Hier ist was los: Wenn es dunkel wird, erwacht der Garten der Familie Reidl in Oberhaching zu leuchtendem Leben.
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Hier ist was los: Wenn es dunkel wird, erwacht der Garten der Familie Reidl in Oberhaching zu leuchtendem Leben.

Familie Reidl aus Oberhaching liebt das Dekorieren

Zu Besuch im Weihnachtswunderland

  • Doris Richter
    vonDoris Richter
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„Ein bisserl narrisch muss man schon sein für sowas“, sagt Judith Reidl. Betritt man ihre Wohnung, versteht man, was sie meint: Hier wohnt jemand, der die Weihnachtszeit wirklich sehr sehr liebt. Und ein Faible für aufwendige Dekoration hat.

Oberhaching – Im Flur begrüßen mindestens 100 Schneemann-Figuren die Besucher, in allen Größen, aus verschiedenen Materialien, mal leuchtend, mal mit Schal, mal mit Besen in der Hand, stehen sie auf einer weißen (Schnee-)Decke unter einem beschneiten Baum. Darüber hängen etliche Nikolaussackerl an der Wand, gekauft für oder selbstgebastelt von den mittlerweile erwachsenen Söhnen.

Fühlen sich pudelwohl in ihrem Weihnachtswohnzimmer: Die Deko-Experten Judith und Hans Reidl.

Der Adventskalender: ein Regal mit 24 Türen

Biegt man links ins Wohnzimmer ein, geht es dann so richtig los. Überall funkelt und blinkt es. Weihnachtswunderland wohin man schaut. Der Familienadvents-kalender – ein Regal mit 24 Türen, liebevoll beklebt mit Weihnachtsmotiven, die Judith Reidl und ihr Mann aus dem Internet zusammengesucht, ausgedruckt und zum Teil noch mit Glitzer verziert haben. Über dem Kalender-Regal und dem Angrenzenden erstreckt sich auf etwa zwei Metern die Weihnachtskrippe. Wobei das untertrieben ist. Vielmehr schaut man in eine Weihnachtskrippenlandschaft, daneben eine Weide mit Hirten am Lagerfeuer und Stall im Hintergrund, links ein orientalischer Basar, an dem man sich kaum sattsehen kann, so viele Kleinigkeiten gibt es da zu entdecken. Winzige Früchte in kleinen gehäkelten Körbchen, Teppiche, Hühner Ställen, flackernde Laternen an den Wänden. „Die haben mich wirklich gefuchst“, sagt Hans Reidl. Die Gebäude hat er alle selbst gebaut und zusammen mit seiner Frau die Kleinteile zusammengetragen. „Wir haben irgendwann mal die orientalischen Krippenfiguren gekauft, aber keine passenden Gebäude dazu gefunden“, erzählt Hans Reidl. Kurzerhand hat er sie dann eben selbst gemacht aus Styropor und Spanplatten. Als Schreiner – kein Problem. Sein handwerkliches Geschick ist allerorts zu erkennen. Auf einem Holzpodest erstreckt sich entlang des Fensters ein Weihnachtsdorf mit Häusern, Marktständen und leuchtenden Laternen.

Der Zug startet von einem Weihnachtsmarkt.

Dem Weihnachtsfieber seit Jahren verfallen

Wie das alles angefangen hat, das wissen die Reidls schon gar nicht mehr so genau. Irgendwann gab es da den ersten Schneemann, das erste Häuschen, das erste beleuchtete Reh im Garten – und dann wurde es halt immer mehr. Oft sieht Hans Reidl wieder was am Wertstoffhof, wozu er eine Idee hat. Wie die alte Laterne, in die er eine kleine Krippe reingebaut hat. „Das Explosionsjahr“, wie Hans Reidl es nennt, „war 2016“. Da baute er die große Krippe, und im Garten ist seitdem auch so richtig was los, wenn es draußen langsam dunkel wird: In der Mitte ist dann der Schlitten mit den Rentieren unterwegs, daneben grast das Reh, links ein selbst geschreinerter, mannshoher Stall mit kleinkindergroßen Krippenfiguren, am Rand fährt der Weihnachtszug, aus dem Weihnachtslieder trällern, von der Terrasse bis zum Zaun und in einer Schleife wieder zurück. Hecken und Bäume zieren unzählige kleine Lichter. „Um die 2000 hab ich irgendwann mal gezählt“, sagt Reidl.

Selbstgebaut: Der orientalische Basar ist Teil der großen Krippe. Darunter das Adventskalender-Regal.

Vor allem Kinder stehen begeistert am Zaun

Gerade gibt es wieder Zaungäste, die durch die Hecke spähen. „Wir haben extra zwei Gucklöcher reingeschnitten, damit man was sehen kann“, sagt der 52-Jährige. Vor allem am Wochenende stehen die Kinder am Zaun und sind ganz aufgeregt, wenn der Zug an ihnen vorbeifährt. Das freut die Reidls. „Es sind schwierige Zeiten, da ist es schön, wenn mal alles leuchtet und es ein bisschen Abwechslung gibt.“ Das sehen auch Passanten und Nachbarn so. „Wir bekommen nur positive Rückmeldungen.“ Die viele Arbeit, die dahintersteckt, hat sich gelohnt. Natürlich macht es ihnen Spaß, sonst würden sie es ja nicht machen. Trotzdem: Anfang Oktober holen sie die Sachen aus einer Halle, wo sie Hans Reidl einlagern kann übers Jahr. Mitte Oktober werden Hecke und Bäume geschnitten, dann kommen die ersten Lichter dran. „Etwa 14 Tage dauert es, dann ist der Garten fertig dekoriert“, erzählt Hans Reidl. „Das passiert ja alles nebenbei, am Feierabend und am Wochenende.“ Etwa 35 Stromleitungen verlegt er dann im Garten, die alle auf einen Schaltkasten zulaufen. Alte Hamsterkäfige, die er mit wasserdichter Plane bezogen und mit Schleife als Geschenke getarnt hat, schützen die Elektronik.

Ihre Schneemannsammlung haben die Reidls in ihrem Flur aufgereiht.

Hans Reidl: „Meine Freunde nennen mich schon den Christ-Messie“

Innen ist Judith Reidl ungefähr drei Tage mit Dekorieren beschäftigt – inklusive beleuchteter Weihnachtssofakissen und zahlreicher Sterne. Glaubt man aber, dass nur sie die treibende Kraft ist – weit gefehlt. „Meine Freunde nennen mich schon den Christ-Messie“, sagt Hans Reidl und lacht. Während seine Frau bremst, hat er schon wieder neue Objekte im Visier. „Ich bin schon als kleiner Bub immer ganz begeistert vor den beleuchteten Bäumen gestanden.“

Ein bisschen eng wird es an Heiligabend, wenn noch der Christbaum ins Wohnzimmer kommt – nicht gerade klein fällt der aus und trägt natürlich jede Menge Schmuck. Doch der gehört dazu, wenn die Reidls mit ihren zwei Söhnen zusammen feiern. Bis 6. Januar dauert der Lichterglanz im Garten. Ende Januar wird dann auch das letzte Stück wieder in die Kisten verpackt – bis zum nächsten Weihnachten.

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