Der Kasperl ist immer dabei: Uschi Busch und Thomas Fischer in ihrer „Guadl-Bix’n“.
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Der Kasperl ist immer dabei: Uschi Busch und Thomas Fischer in ihrer „Guadl-Bix’n“.

Kasperl Fischer geht neue Wege

Oberhachings neues Guadl-Schlaraffenland

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Seit jeher sieht es Thomas Fischer als seine Bestimmung, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Das macht er jetzt – allerdings anders als gewohnt – mit einem neuen Laden in der Bahnhofsstraße.

Oberhaching - Als Kasperl Fischer zieht er normalerweise als Puppenspieler in der dritten Generation mit seinem Kasperltheater durch die Lande und erfreut Groß und Klein vom Bodensee bis an die Nordsee mit Kasperls Abenteuern. Normalerweise. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie ist bei Thomas Fischer und seiner Frau Uschi Busch nichts mehr normal. Mit einem vollen Auftragsbuch starteten sie ins vergangene Jahr. Dann die Vollbremsung mit dem ersten Lockdown, ein paar wenige Auftritte im Sommer und seitdem ruhen die Puppenfiguren wieder in der Kiste. Die Kosten laufen weiter.

Vom mobilen Verkaufsstand zum eigenen Laden

Doch Thomas Fischer ist ein Stehaufmännchen oder vielleicht sollte man besser sagen, ein Stehaufkasperl. Schon im Sommer, als er einen Schlaganfall erlitt, kämpfte er sich ganz schnell wieder zurück in sein Leben und hinter den Vorhang. Über den Winter stand das Ehepaar dann mit seiner Guadl-Bixn, einem mobilen Verkaufsstand mit Süßigkeiten, heißen Getränken, Wurst und Waffeln auf Wochenmärkten, vor Geschäften und Einkaufszentren. Jetzt gibt es die „Guadl-Bix’n“ auch ohne Räder: In der Bahnhofstraße 27 erfüllen Uschi Busch und Thomas Fischer süße Kinderträume. Auch Erwachsene kommen ins Schwärmen angesichts der Regale voller Süßigkeiten und anderer Leckerein vom Tee über Chutneys bis zur Elchsalami. Auf der Theke stapeln sich in Plastikboxen saure Stangen, weiße Mäuse und Gummischlangen. Es gibt Zuckerwatte, frische Crepes und Waffeln – ein kleines Schlaraffenland, das das Ehepaar mit gratis-Regalen von Wohnungsauflösungen liebevoll eingerichtet hat.

Oberhachinger unterstützen mit Spenden

„Die Resonanz bisher ist großartig“, sagt Uschi Busch. Jetzt vor Ostern decken sich viele mit Schokohasen und anderem Naschwerk ein. Und dazwischen sitzt der Kasperl auf der Theke – und wartet auf seinen nächsten Auftritt. Wann das sein wird, Thomas Fischer weiß es nicht. Vieles versteht er nicht mehr, was die Politiker da so entscheiden. Warum er unter freiem Himmel bei ausreichend Abstand keine Vorstellung geben darf, während sich im Supermarkt die Menschen drängen. Aber irgendwie muss es ja weitergehen, irgendwie die Miete bezahlt werden.

Mit einer spontanen Spendenaktion in den sozialen Medien haben die Oberhachinger erst vor kurzem ihrem Kasperl Fischer den Rücken gestärkt, nachdem dieser offen darüber gesprochen hatte, wie sehr die Krise seine Existenz bedroht. Mit der Guadl-Bix’n hofft er, einigermaßen über die Runden zu kommen – bis sich endlich wieder der Vorhang öffnet – und die Kinder lautstark nach dem Kasperl schreien.

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