seelsorger“, sagt Pfarrer Schlossnikel. „Nicht bloß Wegweiser für die Gläubigen. Er ist den Weg mit ihnen gegangen.“ Er setzte sich für die Menschen und „seine“ junge Pfarrei ein. 1965 startete der Bau der Pfarrkirche. Während diese und das Pfarrzentrum vom Ordinariat finanziert wurden, sah es für die Kirchenglocken und eine Orgel schlechter aus. St. Bartholomäus war selbst gefragt. Also organisierte Sanftl einen Flohmarkt, dessen Erlös in die Anschaffung der Orgel floss, und einen Büchermarkt für fünf Glocken. 1973 wurden sie geweiht.

1996 feierte der Seelsorger sein 40-jähriges Priesterjubiläum, im April erlebte er noch den 50. Geburtstag „seiner“ Pfarrei und konnte sich ein letztes Mal selbst davon überzeugen, dass mit seiner Hilfe aus einem Gottesdienst-Zelt eine lebendige, starke Pfarrei geworden ist. Bevor er in Frieden für immer die Augen schloss.

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