Hier geht’s lang: Verbandschef Wolf-Dieter Waag (hier ein Symbolfoto) will neue Gewerbeflächen. Foto: Gefö/a.

Gewerbeverband pocht auf Fachmann für Wirtschaftsfragen

Oberschleißheim - Der Gewerbeverband erneuert seine Forderung nach einem Gewerbebeauftragten für Oberschleißheim: Gerade weil die Gemeinde über so wenige Flächen verfügt, hält Verbandschef Wolf Dieter Waag einen Fachmann für unabdinglich.

Oberschleißheim - Entgegen der Ansicht, die Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) kürzlich im Gespräch mit dem Münchner Merkur äußerte, wonach sich ein Gewerbebeauftragter zur Zeit vor allem mit „Leerstandsmanagement“ zu befassen hätte, kommt es Verbandschef Waag darauf an, Zeichen zu setzen. In dieser Frage sei man sich gerade mit den Grünen einig, ergänzt er: „Wir müssen Flächen ausweisen.“

Wie Kuchlbauer denkt Waag dabei in erster Linie an das Gebiet westlich der Sonnenstraße. Dorthin plant die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die Tierärztliche Fakultät komplett zu verlegen. Auf der Bürgerversammlung im November gab sich der Dekan der Universität, Joachim Braun, dafür Zeit bis zum Jahr 2040. Eine Einrichtung dieser Art stünde der Gemeinde sicher gut zu Gesicht, meint Waag. Die eigentliche Frage aber laute: Wie weit in den Süden soll der Campus reichen? Bürgermeister Kuchlbauer geht davon aus, dass der Gemeinde am Ende eine Fläche zur Verfügung steht, die mit dem Areal der LMU identisch ist. Bis 2040 ist eine lange Zeitspanne, und wie Rathaus-Sprecherin Michaela Wiencke bestätigt, ist eine Grenzlinie nicht abgesteckt. Man werde sich in dieser Sache mit der LMU besprechen. Einen Termin gibt es noch nicht.

Ein Gewerbebeauftragter wäre da genau der richtige Ansprechpartner, findet Gewerbesprecher Waag. Er könnte frühzeitig gewerbliche Interessenten bewerben. Denn laut Waag kommt erschwerend dazu, „dass wir nicht genau wissen, ob dieses Gelände nicht auch belastet ist?“ Vor 15 Jahren musste der Freistaat auf der gegenüberliegenden Straßenseite den mit Schwermetallen belasteten Grund abtragen.

Die Gelegenheit, an der Sonnenstraße Gewerbe anzusiedeln, dürfe man nach Ansicht von Waag auf keinen Fall verpassen: „Wozu sind wir den Flächentausch mit dem Freistaat sonst eingegangen?“ Der Plan lautete: LMU-Vergrößerung gegen Gewerbegebiet an der A92. Mit dem Entscheid gegen Gewerbe an der A 92 hätten die Oberschleißheimer „die größte Chance für den Ort vertan“, denkt Waag. „Ein Gewerbebeauftragter kostet Geld“, stimmte Waag dem Bürgermeister zu. „Aber niemand spricht von einer Vollzeitstelle.“ Innerhalb des Gewerbeverbands habe man Alternativen erörtert: Das Angebot reicht von einer Halbzeitkraft, über Selbständige, die auf Erfolgsbasis bezahlt würden bis zu einem Modell nach dem Vorbild der „Sozialen Stadt“. Warum sollte sich nicht ein Professor mit seinen Wirtschaftsstudenten der Gemeinde und ihres Gewerbeproblems annehmen?

Diese Fragen könnte man an einem Runden Tisch bereden. „Mit Bürgermeisterin Elisabeth Ziegler (SPD) haben wir uns vierteljährlich getroffen.“ Vom neuen Rathauschef wünscht Waag sich ein entsprechendes Angebot. Für Oktober sei ihm ein Termin zugesichert worden. Ob Runder Tisch oder nicht. „Mit dem Verkehrsargument haben wir uns viel kaputt geredet.“ Das steht für Waag in Stein gemeißelt: „Weisen wir eine Firma ab, geht sie zum Nachbarn, und wir haben trotzdem den Verkehr“, sagte er mit Verweis auf den Büropark in Unterschleißheim: „Die Guten ins Unterschleißheimer Töpfchen; die Schlechten ins Oberschleißheimer Kröpfchen“, hatte Waag im Juli geschimpft, als dem Gemeinderat nur das unwirksame Veto in der von den Nachbarn pro forma abverlangten Stellungnahme blieb.

Auch interessant

Kommentare