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Abgemagert bis auf die Knochen: In diesem schlimmen Zustand fand Helga Fröschl-Augart Alina 2014 in Ägypten.

Verein aus Oberhaching hilft

Letzte Rettung für geschundene Pferde

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Völlig abgemagert und offene Wunden am ganzen Körper: Ohne  den Verein aus Oberhaching wären etliche Arbeitspferde in Ägypten längst tot. Die Armut im Land ist bitter.

Oberhaching – In erbärmlichem Zustand, fast verhungert und voller Wunden sind die Pferde in Kairo und Matruh, um die sich der Verein „Voice of the Soul“ kümmert. Es sind Arbeitspferde, die die Touristen zu den Pyramiden brachten. Doch die Region ist vielen Urlaubern zu unsicher geworden, die Reisenden bleiben mehr und mehr aus. Die Pferde und ihre Besitzer hungern.

Die gute Seele des Vereins: Gründerin Helga Fröschl-Augart aus Oberhaching.

Der Verein „Voice of the Soul“ aus Oberhaching hilft ihnen. „Wir können nicht die Welt retten, aber retten wir ein Tier, retten wir seine Welt!“ So lautet der Leitspruch von Helga Fröschl-Augart. Vor gut eineinhalb Jahren rief sie den Verein ins Leben. „Alina, heute eine fröhliche Araberstute, war schuld“, sagt sie und lächelt. 2014 machte die vierfache Mutter Urlaub in Ägypten. Bei eine Nilflussfahrt stoppte sie an der Tempelanlage von Edfu. „Ein Konvoi von Pferdekarren brachte die Touristen zum Tempel“, erzählt Fröschl-Augart. 

Der Anblick der weißen Stute, die ihren Wagen zog, zerriss ihr das Herz. Nur Haut und Knochen war sie noch, hatte viele Wunden, manche mit Maden. „Ich gab kein Trinkgeld, sondern besorgte Futter fürs Pferd“, erzählt die Vereins-Chefin. Kaum wieder zurück auf dem Schiff, fasste Fröschl-Augart den Entschluss: „Ich muss das Pferd kaufen.“ Tatsächlich gelang das nach dreimonatigem Hin und Her mit Hilfe des „Brooke Hospital for Animals Kairo“.

Kräftig, fit und voller Leben ist die Araberstute Alina heute dank der Pflege durch den Verein.

Vor 84 Jahren gegründet von der Tierschützerin Dorothy Brooke. Heute gibt es Dependancen in Ägypten, Indien, Jordanien und Pakistan. „Der Leiter, ein ganz toller Mensch, fand Alina schließlich wieder“, erzählt Fröschl-Augart. Sie selbst war längst wieder in Oberhaching. Vier Monate wurde die Stute im Hospital aufgepäppelt – und sprüht heute vor Lebenslust.

Mittlerweile ist die Oberhachingerin immer vier Wochen daheim und dann wieder für zwei Wochen in Ägypten, um nach den Pferden zu sehen. Und natürlich nach ihrem Mann Rizk bo Abed, Pferdezüchter und Chef der Station in Matruh. Seit dreieinhalb Jahren sind sie ein Paar und machen auch bei der Pferderettung gemeinsame Sache.

2000 mal Pferde berhandelt

Das Ergebnis ist respektabel: Seit Vereinsgründung behandelte ein Tierarzt über 2000 Mal Pferde in Matruh und Kairo. Dort sind Boxen bei Stallbesitzer Ramadan Ebrahim angemietet. Bei ihm stehen die Tiere zur Langzeitbehandlung. 15 sind es momentan, 25 konnten entlassen und ihren Besitzern zurückgegeben werden. „Die Leute sind bettelarm und wissen meist nichts über Pferdehaltung“, sagt die Vereins-Chefin. Sie und ihre Helfer, die ebenso wie die Tierärzte ehrenamtlich arbeiten, klären die Halter auf. Denn nur ein gesundes Pferd kann arbeiten und den Lebensunterhalt der Familie sichern. Zuerst komme der Mensch, dann das Tier. „Für Letzteres reicht dann das Geld nicht mal fürs Futter“, sagt die Tierschützerin. „Unser Verein ist vor Ort bekannt, oft werden kranke Pferde zu uns gebracht“, sagt sie.

Besitzer müssen gute Pflege nachweisen

Freilich gibt es Schutzverträge. So müssen Besitzer regelmäßig mit ihren gesund gepflegten Pferden wieder in den Stationen vorbeikommen, um zu zeigen, dass es den Tieren gut geht. „Rückblickend bin ich überwältig von unserm Erfolg, aber es gibt noch so viel zu tun. Wir brauchen dringend einen Gnadenhof für Pferde, die zu gebrechlich zum Arbeiten sind, nach dem Vorbild von Gut Aiderbichl.“ Deshalb sucht der Verein dringend Sponsoren. Denn Helga Fröschl-Augart hat selbst erlebt, wie toll es ist, „wenn traurige Pferdeaugen wieder leuchten können“.

Spenden und Paten

Etwa 3000 Euro benötigt der Verein im Monat für die Pferde in Ägypten Jede Spende kommt 1:1 in Ägypten an, verspricht Helga Fröschl-Augart. Wer helfen möchte, findet unter www.voiceofthe soul.de alle Infos zum Spendenkonto und über Patenschaften für Pferde, die ab 50 Euro pro Monat möglich sind.

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