Spendenplakat für Corona-Nothilfefonds
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Mit diesem Plakat wirbt der Landkreis für die Spendenaktion.

Landkreis startet mit Corona-Nothilfefonds

Starkes Zeichen des Zusammenhalts: Spendenaktion für Bürger in Not

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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Ein „riesige solidarische Gemeinschaftsaktion“ will Landrat Christoph Göbel zusammen mit den Wohlfahrtsverbänden und den Nachbarschaftshilfen im Landkreis auf die Beine stellen.

Hintergrund ist der Beschluss des Kreistags, einen Corona-Notfhilfefonds für Menschen einzurichten, die in der Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.Den Plan, selbst ein Spendenkonto einzurichten, auf das Unternehmen und Privatleute einzahlen können, hat das Landratsamt schnell wieder verworfen. „Zu viele rechtliche und bürokratischen Hürden“, erklärt Göbel. Man könne da etwa schlecht Spenden von Firmen annehmen, mit denen man auf irgendeine Weise zusammenarbeite. Deshalb hat sich die Arbeiterwohlfahrt bereit erklärt, ein Spendenkonto zu eröffnen.

Gleichwohl will der Landkreis den Nothilfefonds ordentlich bewerben. Unbürokratischer und schneller als etwa die Novemberhilfen soll das Geld verteilt werden. Gebraucht wird es vielerorts: „Unsere Sozialarbeiter berichten täglich von vielen Menschen, die durch die Krise in die Armut gerutscht sind und deren Situation sich immer mehr verschärft“, sagt Andrea Betz von der Diakonie München und Oberbayern, die derzeit auch Sprecherin der Wohlfahrtsverbände ist.

Spendenkonto

Coronanothilfe Landkreis München, Kontoinhaber: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband München-Land, IBAN: DE61 7025 0150 0029 6183 86, Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg 

Es geht um Menschen mit großen Existenz- und Zukunftsängsten, weil sie ihre Miete oder die Nebenkosten nicht mehr bezahlen können, denen das Geld für Lebensmittel nicht mehr reicht.

Regelsatz reicht nicht

Menschen, die von Sozialhilfe leben, wo der Regelsatz aber nicht reicht, um den fehlenden Mittagstisch für die Kinder in der Schule zu kompensieren oder Endgeräte für das Homeschooling anzuschaffen. Menschen wie die 70-Jährige, von welcher Matthias Hilzensauer, Kreisgeschäftsführer der Caritas berichtet, die mit ihrer Rente knapp über der Grenze liegt, um Hilfe vom Staat zu bekommen und die sich immer mit einem Minijob als Kellnerin über Wasser hielt. „Doch seit einem Jahr kann sie das nicht mehr“, sagt Hilzensauer. Neben der Miete bleiben ihr derzeit 350 Euro im Monat zum Leben. „100 Euro monatlich würden ihr reichen, um die nächste Zeit über die Runden zu kommen,.“ Ein Tablet würde sich eine 55-Jährige wünschen, von der Andrea Betz weiß. Sie lebt von ihrer Erwerbsminderungsrente zusammen mit ihrer kranken Mutter, die sie auch pflegt. „Durch die Corona-Pandemie lebt sie mittlerweile sehr isoliert und erhofft sich durch das Tablet wieder mehr Kontakte.“ Genau für solche Fälle ist das Geld aus dem Nothilfefonds gedacht.

Viele Zusatzausgaben

„FFP2-Masken, Hygienematerial, Nachzahlung von Mietnebenkosten, Zuzahlungen bei den Gesundheitskosten – all diese Extras werden für viele zum Problem“, sagt Andrea Betz. „Wir wollen den Menschen wieder Mut und Hoffnung machen, eine Perspektive ermöglichen – auch wenn eine Einzelfallhilfe natürlich kein Allheilmittel ist“, sagt Betz. So sollen die Menschen neben der finanziellen Unterstützung auch eine umfassende Beratung bekommen, was ihre Situation sonst erleichtern könnte. „Zudem wollen wir immer klären, ob es nicht andere Hilfsfonds, etwa von der Regierung gibt, die man nutzen könnte.“

Bedürftigkeitsprüfung

Auch wenn das Geld schnell dort ankommen soll, wo es gebraucht wird, wird zunächst dennoch geprüft, ob der- oder diejenige wirklich bedürftig ist. „Es geht nicht darum, zu helfen, wenn jemand den Kredit für sein Haus nicht mehr bedienen kann“, sagt Göbel. „Es geht um Menschen, die auf nichts zurückgreifen können.“ Wie die Familie mit drei Kindern, von welcher Michael Germayer, Chef des Kreisverbands der AWO, erzählt: Der Vater in Kurzarbeit, die älteste Tochter, die mit der Ausbildung fertig ist, aber derzeit nicht einmal ein Praktikum bekommt und der jüngste Sohn, der in der vierten Klasse im Homeschooling nicht mehr mitkommt und wo nun auf der Kippe steht, ob er es auf die Realschule schafft. „Mit regelmäßiger Nachhilfe über ein paar Monate könnte man mit relativ wenig Geld viel bewirken“, so Germayer.

Hilfebedarf aufdecken

Das Spendengeld, selbst wenn es bei der AWO angelegt ist, soll gerecht verteilt werden. „Die Linderung der Not kommt hier vor jedem verbandlichen Denken“, betont Germayer. „Die Menschen können sich an die Nachbarschaftshilfe, die Beratungsstellen oder unter der zentralen Email-Adresse (coronanothilfelandkreismuenchen@web.de) an uns wenden“, erklärt Andrea Betz. Bis zu einem Betrag von 500 Euro können die Berater selbst entscheiden, ab 500 Euro gilt das Vier-Augen-Prinzip und die Geschäftsführung muss zustimmen. Was sich Landrat Göbel noch erhofft: „Hilfebedarf aufzudecken, den bisher keiner erkannt hat.“ Er möchte auch die ermutigen, sich zu melden, die sich bisher geschämt haben, um Hilfe zu bitten. Das Ziel: Der Spendenfonds soll ein Zeichen des Zusammenhalts im Landkreis werden.

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