Geplantes Tierkrematorium stinkt Anwohnern jetzt schon

Oberschleißheim - Mit klarer Mehrheit wenden sich die Schleißheimer Gemeinderäte gegen das am Bruckmannring geplante Tierkrematorium. Anlieger befürchten übelriechende Dämpfe und argumentieren mit dem Wertverlust ihrer Grundstücke.

Der Gemeinde sind jedoch die Hände gebunden. Wie Bauamtsleiter Josef Schartel den Fraktionen am Montagabend im Bauausschuss mitteilte, hält die zuständige Regierung von Oberbayern selbst eine Umweltverträglichkeitsprüfung für unnötig. Ein Tierkrematorium gilt als Gewerbebetrieb. „Es gibt keinen Grund, die Genehmigung zu verweigern“, so Schartel. Das in Miesbach ansässige Unternehmen drängt offensichtlich in aller Eile nach Oberschleißheim. Gemäß einer schriftlich vorliegenden „Kurzbeschreibung“ sollte das Tierkrematorium bereits am 15. April in Betrieb gehen. Wie bereits berichtet, will Tierbestatterin Tanja Huber-Schurkus (36) in der Anlage am Bruckmannring 36 vor allem Haustiere bis zu der Größe eines Hundes kremieren. Die Verbrennungsanlage ist mit einer „maximalen Kapazität von 49 Kilogramm Durchsatz pro Stunde“ beschrieben. Nachteilige Umwelteinwirkungen seien nicht zu erwarten. Während der Gemeinde das Image einer Tierverbrennungsanlage und die Nähe des Betriebs zu Wohngebieten Sorge bereiten, fürchten unmittelbare Nachbarn und Grundstückseigner Beeinträchtigungen durch Schadstoffe und Geruch. „Wir haben schon ein Gestanksproblem im Westen Oberschleißheims und machen die nächste Geruchsquelle auf“, argumentierte CSU-Fraktionssprecherin Gisela Kranz: „Ich möchte nicht wissen, was da bald los ist!“

Wie zu hören ist, sind bereits Unterschriftenlisten im Umlauf. Peter Benthues (CSU) regte sogar ein Bürgerbegehren an. Für ihn ist das vom Gesetzgeber vorgegebene Maß der „erheblichen Beeinträchtigung“ durch die, wie er es nannte, „Tierkörperbeseitigungsanlage“ erreicht. „Mir macht keiner vor, dass Hunde und Katzen ohne erhebliche Beeinträchtigungen verbrannt werden.“ Zu den Nachbarn zählen zwei jüngst ausgeschiedene Gemeinderäte. Der frühere FDP-Sprecher Casimir Katz teilte nach der Sitzung mit, von Vertretern des Unternehmens Besuch erhalten zu haben. „Die wollten, dass ich unterschreibe, nichts gegen den Betrieb zu haben.“ Auf seine Frage nach konkreten Schadstoffwerten habe er bis heute keine Antwort erhalten. Ex-Rat Rudolf Batzer (CSU) beklagte, als Grundstückseigner nicht informiert worden zu sein. Für ihn steht außer Frage, weshalb der Betrieb nach Oberschleißheim drängt: wegen der tierärztlichen Fakultät und dem Lehr- und Versuchsgut der Universität. Obwohl Widerstand der Gemeinde von den übergeordneten Behörden aufgehoben werden dürfte, entschied der Ausschuss mit zehn zu zwei Stimmen, sein Einvernehmen zu verweigern. Als Bürgermeister sah sich Christian Kuchlbauer (FW) verpflichtet, der Gesetzeslage zu entsprechen. Irene Beck (FDP) erinnerte an Tierhalter, für die ein Krematorium mit entsprechendem Service eine Erleichterung wäre. „Viele Menschen haben nur ein Haustier zum Partner.“

Tierbestatterin Tanja Huber-Schurkus (36), die in der Ausschusssitzung war, versicherte dem Münchner Merkur, in Bezug auf Emissionen deutlich unter EU-Norm zu liegen. Eine Anlage des Unternehmens in Darmstadt sei sogar neben einem Wohngebiet und einem Kinderspielplatz erlaubt worden. Huber-Schurkus kündigte eine Informationsveranstaltung in Oberschleißheim an, will den Termin noch bekannt geben. Mit einer Tierkörperbeseitigungsanlage habe ihr Betrieb nichts zu tun. „Bei dem Begriff hat es mich gefroren.“ Als Anliegerin würde sie wohl selbst auf die Barrikaden steigen. an

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